"Jeder Tag zählt" Katharina Böhm: "Das ist eine der wichtigsten Arbeiten meines Lebens"

Emma (Katharina Böhm) erhält gute Nachrichten Foto: ZDF/Kerstin Stelter

Am kommenden Montag ist Katharina Böhm in einer der wichtigsten Rollen ihres Lebens zu sehen. Warum der Film "Jeder Tag zählt" eine so große Bedeutung hat, erzählt die Schauspielerin im Interview.

2013 war für die im schweizerischen Sorengo geborene Katharina Böhm (49, "Nachtschicht") ein wichtiges Jahr, denn unter anderem hat die Schauspielerin "eine der wichtigsten Arbeiten meines Lebens" gedreht. Aber auch abgesehen davon ist das Drama "Jeder Tag zählt" (17. März, 20.15 Uhr, ZDF) mehr als sehenswert. Denn es behandelt ein Thema, das niemand erleben möchte, mit großer Authentizität. Falsch liegt, wer jetzt denkt, dass den Zuschauer ein tränenreicher TV-Abend erwartet. Im Gegenteil, bei dieser wahren Geschichte um die Krebserkrankung eines jungen Mädchens und ihren Kampf dagegen, darf sogar herzlich gelacht werden.

Die Nachrichtenagentur spot on news hat mit Katharina Böhm, der Tochter des Schauspielerehepaares Barbara Lass (1940-1995) und Karlheinz Böhm (85), die mit 12 Jahren als Klara in der TV-Serie "Heidi" erste Set-Luft schnupperte, darüber gesprochen, was es bedeutet, wenn ein Kind schwer krank wird.

Haben Sie es schon mal miterlebt, dass jemandem eine dramatische Diagnose gestellt wurde?

Katharina Böhm: Nein, Gott sei Dank nicht! Das Drehbuch schrieb Ruth Toma nach dem Roman "Am seidenen Faden" ihrer Schwester Jutta Mehler. Die Autorin beschreibt darin, wie das Leben ihrer eigenen Tochter durch eine Leukämieerkrankung auf dem Spiel stand. Ich würde sagen, dass "Jeder Tag zählt" eine der wichtigsten Arbeiten meines Lebens ist. Nicht nur wegen der Geschichte, sondern auch wegen der intensiven Zusammenarbeit mit dem Team.

Wie aufwühlend ist es, so ein Drama zu spielen?

Böhm: Es gibt wenig, was einen so sehr mitnimmt wie die schwere Krankheit eines Kindes. Normalerweise versuche ich deshalb, solche Filme zu vermeiden, weil es mich zu sehr berührt. Bei diesem Drehbuch habe ich aber sofort "Ja" gesagt, weil es keine falsche Betroffenheit erzeugt. Die Alltagskomik hatte trotzdem Platz, was schlichtweg daher kommt, dass Ruth Toma diese Geschichte wirklich miterlebt hat.

Auch die ganz alltäglichen Sorgen um die Kinder hören nie auf. Wie gehen Sie damit um?

Böhm: Die muss man wegschieben, weil man seinen Kindern nicht das Fliegen beibringen kann, ohne dass sie es ausprobieren. Die große Aufgabe der Eltern ist das Loslassen.

Haben Sie während der Vorbereitung zu diesem Film oder der Dreharbeiten an Ihr Kind gedacht?

Böhm: Nein, ich habe nicht gedacht: "Hoffentlich passiert das meinem Kind nicht!" Da bin ich schon fast ein bisschen abergläubisch. Außerdem bringt es absolut nichts.

Die Kinderonkologie ist ein trauriger Ort. Wie haben Sie das gedreht?

Böhm: Das wurde komplett nachgebaut, weil wir in diesen Bereich gar nicht hineingedurft hätten. Zur Vorbereitung habe ich mir den medizinischen Hintergrund von einem meiner besten Freunde, einem Arzt, erklären lassen.

Wie hilfreich sind die Klinik-Clowns?

Böhm: Die sind sehr hilfreich, denn es bewirkt immer wahnsinnig viel, wenn Kinder lachen können. Einige davon waren ab und zu auch mal an der Grundschule meines Sohnes. Das sind großartige Leute.

An einer Stelle entscheiden Sie und Gerd, der Vater (Bernhard Schir) Ihrer Film-Tochter Lilly (Lilian Prent), dass Sie dem Mädchen nur 90 Prozent der Wahrheit sagen wollen. Warum nicht 100 Prozent?

Böhm: Man versucht immer irgendwie, sein Kind zu schützen. Außerdem will man, dass ihm die Kraft nicht ausgeht. Also gibt man ihm nur so viel Wahrheit, wie es vertragen kann.

"Dass sie immer heulen müssen", sagt ein kleiner Mitpatient. Sollte man die Kinder vom eigenen Kummer verschonen?

Böhm: Ja, das macht man aber automatisch. Du willst ihnen ja nicht noch deine Sorgen aufbürden, wenn sie selber schon welche haben. Natürlich sollte man das aber generell nicht mit Menschen machen, egal, ob es Kinder sind oder nicht. Ich erzähle auch keinem Erwachsenen etwas von meinen Sorgen, wenn es ihm schon schlecht geht.

Im Film engagiert sich eine Freundin sehr stark. Wie sehr dürfen sich Freunde einmischen?

Böhm: Wenn es jemandem schlecht geht, wird man alles tun, um die Situation zu verbessern. Gerade Freunde spielen da auch eine große Rolle.

Sie und Bernhard Schir spielen getrennte Eltern. Kann man nach einer Trennung wieder Freunde werden?

Böhm: Das kommt drauf an, aber Partner kann man sicher werden. Durch ein Kind ist man immer miteinander verbunden. Und manchmal zwingen einen so dramatische Situationen dazu, zu erkennen, dass man sich doch noch - oder wieder - braucht.

Kann man die Nachfolgerin irgendwann mögen, wegen der man verlassen worden ist?

Böhm: Ich glaube schon.

Wofür stehen denn die Blattläuse, die sowohl Emma als auch ihre Freundin bei der neuen Ehefrau Waltraut (Bettina Mittendorfer) kritisieren?

Böhm: Emma ist von ihrem Mann verlassen worden und nicht erfreut darüber, vorübergehend zu seiner neuen Familie ziehen zu müssen. Damit ist sie erst mal überfordert. Und weil dort alles so perfekt ist, sind ihr die Blattläuse mehr als willkommen.

Ihr Film-Kind stellt die Frage: "Was ist der Sinn des Lebens?". Was würden Sie einem Kind antworten?

Böhm: Mir wurde immer erzählt, dass ich mit vier Jahren auf diese Frage geantwortet habe: "Damit es weitergeht!" Ich selbst kann mich daran allerdings nicht mehr erinnern.

 

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