Javi Martínez Xaver ist angekommen!

Javi Martínez hat gegen Arsenal sein bestes Spiel für den FC Bayern gemacht. Der Spanier fühlt sich in München sauwohl, er schwärmt von der Stadt – und vom kongenialen Partner Schweinsteiger

 

LONDON Javi Martínez wird den milden englischen Winter genossen haben. Kein Schnee in London, sogar strahlender Sonnenschein am Spieltag, frühlingshafte zwölf Grad – so mag’s der Spanier. Vor Kurzem wurde der 24-Jährige von der heimischen Sporttageszeitung „Marca” nämlich gefragt, was ihn an München am meisten überrascht habe. „Die Kälte”, antwortete er. Er habe „nie gedacht, dass es so heftig ist”. Etwas wehmütig blickte Martínez also schon zurück, als sich der Bayern-Flieger am Mittwoch um 10.40 Uhr in die Lüfte schwang, zurück nach München, in den Frost.

Über die Münchner Minusgrade beschweren würde sich der brave Spanier freilich nie. Im warmen Schoß des FC Bayern meckert’s sich auch schlecht, zumal Martinez vom ersten Tag an zuvorkommend behandelt wird, wie er selbst sagt, und manchmal noch oft mit offenem Mund durchs Leben spaziert.

Auf dem Platz ist der defensive Mittelfeldspieler derweil längst zur festen Größe gewachsen. Für sein erstes Champions-League-Achtelfinale wirkte der 24-Jährige am Dienstag erstaunlich abgeklärt, 62 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er, spielte nur zweimal Foul. Vor allem in Halbzeit eins schien der Abfangjäger vor der Bayern-Abwehr immer schon im Voraus zu ahnen, wo die Spieler des FC Arsenal hinlaufen oder den Ball hinspielen würden. Für diese Spiele wurde er geholt.

„Kann einer, der 40 Millionen gekostet hat, ein gutes Geschäft sein?”, fragte der englische „Guardian” nach dem Spiel und gab die Antwort gleich selbst: Ja, kann er. „Er hat genau das gezeigt, was den meisten Engländern, die so viel wert sein wollen, fehlt.” Spiel-Eröffnung, Übersicht, Kopfballstärke, Zweikampf, Instinkt – Martínez beherrscht die ganze Bandbreite. In Trainer Jupp Heynckes ist sein Vorgesetzter gleichsam sein größter Fan. Martínez sei einer der Hauptgründe, warum Bayern diese Saison so wenige Gegentore wie nie zuvor kassiert, sagte Heynckes zuletzt: „Man muss nur hinsehen, wie er spielt."

Also sah man hin, am Dienstag – und war begeistert.

Der Spanier selbst geht mit seinem Talent äußerst bescheiden um, spricht über Erfolge am liebsten in „Wir”-Form. „Wir spielen wirklich attraktiven Fußball, erarbeiten uns viele Torchancen, gleichzeitig ist unsere Balance sehr gut. Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem wir unsere Form unbedingt konservieren müssen”, sagt er. Und: „Das hat Lust aufs Rückspiel gemacht.”

Zumal er sich mit Bastian Schweinsteiger im Maschinenraum der Bayern beinahe schon blind versteht. Ein Traum-Paar – nicht nur auf dem Platz. „Er hat mich mit am meisten überrascht. Er ist ein super Typ”, sagt Martínez. „Als ich kam, hat er meinen Bruder und meine Kumpels behandelt, als wäre er schon sein ganzes Leben lang mit ihnen befreundet, sensationell.” Im Gegenzug nennt Schweinsteiger den 24-Jährigen liebevoll Xaver, quasi Bairisch für Javier.

Kaum zu glauben, dass Martínez selbst im Sommer nicht restlos überzeugt war, sich bei Bayern durchsetzen zu können. „Ich hatte schon ein bisschen Angst”, sagte er, „als ich unterschrieben habe, hatte ich ja keine Vorstellung davon, wie es werden würde.” Die Kälte habe sich aber als einziger Nachteil erwiesen. „Mir geht es sehr gut, nicht nur auf dem Platz. München ist eine geniale Stadt.” Und die Menschen, sagt er, ganz anders als in Spanien. „Mit am meisten überrascht hat mich die Ehrlichkeit der Leute.” Woran er das festmache? An den stummen Zeitungsverkäufern an jeder Straßenecke. „Man könnte die Zeitungen einfach nehmen, ohne zu bezahlen, aber niemand macht das”, erklärte er der „Marca”: „So etwas gibt es in Spanien nicht.”

 

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