Joseph von Westphalen Bayern? Freunde kondolieren

Weil die Briefwahlunterlagen für die Landtagswahl nicht rechtzeitig gekommen waren, bin ich letzten Sonntag schnell ein paar Tage früher als geplant aus Italien zurückgekommen. Es war mehr Verkehr als erwartet, viele Holländer unterwegs, es würde zeitlich eng werden. Ich fuhr, was das alte Auto hergab, immerhin schafft es noch 150. Bloß keine unnötigen Stopps. Auf der österreichischen Autobahn stellte ich mir ab Innsbruck vor, wie mich die Polizei wegen überhöhter Geschwindigkeit anhalten und dann auch noch entdecken würde, dass kein Pickerl an der Scheibe klebt. Keine Zeit gehabt. Gleich zwei Verstöße. Könnte teuer werden. Ob sie ein Auge zudrücken, wenn ich ihnen sage: Ausnahme, es pressiert, ich muss mit meiner Stimme die Wahl des Mannes verhindern, der euch auf deutschen Straßen eine Ausländermaut abknöpfen will. Er prahlt damit, wie toll Deutschland und Bayern dastehen. Wem es gut geht, der lädt Gäste ein und bittet sie nicht zur Kasse. Der aber weiß nicht, was sich gehört, der ungehobelte Populistenstoffel. Der Mann muss weg! 10 Minuten vor 6 war ich nach 800 Kilometern Raserei im Wahllokal. Und dann das. Wegen diesem absolut peinlichen Ergebnis habe ich zwei Tage sonniges Italien geopfert, ich unbelehrbar pflichtbewusstes Staatsbürgerschaf. Alle empören sich, wie verwerflich und bescheuert, wie undemokratisch und selbstzufrieden das Nichtwählen ist. Kaum ist die Wahl vorbei, präsentieren die Fernsehschlauberger nicht weniger selbstzufrieden auf lächerlichen Wischbildschirmen ihre Wahlanalysen. Keiner analysiert die Millionen frustrierten Wählerseelen, die gegen die dreiste Mehrheit wieder einmal nichts ausrichten konnten. Augen zumachen hilft nicht. Also muss man im Fernsehen auch noch mit ansehen, wie unverhohlen hocherfreut das Gesicht des BR-Chefredakteurs Sigmund Gottlieb zu glänzen beginnt, wie seine Mundwinkel beim Verkündigen des absehbaren Wahlerfolgs seiner Lieblingspartei genüsslich zucken. Dagegen ist die falsche Bescheidenheit und das Verantwortungsgefasel von Seehofer fast erträglicher. Anderntags, auch absehbar, Telefonanrufe von Freunden aus Köln, Karlsruhe, Berlin und Hamburg. Sie kondolieren spöttisch: Wo lebst du denn!

 
 

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