Joseph von Westphalen Minister im Gefängnis

Schriftsteller Joseph von Westphalen schreibt für die AZ jede Woche seine Kolumne "Der Flaneur". Foto: dpa

Joseph von Westphalen ist der Flaneur und schreibt samstäglich seine Kolumne in der Abendzeitung. Diesmal hat er gute Lust, die Patenschaft für eine Parkbank zu übernehmen.

 

Auf den Rückenlehnen vieler Bänke in unseren Grünanlagen sind kleine Messingschilder angebracht. Jahrelang bin ich daran vorbeigegangen. Nun wollte ich wissen, was da geschrieben steht. Manchmal musste ich Bankbesitzer bitten, zur Seite zu rutschen oder aufzustehen. Nicht jeder tut das gern.

Besonders hart eine besonders hübsche Studentin: „Bescheuerte Anmache“, fauchte sie. Pärchen, die früher in Baumrinden ritzten, lassen ihre Namen auf das Schild gravieren, nicht selten verbunden mit kurzen Liebeserklärungen oder Heiratsanträgen. Häufig finden sich Danksagungen an Opa und Oma, die dann „die besten der Welt“ sind. Der Superlativ ist listig verbunden mit dem Zitat „wahre Liebe fordert nicht, wahre Liebe gibt“. Das bedeutet: wenn du uns weiter wahrhaft lieben willst, musst du uns weiter Geld und Zeit schenken.

Product Placement fehlt auch nicht. Hier wird eines gleichgeschlechtlichen „Volvo-Pärchens“ gedacht, zehn Bänke weiter grüßt ein „Philip Morris Team“. Woanders wird einem reiselustigen Kollegen zum Geburtstag der Slogan des Erdinger Weißbiers angedichtet: „In Bayern daheim. In der Welt zu Hause“. Gelegentlich Lateinisches. Seneca für Rentner. Bemerkenswert eine Bank bei der Pagodenburg: „ad multos anos“. Ein gestriger Trinkspruch zu runden Geburtstagen von Greisen lautete: ad multos annos – auf noch viele Jahre! Mit einem „n“ allerdings ist die Bank weniger altherrenhaft „den vielen Ärschen“ gewidmet.

Einmal habe ich Kurt Faltlhauser im Nymphenburger Park spazieren gehen sehen. Ungeschützt. Mutig. Viele sind böse auf ihn. Was mag unser ehemaliger Finanzminister jetzt denken, wo seinem Kollegen aus Rheinland-Pfalz drei Jahre Haft wegen krummer Touren aufgebrummt wurden. Faltlhausers Hypo-Bank-Geschäfte stinken genau so zum Himmel. Wird er der nächste sein?

200 Euro kostet es, für 5 Jahre ein Gedenktäfelchen anbringen zu lassen. Mit dem Geld wird der Park gepflegt. Ein paar Bänke sind noch zu haben. Ich erwäge frei nach Schiller und seiner berühmten Übersetzung der Inschrift auf dem Gedenkstein für die Spartaner: Wandernder Faltlhauser, kommst du hier her, setz’ dich hin und denke darüber nach, welchen Scheißdreck du seinerzeit angerichtet hast.

 

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