Investoren-Clinch beim TSV 1860 Ismaik versus Mey: Wer ist hier der Märchenonkel?

Seit 2011 Mehrheitseigner des TSV 1860: Hasan Ismaik. Foto: imago/Sven Simon

Unternehmer Gerhard Mey behauptet, dass Investor Hasan Ismaik seine Anteile verkaufen will. Der Jordanier kontert den Möchtegern-Geldgeber: "Mey erzählt Märchen." Die AZ verschafft einen Überblick über den Investoren-Clinch beim TSV 1860.

 

München - Wer glaubt, die Gespräche über die Regierungsbildung von CDU, der FDP und den Grünen zu einer Jamaika-Koalition wären kompliziert, der kennt den TSV 1860 nicht. Die Löwen toppen alles, was Stillschweigen bei hochsensiblen Verhandlungen anbelangt. Ein neues Beispiel gefällig?

Die jungst entbrannte Kontroverse zwischen Investor Hasan Ismaik und Möchtegern-Geldgeber Gerhard Mey. Ismaik und Mey – der „Ismeyk“-Streit. Verkauft Ismaik seine Löwen-Anteile der ausgegliederten Fußballfirma an Mey, oder verkauft er sie nicht? Die beiden schwerreichen Unternehmer tagten unlängst in der spanischen Hafenstadt Alicante, wo Ismaik auf Kur weilte, zum "Männergespräch", wie es der Webasto-Hauptanteilseigner Mey in einem Interview mit der SZ angekündigt hatte.

Mey: Ismaik will mehr als 70 Millionen Euro

Nun sah sich Mey dazu gezwungen, erneut an gleicher Stelle Stellung zu nehmen. "Wir haben ausführlich diskutiert, und wir haben sehr gut und sehr konstruktiv miteinander gesprochen. Wir sind auseinander gegangen mit zwei Fakten", erklärte Mey der SZ: "Erstens: Er möchte verkaufen. Ohne Wenn und Aber. Zweitens, das Problem: seine Vorstellungen bezüglich des Kaufpreises. Die sind astronomisch." 

Laut Meys Aussagen wären das die einstige Verkaufssumme (18 Millionen für 60 Prozent der Anteile im Jahr 2011) und sämtliche Investitionen, insgesamt mehr als 70 Millionen Euro. Daher hänge "die Sache" derzeit, wobei sich Mey von seinem Gegenüber noch einen "Prozess der Einsicht" erhoffe.

Kurios: Beim Gespräch soll auch ein Butler anwesend gewesen sein, den Ismaik verachtungsvoll mit Präsident Robert Reisinger verglichen haben soll. Mit diesem wiederrum habe sich Mey im Übrigen "sehr gut unterhalten". Mehr noch, so der 61-Jährige über seinen Einstieg bei den Giesingern: "Die Handelnden bei Sechzig sagen alle: Ja, Herr Mey, bitte machen Sie’s."

Ismaik ist "enttäuscht" über Mey

Auf Nachfrage der AZ wollte Reisinger keine Stellungnahme abgeben. Vize Hans Sitzberger verwies darauf, nicht glücklich über die öffentliche Auseinandersetzung zu sein, aber auch "nicht mehr darüber zu wissen". Immerhin Geschäftsführer Markus Fauser erklärte der AZ: "Ich werde weder Kaufinteressen noch Gesellschafterthemen kommentieren. Ich bin im Sommer hier angetreten, um zum Wohle der KGaA die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung sicherzustellen." 

In seiner Rolle als Geschäftsführer sei er "in seiner Entscheidungsfindung frei" und handle "zum Wohl der Gesellschaft und somit aller Gesellschafter." Ismaik blieb auch keine Antwort schuldig – und der Jordanier sieht die Lage, glaubt man den Aussagen auf seinem Facebook-Auftritt, freilich gänzlich anders als Mey.

Möchte Investor beim TSV 1860 werden: Gerhard Mey (li.).

Möchte Investor beim TSV 1860 werden: Gerhard Mey (li.). (Foto: sampics/Augenklick)

"Ich bin sehr enttäuscht, dass der Münchner Unternehmer Mey behauptet, dass ich angeblich bereit sei, meine Anteile zu verkaufen", schrieb der Finanzier am Freitag nebst einer Bestätigung des Zusammentreffens. Aber, so Ismaik: "Falsch ist, dass ich auch nur ansatzweise daran denke, mich beim TSV 1860 zurückzuziehen. Für mich ist 1860 eine Ehrensache." Ismaik überrasche, dass Mey "jetzt solche Märchen erzählt" und mokiert sich über Meys geäußerten Traum, die Meisterschaft von ‘66 zu wiederholen.

Preis- und Machtpoker beim TSV 1860

Die Rolle des Märchenonkels hatte bisher – angesichts vieler nicht gehaltener Versprechen und überambitionierter Aussagen – bei vielen Fans eher Ismaik inne. Zumindest zweifelhaft lesen sich auch die beiden Aussagen, Mey habe ihm Anteile seiner Firma Webasto angeboten und in einer Mail versichert, sich für eine Ehrenpräsidentschaft Ismaiks einzusetzen.

Nicht ganz zu Unrecht erklärt Ismaik indes über Mey, während er selbst die Sechzger damals vor der Insolvenz bewahrte: "Dieser Mann redet seit Monaten über einen Verein, den er im Jahr 2011 offenbar noch nicht gekannt hat bzw. ihm helfen wollte oder konnte." Ismaik war der einzige ernstzunehmende Interessent, und doch hatte sein Engagement Sechzig im Sommer in die Viertklassigkeit geführt.

Er glaube jedoch, dass 1860 "über den Umweg Regionalliga wieder an Kraft zulegen" könne und wolle demnächst mit einer "herausragenden Münchner Persönlichkeit einen Neuanfang zum Wohle des TSV 1860" begehen. Namen und Zeitpunkt nannte er nicht. Alles nur ein Preis- und Machtpoker – oder hat Ismaik tatsächlich ein Ass im Investoren-Ärmel?

Keine Koalition aus Mey und Ismaik

Bleiben einmal mehr eine Vielzahl Fragen offen. Klar ist: Sowohl Ismaiks Grollen als auch Meys Interview, in dem Ismaiks Ablehnung einer Zusammenarbeit thematisiert wird, könnte kaum deutlicher zu entnehmen sein, dass es eines bei 1860 nicht geben wird: eine "Ismeyk"-Koalition.

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