Japan-Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Frauenfrage: "Beispiele sind wichtig"

Begrüßung für die mächtigste Frau der Welt: Angela Merkel ist zum zweitägigen Staatsbesuch in Japan. Foto: dpa

Bei Besuchen in Asien wird Angela Merkel oft gefragt, wie sie als erste Frau Deutschlands an die Spitze von Partei und Regierung kam. Als Vorkämpferin der Frauen ist die Kanzlerin nicht bekannt. Langsam macht sie sich dieses Thema aber zu eigen.

 

Tokio - Diese Frage wird der Kanzlerin gerade in Asien oft gestellt. Wie sie sich als Frau in der von Männern dominierten Welt der Politik durchsetze und was die beiden Geschlechter in der Ausübung dieses Berufs unterscheide. Das möchte am Montag auch eine japanische Studentin wissen, die zu einer Diskussion mit Angela Merkel in die Hallen der liberalen Tageszeitung "Asahi Shimbun" in Tokio gekommen ist. Sie antwortet auch hier wieder, dass es am Anfang sicherlich eine ganz Menge Zweifel gab, ob sie das packt als Frau mit dem Kanzleramt. "Das war sicherlich bei der ersten Wahl am schwierigsten. Aber wenn die Menschen dann sehen, dass das dann mit Frauen auch geht, wird das auch Normalität. Beispiele sind wichtig."

Merkel ist nun seit fast zehn Jahren ein solches Beispiel. 2005 wurde sie das erste Mal zur Bundeskanzlerin gewählt. Ihre Zustimmungswerte in der Bevölkerung sind seit ihrer erneuten Wiederwahl 2013 anhaltend hoch. Ihre Union hofft inständig, dass die jetzt 60-Jährige 2017 zum vierten Mal zur Wahl antreten wird. Die SPD fürchtet es.

Im Jahr der deutschen G7-Präsidentschaft hat sich Merkel die Stärkung der Rechte von Frauen, der Förderung ihrer Selbstständigkeit und Gleichberechtigung auf die Fahne geschrieben. In Tokio gesteht sie offen ein, dass in Deutschland noch zu wenig Frauen in Führungspositionen sind - in Japan sieht es nicht besser aus. Und obwohl Merkel sich keineswegs als Vorkämpferin der Frauenquote bekanntgemacht hat, klingt ein wenig Stolz in ihrer Stimme, als sie in Tokio von der bemerkenswerten Entscheidung des Bundestags vom vorigen Freitag berichtet: die Einführung einer Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte von Großunternehmen. Ein erster Schritt. Er kam auf Drängen der SPD zustande.

Soweit sind die japanischen Gastgeber noch nicht. Immerhin: Weil die fernöstliche Wirtschaftsnation rapide überaltert und anders als Deutschland von Immigrationspolitik nichts wissen will, sollen nach dem Willen des rechtskonservativen Regierungschefs Shinzo Abe Frauen einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Gesundung des Landes leisten. Die männerdominierte Gesellschaft soll sich ändern, damit Japan ein Land wird, in dem Frauen "glänzen" können.

Japanerinnen sollen also aus ihrem "Land des Schwächelns", wie manche Ökonomen Japan nennen, wieder das "Land des Lächelns" machen. "Womenomics" nennt Abe das. Und bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio will dann auch er den Anteil von Frauen in Führungspositionen von unter 10 auf 30 Prozent steigern.

Zur Frage der japanischen Studentin nach den Unterschieden von Männern und Frauen in der Politik sagt Merkel gern, dass sie das gar nicht beurteilen kann, weil sie kein Mann ist. Darauf verzichtet sie diesmal. Merkel werden keine typisch weiblichen Eigenschaften nachgesagt, Politik zu machen. Sie kann genauso hart und kühl sein wie ihre männlichen Kollegen. Vielleicht hat sie sich gerade deshalb durchgesetzt und hält sich an der Spitze der Partei und Regierung in Deutschland.

Dafür und für ihre Führungsrolle in Europa wird sie in Japan geachtet - auch von Abe. Das wurde auch durch eine besondere Art der Begrüßung deutlich. Wo immer Merkel am Montag in Tokio zu Besuch war, wurde ihr unter die Nase gehalten, dass sie sieben lange Jahre nicht in Japan war.

 

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