Italien Konklave im Vatikan: Rom ruft

Rom - Klar, dass die Zimmer in diesen Tagen mehr kosten!“ Die Signora schaut so, als zweifele sie daran, dass der Journalist auch genügend Geld hat, um sich ein Gästezimmer bei ihr leisten zu können. „Das ist eine ganz besondere Phase, da muss man schon tiefer als sonst in die Tasche greifen“, sagt sie und nennt ihre Preise: „Ein komfortables Doppelbettzimmer so nah am Petersplatz kostet während des Konklaves ab 500 Euro aufwärts.“ Normalerweise muss man für ein Zimmer zum Beispiel im Hotel Columbus, das in einem prächtigen Renaissancepalast nicht weit vom Petersplatz entfernt untergebracht ist, die Hälfte davon bezahlen. Aber seit Benedikt XVI. seinen Rücktritt erklärt hat und das Konklave für den neuen Papst naht, werden für Gästezimmer in Rom „Mondpreise“ verlangt.

 

Je näher am Petersplatz, umso teurer

Faustregel: je näher am Petersplatz, umso teurer. Die meisten Hotels in der Nähe des Kirchenstaates haben ihre Preise um mindestens 100 Prozent erhöht. Einige sogar um bis zu 200 Prozent. Wenn es denn überhaupt noch freie Gästezimmer gibt. „Direkt nach der Ankündigung des Rücktritts“, berichtet Wanda Casorini vom römischen Hotelierverband, „haben Fernsehsender vor allem aus den USA viele Hotels in Vatikannähe komplett beschlagnahmt. Sie zahlen jeden Preis, um möglichst nah dran am Geschehen zu sein.“ Die wenigen Hotels, B&B oder Ferienwohnungen, von deren Fenstern aus man einen Blick auf den Schornstein der Sixtinischen Kapelle hat, waren bereits am Abend des Rosenmontags, dem Tag der Rücktrittsankündigung, ausgebucht - von TV-Sendern, die mit ihren Kameras und Riesenobjektiven mitverfolgen wollen, ob schwarzer oder weißer Rauch aus dem berühmten Schornstein weht und damit die Einigung auf einen neuen Papst feststeht.

Rom-Touristen, die die Zeit bis zum neuen Papst hautnah miterleben wollen, brauchen aber nicht unbedingt in der Nähe des Vatikans zu wohnen. Sicherlich: Im gesamten historischen Zentrum ist es schwer, ein preiswertes Quartier zu finden. Wer aber etwa ins schicke Viertel Monti zwischen Kolosseum und Trevi-Brunnen ausweicht, der findet dort - im Moment noch - akzeptable Angebote. Sobald der genaue Beginn des Konklaves feststeht, werden jedoch auch die letzten Zimmer ausgebucht sein. Denn Rom zu erleben während der Sedisvakanz, also während der Zeit ohne Papst, plus Konklave und Papstwahl, das ist der absolute Kick. In diesen Tagen herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Nicht nur im Vatikan und im Borgo Pio, dem volkstümlichen Viertel direkt bei der Porta Sant’Anna, dem Haupteingang in den Vatikan.

Die vatikanischen Gärten können während dieser Zeit allerdings nicht besichtigt werden. Sie sind geschlossen, weil während des Konklaves jeden Tag die wahlberechtigten Kardinäle von ihrer Unterkunft aus zur Linken des Petersdoms durch die Gärten zur Rechten der Basilika fahren, in die Sixtinische Kapelle. Die kann während des Konklaves ebenfalls nicht besucht werden. Doch dafür kann man beim Petersplatz noch preisgünstig Benedikt-Nippes erstehen. Die Devotionalienhändler wollen das Ratzinger-Restangebot schnell loswerden, um Platz für neue Papstsouvenirs zu schaffen. Journalisten aus aller Welt kann man auf dem Petersplatz bei ihrer Arbeit zuschauen. Sie stehen vor laufenden Kameras und liefern aktuelle Berichterstattung. Die findet auch bei der Engelsburg statt. Dort haben sich, am Beginn der schnurgerade auf den Petersplatz zulaufenden Via della Conciliazione, Fernsehteams aus aller Welt postiert.

Gamarelli stattet seit 1793 Päpste mit Gewändern aus

Zwei Geheimtipps für die Konklave-Zeit in Rom sollte man unbedingt besuchen: Die Via de’ Cestari ist schon an sich kurios. Ein Geschäft neben dem anderen bietet Kleidung für Nonnen und Mönche, für Priester, Bischöfe und Kardinäle. In diesen Klerikershops können auch Kruzifixe, Kerzen, ganze Altäre und Heiligenbilder erworben werden. Das interessanteste Geschäft ist zweifellos Gamarelli in der nahen Via di Santa Chiara 34. Seit 1793 stattet es Päpste mit Gewändern aus. Vor jedem Konklave fertigen die Gamarelli-Schneider drei Standardgewänder für den neuen Pontifex an: für einen kleinen, einen mittelgroßen und einen groß gewachsenen Mann. Nachdem die Kardinäle sich für einen der ihren entschieden haben, rufen sie bei Gamarelli an und teilen die Größe des neuen Papstes mit. Die Schneider bringen das passende Modell in die Sixtinische Kapelle, um rasch das Gewand dem neuen Kirchenoberhaupt anzupassen, damit er sich auf dem Petersplatz präsentieren kann.

Für Normalsterbliche gibt es einen Trick, dieses Geschäft zu besichtigen, das Neugierigen gegenüber abweisend ist. Kaufen Sie dort am besten fersenverstärkte Kniestrümpfe. Römer schwören darauf, dass Gamarelli die besten Strümpfe der Stadt im Angebot führt. Um kirchlich-gastronomisches Ambiente zu schnuppern, ist ein Mittag- oder Abendessen im Restaurant l’Eau Vive in der Via Monterone angesagt, zwischen Pantheon und Piazza Navona. Hier offerieren Missionsschwestern internationale Küche, und hier verkehren zahllose Prälaten, Monsignori und Bischöfe. Während eines Konklaves ist das L’Eau Vive zudem eine der wichtigsten Gerüchteküchen in Sachen neuer Papst. Wer während des Konklaves in Rom ist, sollte sich dann und wann auch auf dem Petersplatz einfinden. Vielleicht erwischt man ja jenen historischen Augenblick, in dem weißer Rauch aufsteigt. Dann dauert es nicht lange, und der neue Papst erscheint auf der Benediktionsloggia des Petersdoms. Wer diesen Moment miterlebt, wird ergriffen sein - ob gläubig oder nicht.

 

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