Junge Kritiker I Heart Sharks im Atomic Café

I Heart Sharks aus Berlin im Atomic Café. Ein junger Kritiker war für die AZ dabei. Foto: Christian Meißner

Die Berliner von "I Heart Sharks" ließen im Atomic Café die unersättlichen Massen um eine Zugabe flehen. Ein Jugendlicher schildert seine Sicht auf das Konzert.

 

München - Das Debütalbum “Summer” der Berliner Band I Heart Sharks überzeugte 2011 mit einem frischen Sound zwischen Foals und Krautrock. Letzten Freitag zeigten die drei Musiker, dass ihr Album auf die Bühne und nicht auf das iPhone gehört.

Als Support spielten Krahnstover, die intelligenten Elektro mit weiblichen Gesang paaren. Die jungen Leipziger sind klanglich absolut auf der Höhe der Zeit, wie man an der basslastigen Dubstep-Filterung und den Nintendo-Sounds erkennen kann. Krahnstover klingen dank ihres düsteren Understatements wie eine moderne Version von Joy Division. Es ist erstaunlich, wie Krahnstover es verhindern, in den Abgründen ihrer Songs zu versinken, sondern stets den klaren Blick für das Wesentliche behalten. Von dieser Band wird man noch hören.

Die Erwartungen an I Heart Sharks sind zwar hoch, aber nicht höher als diejenigen, die man an andere Indiebands legt, die im Atomic Café ihr Debüt machen. Schon wenige Minuten nach der ersten Note sind die Erwartungen um Längen übertroffen. Diese Band lebt für ihre Musik, hier ist echter Schweiß und echtes Gitarrenspiel zu sehen. Das grandiose Stageacting drängt sich schnell an den Rang des Bewusstseins, da das gesamte Sichtfeld von der ekstatisch hüpfenden Masse eingenommen wird. Als die Band nach einen lächerlich kurz wirkenden Zeit von der Bühne geht, verlangt jede einzelne Stimme im Atomic Café wie im Rausch nach einer Zugabe. Es ist als ob I Heart Sharks bei den Zuschauern alles Rationale ausgeschaltet und die tiefsten Instinkte zum Vorschein gebracht hätten.

Das Überwältigende an diesem Konzert ist gleichzeitig ein Trauerzeugnis für die moderne Musikbrache. Schließlich machen I Heart Sharks nichts Besonderes, sondern nur ihr Ding besonders gut. In einer Welt, in der alles künstlich und oberflächlich ist, bleibt dieses Konzert als ein Befreiungsschlag in Erinnerung.

 

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