Vier Nudelgerichte, zwei Salate – so funktioniert das im Timballo. Deren Betreiber setzen auch in ihrem neuen Lokal auf die alte Erfolgsformel.

Ein Ethnologie-Studium gehört nicht standardmäßig zur Jobbeschreibung eines Barkeepers – aber es schadet auch nicht. Ein bisschen moderne Menschenkunde kann, wenn man ein Lokal betreibt, sogar überaus hilfreich sein.
 
Fari Dayyani und Fadi Fateminejad haben beide Ethnologie studiert. Deshalb ließen sie sich vor drei Jahren auch nicht von ihrer Idee abbringen, am südlichen Rand des Pinakotheken-Viertels ein reines Business-Lunch-Lokal aufzumachen. Vier Pastagerichte, zwei Salate, nur mittags geöffnet: Das funktioniert nie, haben ihre Ratgeber gesagt. Doch Dayyani und Fateminejad waren von dem Plan überzeugt.
 
Mittlerweile hat sich herausgestellt: Sie hatten mit ihrer Einschätzung Recht. Das verspielt eingerichtete Timballo ist jeden Tag zur Mittagszeit voll mit Anzugträgern, die es genießen, vom bunten Interieur des Lokals mal für eine knappe Stunde aus ihrem grauen Büroalltag herausgerissen zu werden. Ist ja logisch, möchte man im Nachhinein sagen, dafür muss man nicht studiert haben. „Aber mit Ethnologie versteht man die Welt einfach besser“, sagt Dayyani.
 
Vor ein paar Wochen haben Dayyani und Fateminejad ihr Konzept nun in die Theresienstraße exportiert – ein bisschen angepasst natürlich. Der gemeine Maxvorstädter ist in der Regel schließlich ein Nachtmensch. Die Nudeln-und-Salat-Regel gilt zwar auch im Joon, es gibt dort Pasta Pomodoro, Arrabiata – die gleichen Gerichte wie im Timballo eben auch (6,40-7,60 Euro). Im Joon geht das Leben allerdings auch am Abend weiter. Dann servieren Dayyani und Fateminejad Spritz in unterschiedlichen Ausführungen, mit Maracuja, Ginger Beer oder einem Ramazzotti Rosato. Und es gibt Cocktails, Klassiker wie Negroni, Gimlet und Cosmopolitan, oder hauseigene Kreationen wie den Hazel Ice (8,50 Euro) mit einem sehr süßen Haselnusslikör, Zitrone und Zucker.
 
Zum Hazel Ice passt ein Stück vom Schokokuchen (2,90 Euro) ausgezeichnet. An dem haben Dayyani und Fateminejad sechs Monate, respektive 92 Kuchen lang herumgetüftelt. Das hat sich durchaus gelohnt, aber warum sie sich gar so viel Mühe gegeben haben? Mit Ethnologie hat das wohl nichts zu tun, aber vermutlich mit der Erfahrung, dass die Leute ein Lokal erst ernst nehmen, wenn es dort einen vernünftigen Schokokuchen gibt.
 
Theresienstraße 114, Mo. bis Sa. 10-1 Uhr, So. 10-18 Uhr, Tel.: 0176 / 322 395 78