Ivan Liska geht, Igor Zelensky kommt Bäumchen wechsle dich beim Staatsballett

Der Tänzer und Choreograf Igor Zelensky Foto: ho

Fast 30 Tänzer verlassen das Staatsballett. Wer kommt, das will Igor Zelensky bisher nicht mitteilen

 

Der Wechsel gehört zu den Grundvereinbarungen des Theaters. Als Dieter Dorn von den Kammerspielen ans Bayerische Staatsschauspiel wechselte, brachte er seine Schauspieler mit. Und als er wieder ging und Martin Kušej kam, kamen wieder neue Darsteller.

Ähnliches ereignet sich nun beim Bayerischen Staatsballett. Ivan Liška geht nach 18 Jahren, Igor Zelensky übernimmt mit Beginn der Saison die Leitung. Daria Sukhorukova, Ekaterina Petina, Luká Slavick, Cyril Pierre, Zuzana Zahradníková, Katherina Markowskaja, Léonard Engel, Stephanie Hancox, Ilia Sarkisov und Maxim Chashchegorov werden in der kommenden Saison nicht mehr beim Staatsballett tanzen. Aus dem Demi-Solo und dem Corps de ballet verabschieden sich weitere 17 Tänzerinnen und Tänzer.

Abschied von der Heimat

Auch Lucia Lacarra und Marlon Dino haben sich entschieden, die Compagnie zu verlassen. „Das Bayerische Staatsballett war für uns in den letzten 14 Jahren nicht nur Arbeitsplatz, sondern unsere Heimat“, heißt es in einer Pressemitteilung, aus der gewisse Verletzungen sprechen. „Wir werden spannenden Projekten und Angeboten folgen, die unserer Karriere eine neue Ebene öffnen und die wir in Kürze verkünden werden“, so die beiden Lieblinge des Münchner Publikums. Am Mittwoch wollen sie ihre Pläne erläutern.

Wer von den Genannten auf eigene Initiative geht und wessen Vertrag nicht verlängert wurde, teilte das Staatsballett nicht mit. „Viele Ensemblemitglieder haben Engagements in anderen internationalen Compagnien von Stuttgart bis nach Tokio angenommen. Andere schlagen eine ballettpädagogische Laufbahn ein und werden als Ballettmeister und Trainer ihre langjährigen Erfahrungen in Zukunft an den Nachwuchs weitergeben. Manche stellen sich neuen beruflichen Herausforderungen als freelancer oder widmen sich der Familie“, heißt es in einer Mitteilung des Staatsballetts.

Menschlich ist dergleichen nie angenehm. Jede Drehung des Intendantenkarussells setzt Fliehkräfte frei, die durch den „Normalvertrag Bühne“ geregelt werden: Zum 15. Oktober eines jeden Jahres kann ein Intendant seinen Schauspielern, Tänzern, Dramaturgen und einem Teil der Bühnentechnik mitteilen, dass er sie in der folgenden Saison nicht weiter beschäftigen will.

Der Frühstücksdirektor

So weit, so normal. Trotzdem: Ein Leitungswechsel mit fast 30 Abschieden zählt zu den heftigeren. Alle moderneren Ballette sind aus dem Spielplan verschwunden. Wer ab Herbst in den gut abgehangenen Klassiker „Romeo und Julia“, „La Fille mal gardée“ und „Ein Sommernachtstraum“ sowie dem Dreiteiler mit der „Sinfonie in C“ tanzen wird, ist offen. Die Jahresvorschau nennt keine Namen.

Zelensky gibt derzeit keine Interviews. Sein Kurz-Auftritt bei der Vorstellung der neuen Spielzeit der Staatsoper war eher fahrig. Was ihn bewogen hat, seine Amtszeit mit dem poststalinistischen Männerballett „Spartacus“ in der ranzigen Choreografie von Yuri Grigorivich zu eröffnen, hat er bislang nicht erklärt. Bisher herrscht der Eindruck vor, als würde der Russe das Staatsballett mehr als Frühstücksdirektor leiten. Und es gibt Anzeichen, dass es zu einer Filiale der Compagnie des Moskauer Stanislavsky-Balletts werden wird, die der Russe weiterhin leiten wird.

Wie immer in solchen Fällen fragt man sich: Hat der Kunstminister Ludwig Spaenle die Katze im Sack gekauft? Oder wissen die Verantwortlichen mehr?

Ein Kommunikationsdesaster ist der Wechsel auf jeden Fall. Aber dergleichen ist schnell vergessen, wenn sich erste Erfolge einstellen. Bleiben wir daher bei aller Skepsis neugierig.

 

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