"Jetzt kann alles passieren" Historisch? Weiter! Bayern unter den besten Vier Europas

Große Emotionen und Glücksgefühle auf der Bayern-Bank (v.l.): Braydon Hobbs, Devin Booker und Anton Gavel. Foto: sampics/Augenklick

Die Bayern-Basketballer stehen erstmals in der Klubgeschichte in Europa unter den besten Vier. Präsident Uli Hoeneß schaut online in Istanbul zu. "Jetzt kann alles passieren", sagt Marko Pesic.

 

München - Der erste Einzug der Basketballer ins Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs in der Vereinsgeschichte hatte den FC Bayern am Mittwochabend auch logistisch vor große Herausforderungen gestellt.

Um den Fans gerecht zu werden, die im Vorfeld die Partie der Fußballer des Klubs bei Besiktas Istanbul verfolgen wollten, wurde diese ab 18 Uhr auf dem Videowürfel im Audi Dome übertragen. Und als nach dem 3:1 der Viertelfinaleinzug in der Champions League feststand, galt es, in der Türkei Übertragungswege für den anschließenden Eurocup-Thriller in der Heimat zu finden. Präsident Uli Hoeneß tat das und verfolgte das 91:81 seiner Basketballer gegen Unics Kasan (der Spielbericht), wie er übermittelte, "online an einem internetfähigen Endgerät".

Pause für Redding zahlt sich aus

Mittendrin statt nur live dabei war dagegen Reggie Redding. Mit 23 Punkten war er gemeinsam mit Jared Cunningham (21) einer der Garanten für den historischen Erfolg des FCBB. Die Maßnahme von Trainer Sasa Djordjevic, Redding am vergangenen Sonntag gegen den MBC eine schöpferische Pause zu gönnen, hatte sich voll ausgezahlt. "Wenn ich gewusst hätte, dass er mich schont, hätte ich vor dem Spiel ein Bier getrunken", witzelte der US-Amerikaner und fügte dann etwas ernstgemeinter hinzu: "Diese Pause hat mir heute sehr geholfen. Ein guter Coach registriert solche Dinge eben."

Redding hatte aber noch einen viel größeren Antrieb für das abschließende Duell der Best-of-three-Serie. "Ich wollte dieses Gefühl nicht noch einmal erleben, im entscheidenden Spiel vor eigenem Publikum auszuscheiden", verriet er: "Daran habe ich die ganze Zeit gedacht." Genau das war ihm mit Bayern nämlich im Vorjahr gegen den späteren Champion Unicaja Málaga widerfahren, ebenfalls in der Runde der letzten Acht, wo man schon 2016 an Galatasaray Istanbul gescheitert war. "Wenn du zwei Mal hintereinander im Viertelfinale rausfliegst, ist da natürlich schon ein bisschen Druck, den man sich auch selbst auferlegt", sagte Geschäftsführer Marko Pesic: "Alles, was jetzt kommt, ist jetzt extra. Jetzt kann alles passieren."

Pesic wähnt die Bayern vor dem Halbfinalduell mit Darussafaka Istanbul nun "in einer sehr guten Situation, was den weiteren Verlauf des Wettbewerbs angeht". Und das, obwohl Spiel eins am kommenden Dienstag (18.45 Uhr) und, falls nach dem zweiten Duell am Freitag in München (20 Uhr) nötig, das Entscheidungsspiel in der Türkei ausgetragen werden. "So sind sie jetzt unter Druck und müssen das erste Spiel gewinnen", sagte Pesic.

Großes Lob fürs Team

Er schwärmte regelrecht von seinem Team, das die Liga souverän anführt und kürzlich den Pokal gewann: "Die Mannschaft ist eins a. Die Jungs regeln die Dinge von alleine, zeigen Einsatzwille und Charakter." Auch Djordjevic war "stolz auf das, was wir heute erreicht haben". Allerdings sei das "jetzt auch wieder vorüber", führte er schon unmittelbar nach Spielschluss aus: "Wir müssen weiter am Prozess arbeiten, ein Team zu werden, das vielleicht auch diesen Titel gewinnen kann." Und vielleicht sogar das Triple?

Als er gefragt wurde, ob er sich denn nach dem verpassten Pausenbierchen nun ein Siegergetränk gönnen würde, musste Matchwinner Redding dann doch noch eingestehen, ein wenig geflunkert zu haben, "Eigentlich trinke ich gar kein Bier", sagte er und grinste, "ab und zu aber mal ein Glas Rotwein." Nach Spielen könne er "immer schlecht einschlafen. Und das hilft mir dabei, mich zu entspannen." An diesem historischen Abend dürfte auch ein zweites Glas sicher nicht geschadet haben.

 

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