Islamwissenschaftlerin über die Vorfälle in Köln Sexuelle Übergriffe „ein patriarchalisches Problem“

„Auswüchse dieser speziellen Kultur“, sagt die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor überdie massiven Übergriffe. Foto: dpa

Eine Islamforscherin sieht den Grund für die sexuellen Übergriffe in Köln in den männerdominierten Gesellschaften der arabisch-muslimischen Herkunftsländer der Täter.

 

Berlin Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor sieht den Grund für die massiven sexuellen Übergriffe gegen Frauen in Köln in den männerdominierten Gesellschaften der arabisch-muslimischen Herkunftsländer der Täter. "Ich denke schon, dass es Auswüchse dieser speziellen Kultur sind. Sicher bringen Menschen ihre Sozialisation mit. Die hat sich scheinbar auch ein Stück weit hier gezeigt", sagte Kaddor am Donnerstag.

"Wir müssen die Diskussion führen, was sind die vorherrschenden Männlichkeitsbilder dieser jungen Männer und was sind vor allem ihre Vorstellungen von Frauenbildern und Geschlechterrollen",  erklärte  Kaddor weiter.

In Köln waren am Silvesterabend nach Polizeiangaben auf dem Platz vor dem Bahnhof in Köln zahlreiche Frauen im Getümmel sexuell bedrängt und beklaut worden. Augenzeugen und Opfer hatten ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft.

Mit dem Islam als Religion hätten die Übergriff nicht viel zu tun, sagte Kaddor. "Es ist weniger ein streng religiösen Problem (...), es ist eher ein kulturelles, patriarchalisches Problem", sagte Kaddor, die syrischer Abstammung ist und auch als Religionspädagogin arbeitet.

Die patriarchalische Kultur muslimischer Ländern und das Verhalten der Männer und speise sich möglicherweise aber aus der Religion. Trotzdem dürfe man nicht alle muslimischen Männer unter Generalverdacht stellen. "Das betrifft auch andere Einwanderer und Männer in unserer Gesellschaft." Deutschland müsse Gegenkonzepte entwickeln und klar machen, "dass wir als Gesellschaft das nicht hinnehmen und für andere Dinge eintreten".

In Integrationskursen müsse ein stärkerer Schwerpunkt auf die Vermittlung von Werten wie Gleichberechtigung und Selbstbestimmungsrecht von Frauen gelegt werden.

 

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