Joyce DiDonato Ihre neue CD "In War & Peace"

Die Mezzosopranistin Joyce DiDonato träumte auf der Highschool in Kansas davon, Musical-Sängerin zu werden. Aber bei Händel, Mozart, Rossini und den Belcanto-Opern des frühen 19. Jahrhunderts ist ihre Stimme noch besser aufgehoben. Foto: Warner Classic

Im Februar singt sie in Rossinis „Semiramide“ im Nationaltheater. Das neue Konzeptalbum von Joyce DiDonato macht viel Lust auf diese Premiere der Staatsoper

Sie macht ein großes Fass auf. „Seit Jahrhunderten haben die Schöpfer großer Kunst die Grausamkeiten ihrer Zeit neben göttlichen Momenten der Harmonie geschildert und uns mutig unsere eigene brutale Natur wie auch unsere hohe Menschlichkeit vor Augen geführt“, schreibt Joyce DiDonato im Beiheft zu ihrer neuen CD. Diese hohen Worte würzt sie kräftig mit Zitaten von Zeitzeugen unserer Tage: Flüchtlinge, Demonstranten des Arabischen Frühlings oder Soldaten, die im Irak und in Afghanistan kämpfen.

Damit begründet DiDonato ihr neues Konzeptalbum. Unter dem Motto „In War and Peace“ vereint die amerikanische Mezzosopranistin barocke Opernarien, um sie in zwei Blöcke aufzuteilen: Krieg und Frieden eben. Dafür hat DiDonato auch drei Ersteinspielungen realisiert. Neben der Arie „Prendi quel ferro, o barbaro!“ aus „Andromaca“ von Leonardo Leo sind ebenso „Sprezza il furor del vento“ und „Par che di giubilo“ aus der Oper „Attilio Regolo“ von Niccolò Jommelli vertreten.

Krieg und Frieden

Jommelli stammte aus Neapel, wirkte lange in Stuttgart und erfreut sich derzeit einer regen „Wiederentdeckung“. Mit „Il ritorno d’Ulisse in patria“ von Claudio Monteverdi huschen schließlich ebenso die letzten Ausläufer der Renaissance durch das Konzept. Sonst aber stehen auf diesem Album vornehmlich Georg Friedrich Händel und Henry Purcell im Fokus, eine besondere Spezialität von DiDonato.

Das Ergebnis dieser Konzept-CD besticht gerade dort, wo sich die beiden Ebenen Krieg und Frieden verzahnen. Mitten im Krieg kann sich der Mensch nach Befriedung sehnen, und wenn der Frieden gewinnt, fällt der Sieg über den Krieg umso stürmischer aus. Genau dies macht der Gesang von DiDonato exemplarisch hörbar. Sie ist eine Ausdruckssängerin im besten Sinn, der es mühelos gelingt, eine einnehmende dramatische Präsenz zu entwickeln.

Seelenbilder

Mit ausgesprochen flexibler Dynamik und variierenden Timbres entwirft DiDonato atmosphärisch dichte, stimmungsvolle Seelenbilder. In diesem Kontext setzt sie gerade auch das Vibrato ein. Wenn sich beispielsweise Sesto aus Händels „Giulio Cesare“ Mut zuredet, seinen Vater zu rächen, und das Erwachen der Furien heraufbeschwört, greift DiDonato auf sehr schnelle, kurze Schwankungen der Tonhöhe zurück.

Sobald jedoch Sesto im Mittelteil der Arie innehält, um des ermordetes Vater zu gedenken, verzichtet DiDonato fast gänzlich auf Vibrato. Ein jenseitig-verklärter, luzid-fragiler Klang erwächst, und mit solchen Kontrasten vermag DiDonato ganz besonders zu überzeugen.

Packende Hörkrimis

Natürlich darf man von ihr keinen umfassend informierten „Original-Gesang“ erwarten: Über DiDonatos ausgeprägtes Legato lässt sich durchaus streiten. Sie ist eben keine Julia Lezhneva, die mit dem Originalklang-Pionier Giovanni Antonini den Barock-Gesang zielgenau ergründet.

Dafür aber entfacht DiDonato packende Hörkrimis, auch dank dem unter Maxim Emelyanychev kenntnisreich musizierenden Ensemble „Il pomo d’oro“. Mit ihrer überwältigenden Agilität könnte DiDonato jetzt als Semiramide aus Rossinis gleichnamiger Oper am Münchner Nationaltheater eigene Akzente setzen.

Ihre profunde Kenntnis der Barockoper ist fraglos eine große Hilfe. Denn: Der Belcanto von Rossini kommt aus diesem Repertoire. Auf die Premiere der Inszenierung von David Alden am 12. Februar in der Bayerischen Staatsoper darf man gespannt sein.

Joyce DiDonato; „In War & Peace – Harmony Through Music, Il Pomo d’Oro, Maxim Emelyanychev, CD bei Warner

 

0 Kommentare