Justiz München-Neuperlach: Schuss vor Arztpraxis

Mit einer Gaspistole soll Wachmann Steve H. (26, groß) dem Patienten Ferdinand H. (42, klein) vor einer Arztpraxis ins Gesicht geschossen haben. Foto: th, Ronald Zimmermann

Ein Sicherheitsmann, der seit einer Geiselnahme 2011 eine Ersatz-Drogen-Praxis in Neuperlach bewacht, soll mit einer Gaspistole grundlos auf einen der Patienten gefeuert haben.

 

München - Den Tag vergisst der arbeitslose Kaufmann Ferdinand N. (42) nie: „Der Wachmann hat einfach seine Gaspistole gezogen und mir ins Gesicht geschossen. Ich habe heute noch Probleme mit den Augen.“ Sicherheitsmann Steve H. (26) steht jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Münchner Amtsgericht. Sein Anwalt Uwe Paschertz sagt: „Es lag Notwehr vor. Der Herr N. hatte ihn angegriffen.“

Der Vorfall ereignet sich am 20. Juni 2012, gegen 9.30 Uhr, vor der Arzt-Praxis im Marx-Zentrum Neuperlach. Es ist Samstag. 20 ehemals drogenabhängige Männer und Frauen stehen vor der Tür Schlange. Wachmann Steve H. bewacht die Tür und lässt nur immer drei Patienten rein, die mit dem Heroin-Ersatz Methadon behandelt werden. Sven H.: „Ich bewache seit November 2011 die Tür, weil in der Praxis eine Geiselnahme stattgefunden hat.“

Ein 51-Jähriger ist damals mit einer Pistole in die Praxis gestürmt. Auch er leidet an einem Suchtproblem. Der Arzt und Personal flüchten ins Freie. Das SEK rückt an. Eine Patientin (42) hört sich das Problem des Mannes an. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Der Mann kommt nach Haar (AZ berichtete). Seit Steve H. vor der Tür steht, ist nichts mehr passiert. Ferdinand N., der bereits sechs Jahre in der Praxis substituiert wird, ist an dem Tag leicht angetrunken, er will einen Alkoholtest machen.

Steve H. weist ihn ab: „Heute kommen nur Patienten rein, die Methadon bekommen.“ Ferdinand N. gibt zu: „Da bin ich schon etwas lauter geworden, habe ihn beschimpft.“ Plötzlich zieht Steve H. die Gaspistole. Ferdinand sei dann zum Ausgang gelaufen. Erc sagt: „Steve hat plötzlich geschrien. Als ich mich umdrehte schoss er mir aus zwei Meter Entfernung ins Gesicht.“

Ferdinand N. fällt zu Boden, sieht nichts mehr, krümmt sich vor Schmerzen. Der Raum füllt sich binnen Sekunden mit Gas. Die Patienten müssen husten, öffnen die Flurfenster, alarmieren die Polizei. Ein Bekannter hilft Ferdinand N. auf, bringt ihn zum Waschbecken. Anschließend geht Ferdinand N. zum Augenarzt. Steve H. sieht den Vorfall anders: „Der kam mit geballten Fäusten auf mich zu, schrie, dass er mich umbringen werde.“ Aus Angst habe er dann abgedrückt. Drei Zeugen schildern den Fall aber so wie Ferdinand N. Jetzt will Paschertz am 22. Januar weitere Zeugen hören.[

 

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