Japan Das nächste Großbeben droht

Japanische Soldaten suchen in den Trümmern in der Küstenstadt Otsuchi nach Leichen. Die genaue Zahl der Katastrophenopfer ist noch unklar. Foto: dpa

Japan lebt weiter in Angst. Ein Jahr lang könnte die Erde nicht zur Ruhe kommen. Schäden durch das schwere Nachbeben jetzt auch an anderen Atomanlagen.

 

Tokio - Die Suche nach den Opfern geht weiter. Seit Donnerstag gibt es vier Tote und 140 Verletzte mehr. In der Nacht auf Freitag bebte im Nordosten Japans wieder die Erde (AZ berichtete).


Die Japaner sind an Nachbeben gewöhnt, doch seit einem Monat geht die Angst um. Die wichtigste Frage: Was passierte mit dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima nach den Stößen mit der Stärke von 7,4? Nichts. Das meldete jedenfalls der Betreiber Tepco. Die Kühlung der Reaktoren funktioniere auch weiterhin; die Arbeiter, die kurz nach dem Beben aus den Gebäuden geholt wurden, leiten wieder Stickstoff in das Reaktorgehäuse, um Explosionen zu verhindern.


Aufatmen können die Japaner dennoch nicht. Denn jetzt gibt es am AKW Onagawa Probleme, das 100 Kilometer von Fukushima entfernt liegt. Durch die neuen Erdstöße lief verstrahltes Wasser aus den Reaktoren, teilte der Betreiber Tohoku Electric Power mit. Der Fernsehsender NHK berichtete, dass Lecks an acht Stellen der Anlage gefunden wurden. An einem Turbinengebäude wurden Teile beschädigt, die den Druck kontrollieren sollen. Eine erhöhte Strahlung rund um das Gebäude sei aber noch nicht gemessen worden. Doch die Ausmaße sind noch nicht klar.

Das AKW Onagawa ist seit dem verheerenden Tsunami vom 11. März abgeschaltet, doch die Brennstäbe müssen weiterhin gekühlt werden. Bei dem schwersten Nachbeben seit der Katastrophe seien Kühlungen kurzzeitig ausgefallen, mittlerweile funktionierten sie aber wieder, berichtete der Fernsehsender. Eine externe Stromleitung versorge die Anlage. Auch im AKW Higashidori in der Präfektur Aomori und in der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho müssen Notversorgungen für Strom sorgen. Insgesamt saßen rund 2,6 Millionen Menschen im Dunkeln, Telefonnetze fielen aus, es kam zu zahlreichen Bränden.


Und noch ist die Gefahr nicht gebannt. Japan muss sich weiterhin auf Nachbeben der Stärke 7 und höher einstellen, sagte Jochen Zschau vom Potsdamer Geoforschungszentrum. Die Gefahr eines großen Bebens „dürfte in etwa einem Jahr vorbei sein”, erklärte er der Nachrichtenagentur dpa.


Konsequenzen zog die Deutsche Schule in Tokio, sie bleibt geschlossen. Die Schüler werden ihr Abitur in Köln schreiben. Denn die Angst bleibt.

 

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