Ismaik wird noch stärker Das neue Machtgefüge bei 1860

Hasan Ismaik (Archivfoto) Foto: Gregor Feindt

Im Februar soll Markus Rejek als Geschäftsführer antreten. Der Investor aber wird noch stärker. Die AZ zeigt, wer was zu sagen hat und wer mit wem kommuniziert 

 

München - Es muss nur noch der Verwaltungsrat zustimmen: Am 1. Februar soll Markus Rejek, bis Ende September Marketingleiter bei Borussia Dortmund, sein neues Amt als Geschäftsführer des TSV 1860 antreten.

Doch wird Rejek in Zukunft tatsächlich DER starke Mann bei den Löwen sein? Wahrscheinlich nicht. Vielmehr spricht viel dafür, dass die Macht bei den Löwen auf mehrere Schultern verteilt sein soll – und über allen dann noch Investor Hasan Ismaik und sein Gefolge thronen. Dazu gehört auch Vereins-Präsident Gerhard Mayrhofer. Das neue Machtgefüge beim TSV 1860:

Hasan Ismaik: Der Investor und Mehrheitsgesellschafter thront über allen. Um das tägliche Geschäft kümmert er sich nicht, gibt aber das Grüne Licht für jede relevante Entscheidung. Ismaik entscheidet über das Budget und über Darlehen – und darf sich sogar die Rückzahlungsmodalitäten selbst aussuchen. Das kann in guten Zeiten prima funktionieren – ist aber in Krisensituationen schwer zu kontrollieren.

Noor Basha: Er ist längst auf Augenhöhe mit dem Präsidenten, mindestens. Ohne den studierten Pharmazeuten geht nichts mehr bei 1860. Das wird auch an seiner Ämterhäufung sichtbar. Basha ist: offizieller Vertreter und Bevollmächtigter des Investors, als Scout beim TSV 1860 angestellt und Geschäftsführer des Löwen-Vermarkters HI2. Bei Transfers ist er gleichzeitig Mitarbeiter Hinterbergers, aber auch dessen Chef – schließlich kann ohne sein Plazet weder ein Zugang geholt noch bezahlt werden. Doch was, wenn irgendwann ein von Basha empfohlener, von Hinterberger schließlich – mit Bashas Erlaubnis – verpflichteter Spieler scheitern würde? Wer würde die Verantwortung tragen?

Gerhard Mayrhofer: Der Präsident lebt mit Basha eine als unzertrennlich inszenierte Freundschaft. Die Frage, wer von den beiden wichtiger ist, würde Mayrhofer wohl ablehnen. Sie entscheiden laut ihm: gemeinsam. Mayrhofer will die Löwen als Einheit präsentieren – dazu gehört auch, Kritikern am liebsten den Mund verbieten zu wollen.

Markus Rejek: Der designierte Geschäftsführer soll weniger Macht haben als Vorgänger Robert Schäfer. Der Marketing-Experte, der keine Erfahrung als Geschäftsführer hat, soll sich weiterhin um sein Kerngebiet kümmern, das Image aufwerten, Sponsoren betreuen und den Klub nach außen repräsentieren. Außerdem wird er die Geschäftsstelle schmeißen – und die Verträge unterschreiben. Die großen Leitlinien werden aber wohl andere vorgeben.

Friedhelm Funkel: Trainer, sportliche Autorität und moralische Instanz: So viel Einfluss wie Funkel hat sich in so kurzer Zeit wohl noch kein Trainer bei 1860 erarbeitet. In die Aufstellung redet ihm keiner rein, den Osako-Transfer leitete er ein – Hinterberger führte ihn dann nur aus. Funkel gehört zu den wenigen Menschen, die Mayrhofer widersprechen und beraten dürfen.

Florian Hinterberger: Geht mit der seit Amtsbeginn auf ihn einprasselnden Kritik erstaunlich souverän um. Stets loyal dem Verein gegenüber. Das könnte jetzt belohnt werden – mit der Beförderung zum Geschäftsführer Sport. Würde dennoch eher ausführende Kraft bleiben.

Der Verwaltungsrat: Soll eigentlich das Präsidium kontrollieren und die Zahlen im Blick behalten, hat sich aber weitgehend zurückgezogen. Vorsitzende Siegfried Schneider ist mit Mayrhofer auf einer Linie, würde sich nur bei ernsten Problemen einschalten.

 

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