Junge in Kommunalämtern Bayern-Sozis ohne Nachwuchssorgen

Der 33-jährige Jurist Florian Töpper stieß im Schweinfurter Landratsamt den altgedienten CSU-Landrat Harald Leitherer vom Thron. Foto: AZ Aktuellredaktion

MÜNCHEN/SCHWEINFURT Die Jungen interessieren sich nicht für Politik? Für die Bayern-SPD scheint das nicht zu stimmen: Am Sonntag wurde der 33-jährige Florian Töpper erdrutschartig zum neuen Landrat im unterfränkischen Schweinfurt gewählt.

 

Ein Trend? In den letzten eineinhalb Jahren sind noch drei weitere Sozi-Jungspunde in wichtige Kommunalämter gewählt worden: Der 26-jährige Michael Adam wurde erst Bürgermeister von Bodenmais und dann Landrat von Regen. Der 25-jährige Stefan Rottmann aus Schonungen wurde im April jüngster Bürgermeister Deutschlands. Ein halbes Jahr später musste er den Titel wieder abgeben, an den zehn Tage jüngeren Tobias Ehrlicher aus Bad Rodach. „Da ist glaube ich schon eine größere Offenheit bei der Bayern-SPD auch für junge Politiker“, sagt Töpper am Tag nach der Wahl.

"Wenn man sich so umschaut in der Kommunalpolitik, dann bricht in den nächsten Jahren bald ein echter Fachkräftemangel aus", sagt Stefan Rottmann, Bürgermeister von Schonungen. "Deshalb finde ich es gut, wenn eine Partei auf Junge in verantwortlichen Positionen setzt."

Generationenwechsel

BayernSPD-Chef Florian Pronold bewundert die jungen Politiker-Kollegen: "Sie haben alle drei Dinge gemeinsam: Sie sind wahnsinnig fleißig, sie sind ungeheuer kommunikativ und sie jammern nicht, sondern bieten ganz konkrete Lösungsvorschläge an."

Pronold hält das Klima in seiner Partei für besonders Jungen-freundlich: Fraktionschef Markus Rinderspacher, Generalsekretärin Natascha Kohnen, er selbst – alle unter 45. „Wir reden halt nicht nur vom Generationswechsel, sondern machen ihn auch“, sagt Pronold. „Im Gegensatz zur CSU, bei denen ist das ja eher ein Hütchenspiel. Mal mit Aigner, dann mit Söder, dann mit Haderthauer. Und wenn einer aufsteht, schmeißen alle anderen mit Sand. Bis der Seehofer sagt, okay, ich bleibe bis ans Ende meiner Tage.“

Die Chefin der Jungen Union, Katrin Albsteiger, will in den Wahlerfolgen für die jungen Sozis aber keinen Trend erkennen: „Bei Kommunalwahlen geht's immer sehr stark um die Personen und Situationen vor Ort. Spannend wäre es gewesen, wenn zum Beispiel in Schweinfurt ein junger CSU- gegen einen jungen SPD-Kandidat angetreten wäre.“ Auch die CSU stellt in Bayern zwei junge Kommunalpolitiker: Christian Moser (35), den OB von Deggendorf und Stephan Oetzinger (27), Bürgermeister von Mantel im Kreis Neustadt/Waldnaab.

Junge Kandidaten hätten eben gute Chancen bei Wahlen, sagt die 28-jährige Albsteiger: „Sie lieben ihre Heimat und machen engagierten Wahlkampf. Insofern ist es schön, wenn solche Kandidten von der Mutterpartei auch ausreichend Unterstützung erfahren.“ Albsteiger selbst hätte die wohl auch gern: Wie am Wochenende durchgesickert war, sollen die Listenplätze eins und zwei der Schwaben-CSU für die Landtagswahl offenbar an zwei altgediente Politiker gehen: Justizministerin Beate Merk und Fraktionschef Georg Schmid.

 

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