Jeder kann zum Mörder werden Florian Odendahl stürzt sich ins "Verderben"

Christian Weis, Josef Wilfling und Florian Odendahl Foto: API/Michael Tinnefeld

Skalpell, Knochendraht und Formaldehyd: Crime-Time ist für Florian Odendahl (43,)während der Dreharbeiten für die ZDF-Krimiserie "SOKO München" (montags, 18 Uhr) beinahe täglich.

In der Rolle des "Doc Maximilian Weissenböck" unterstützt er seit zehn Jahren seine SOKO-Kollegen bei der Aufklärung ihrer Fälle. Wie das in der Realität aussieht, weiß der ehemalige Mordermittler Josef Wilfling, der die unermüdlichen Einsätze in seinem dritten Buch "Verderben" (Heyne Verlag, 19,99 Euro) festgehalten hat. Zusammen mit Rechtsmedizinerlegende Prof. Dr. Wolfgang Eisenmenger hat er sie 22 Jahre lang aufgeklärt: Verbrechen, die nicht nur ein Opfer, sondern viele Verlierer haben – auch auf Täterseite. Das und mehr haben die Besucher im gut gefüllten Sektionshörsaal des Instituts für Rechtsmedizin München bei der Krimilesung des Vereins "Münchner Blaulicht" von TV-Gerichtsmediziner Florian Odendahl erfahren.

Florian Odendahl: Besuch in echter Pathologie

Schauspieler Florian Odendahl war 2008 als Vorbereitung auf seine Fernsehrolle tatsächlich in einer echten Pathologie, hat allerdings den Sektionsraum ausgelassen: "Eine Sektion würde mich interessieren. Aber ich muss nicht meinen Egoismus ausleben und sehen, wie ein armer Mensch aufgeschnitten wird. Für meine Rolle brauche ich das nicht. So kann ich auch unkomplizierter mit dem Tod umgehen", erzählt der 43-Jährige der Abendzeitung. Würde sich der gebürtige Münchner denn den Beruf überhaupt zutrauen? "Ich bewundere, wie diese Leute ihren Job meistern. Das ist nicht ohne. Ich fand schon die Fotos, die mir gezeigt wurden, ziemlich heftig."

"Immer werden auch unschuldige Menschen in das Verderben gerissen", sagt Josef Wilfing, der insgesamt 42 Jahre im Polizeidienst tätig war. Er löste unter anderem auch spektakuläre Fälle wie den Mord an Walter Sedlmayr sowie an Rudolph Moshammer, und ist überzeugt: "Jeder kann zum Mörder werden." Hass, Neid, Eifersucht, Trieb und Gier sind die Motive. "Die Mordwaffe ist zu 80 Prozent ein Messer", weiß Prof. Dr. Wolfgang Eisenmenger. Er bekommt während der Krimilesung von Florian Odendahl im Sektionshörsaal des Instituts für Rechtsmedizin München "Heimatgefühle". Über 20.000 Tote hat er seziert, darunter auch den Politiker Franz Josef Strauß. "Ich hielt sein 690 Gramm schweres Herz in meinen Händen." Wie man damit umgeht, wollen der Ermittler a. D. und der Rechtsmediziner nicht so recht verraten. Außer, dass man viel mit den Kollegen spricht, der Beruf zuhause aber ein Tabuthema ist. Und wie wächst man als Schauspieler in diese Rolle?

Damit TV-Rechtsmediziner Florian Odendahl nicht über das Latein stolpert, fragt er schon mal bei seinem Apotheker nach. "Es geht aber nicht nur um den Text, der wie Wasser kommen muss, sondern um die Eigenheiten des Charakters." Dass er seine Rolle intus hat, steht außer Frage. "Bei SOKO denkt man im Drehblock-Modus. Aber natürlich findet dazwischen auch Leben statt. Man muss wirklich aufpassen, dass man jeden Tag vernünftig nutzt." Für ihn bedeutet das vor allem auch Zeit mit seiner Musik und seiner Band "Isar-Mafia" zu verbringen.

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