"Isle of Dogs" So gut ist der Eröffnungsfilm der Berlinale 2018

Eine Szene aus Wes Andersons Berlinale-Eröffnungsfilm "Isle of Dogs" . Foto: Twentieth Century Fox

Wes Andersons Animationsfilm "Isle of Dogs" eröffnet die 68. Berlinale - und macht Lust auf mehr.

 

Als Besucher der Berlinale lässt man sich gerne von den Reizen des Kinos verführen. Wenn dann auch noch Stars wie Bryan Cranston, Bill Murray, Jeff Goldblum oder Greta Gerwig zur Eröffnung kommen, möchte man natürlich dabei sein, folgt der ausgeworfenen Verlockung wie der Hund dem Stöckchen. Weil der Eröffnungsfilm, Wes Andersons Animationsfilm "Isle of Dogs", sich sehr tierisch gibt, kommt in der Pressekonferenz aus der Mitte des neugierigen Journalistenrudels die obligatorische Frage, welcher der Stars einen Hund habe. Was zu diversen Liebesbekenntnissen zum besten Freund des Menschen führt. Ja, erstaunlich, Jeff Goldblum hat gar einen rothaarigen Pudel namens Woody.

Auch die Hunde leiden unter der Grippe

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund befindet sich in dem futuristischen Japan, das sich Anderson mit seinen Co-Autoren ausgeheckt hat, in starker Schräglage: Die Hunde leiden an einer fiesen Hundegrippe, die sie unter anderem ständig niesen lässt - was auf der Leinwand schon mal die zu erwartende schnupfige Zuschaueratmosphäre in den diversen Berlinale-Kinosälen vorwegnimmt.

Da die Köter die Menschen anstecken könnten, verfrachtet der korrupte Bürgermeister von Megasaki City sie allesamt auf eine eigens für sie eingerichtete Mülldeponie, weit weg auf einer Insel im Meer. Der erste Hund, der an diesen trostlosen Ort transportiert wird, ist ausgerechnet Spots, der zuvor den Pflegesohn des Bürgermeisters, Atari, behütete. Atari macht sich sechs Monate später auf die Reise, um Spots wiederzufinden. Eine Hundetruppe ist ihm bei dieser Odyssee behilflich, darunter der widerborstige Chief, der nicht nur mit seinem schwarz verschmutzten Fell aus der Reihe fällt.

Welche Rolle Außenseiter als notwendige Opposition innerhalb einer Gruppe spielen, welche Sehnsucht es aber auch nach Integration gibt, nach Zugehörigkeit, nach einer Familie - damit hat Wes Anderson sich schon in seinem Film "Rushmore" (1998) auseinandergesetzt. Die Hunde bilden eine Gang, in der regelmäßig demokratisch abgestimmt wird. Nur Chief stimmt immer wieder mit "Nein", weigert sich, Befehle automatisch zu befolgen. Lieber Herrchen seines eigenen Willens sein.

Der Chef will nicht jedem Stöckchen hinterherrennen

Die Zeit der Autokraten wird ja derzeit überall für beendet erklärt. Chefpositionen werden in Frage gestellt, neue Aufgabenteilungen, auch nach der Ära Kosslick auf der Berlinale, in Betracht gezogen. Zu was man eigentlich Talent hat, das gilt es herauszufinden.

Chief, dem "Breaking Bad"-Star Bryan Cranston seine charismatische Stimme gibt, nicht ohne zwischendurch zu bellen, will erstmal nicht hinter dem Stöckchen herrennen, das Atari für ihn auswirft. Und macht es dann doch, nicht aus Gehorsam, sondern weil er es so will, weil er allmählich was für den Jungen empfindet. So kann eine Freundschaft entstehen, die bei allem detailreichen Stopmotion-Zauber, den Anderson und sein Team entfachen, bei aller Skurrilität und japanischem Dekor so berührt, dass man begeistert aus diesem Eröffnungsfilm geht. Gespannt auf diese Berlinale, Speichelreflex erfolgreich ausgelöst.

 

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