Japan Erneut starkes Nachbeben in Japan

Ein schweres Nachbeben hat am Montagnachmittag (Ortszeit) den Nordosten Japans erschüttert. Die Behörden gaben eine Tsunami-Warnung aus. Die Stromversorgung an der Atomruine von Fukushima wurde kurzzeitig unterbrochen. Inzwischen läuft die Kühlung wieder.

Tokio - Zuvor war bekanntgeworden, dass die japanische Regierung die Evakuierungszone rund um die Atomruine Fukushima nun doch ausweitet. In der Provinz Ibaraki wurden bereits kurz nach der Erschütterung Flutwellen von einem halben Meter gemessen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Montag unter Berufung auf den Regierungssprecher Yukio Edano.

Auch in der Hauptstadt Tokio gerieten Häuser stark ins Schwanken. Edano hatte zunächst noch betont, die Regierung halte die geltende Evakuierungszone von 20 Kilometern rund um das Kernkraftwerk weiter für angemessen. Ihrer Einschätzung nach ist das Risiko weiterer massiver Strahlenlecks im havarierten Kernkraftwerk Fukushima geringer als zu Beginn der Katastrophe.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte mehrmals gefordert, die Evakuierungszone auszuweiten. Strahlenschutzexperten der Organisation hätten rund 60 Kilometer entfernt von der Atom-Ruine deutlich gesundheitsgefährdende Radioaktivität im Boden festgestellt, hieß es.

Unterdessen reiste der Chef des Kraftwerkbetreibers Tepco, Masataka Shimizu, in die Provinz Fukushima, um sich bei der lokalen Regierung zu entschuldigen. Gouverneur Yuhei Sato weigerte sich Medienberichten zufolge jedoch, ihn zu sehen. Es ist bereits das zweite Mal, dass der Gouverneur von Fukushima ein Treffen mit Shimizu ablehnt. Der Tepco-Chef wird scharf kritisiert, da er sich zwei Tage nach Beginn der Katastrophe offiziell wegen Unwohlseins zurückgezogen hatte und seitdem nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten war.

Arbeiter im Atomkraftwerk Fukushima setzten am frühen Montagmorgen (Ortszeit) die Vorbereitungen zum Abpumpen radioaktiv versuchten Wassers fort. Zunächst sollen Auffangbehälter überprüft werden, aus denen in den vergangenen Tagen relativ schwach verstrahltes Wasser ins Meer abgeleitet wurde. Die Arbeiter wollten sicherstellen, dass sich dort keine Überreste mehr befinden. Mit Hilfe von Schläuchen und Pumpen will der Betreiber Tepco so schnell wie möglich Millionen Liter radioaktive Brühe aus der Anlage pumpen und in eine Entsorgungsanlage bringen. Japans Wirtschafts- und Industrieminister Banri Kaieda sagte nach einem Besuch in dem Krisen-AKW, dies müsse möglichst schnell geschehen. Kyodo berichtete allerdings, es werde noch dauern, bis mit dem Abpumpen begonnen werden könne.

Die Japaner gedenken an diesem Montag der Opfer der Katastrophe. In den Notlagern, an Arbeitsplätzen und Schulen im ganzen Land legen die Menschen Schweigeminuten ein, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete. Die Behörden gehen davon aus, dass bei dem Unglück vom 11. März fast 28 000 Menschen starben. Noch immer harren rund 150 000 Menschen in Notunterkünften aus. Bisher wurden etwa 13 000 Tote geborgen.

Bei einer großangelegten Suchaktion waren am Sonntag 103 Tote gefunden worden, wie Kyodo am Montag berichtete. 22 000 Soldaten der japanischen Streitkräfte und des US-Militärs durchkämmten den Nordosten der Hauptinsel Honshu. 90 Flugzeuge kreisten über der verwüsteten Region. Von 50 Schiffen aus hielten Helfer nach Vermissten Ausschau, Taucher suchten das Meer ab.

 

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