Investor will neues 1860-Stadion bauen "Hasan raus!": Fan-Aufstand gegen Ismaik

Klare Botschaft an Investor Hasan Ismaik: Die Nordkurve in der Allianz Arena gegen den VfL Bochum. Foto: sampics/Augenklick

Der Investor will 1860 ein Stadion bauen – doch die Anhänger protestieren. Wie geht’s weiter mit der Arena in Riem? Die Fragen & Antworten.

München - „Hasan raus, Hasan raus“, hallte es am Sonntagnachmittag durch die spärlich gefüllten Weiten der Allianz Arena. Jene Fans, die sich beim Spiel des TSV 1860 gegen den VfL Bochum (1:1) in der Nordkurve zu einer weiß-blauen Masse zusammenrotteten, machten keinen Hehl daraus, was sie von den großspurigen Plänen des Investors Hasan Ismaik halten. Der hatte am Freitag bei einem Treffen mit den Fans in Rudelzhausen sein Vorhaben, ein neues Stadion zu bauen, den Anhängern vorgestellt. Wie diese reagierten, was der Verein sagt und wie es weitergeht? Die AZ hat die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie sehen Ismaiks Stadionpläne aus?

„Das Grünwalder sanieren und schöner machen, für zwei, drei Jahre darin spielen bis wir im neuen Stadion spielen können“, gab er bekannt. Das soll in Riem „mit mindestens 52 000 Zuschauern“ gebaut werden, „den Namen von 1860 tragen und blaue Sitzschalen haben“. Daneben will der Jordanier einen Löwenpark als zusätzliche Einnahmequelle bauen. Mit echten Löwen, die nach Sechzig-Größen benannt werden und Peter (Grosser), Benny (Lauth) und Christopher (Schindler) heißen sollen.

Was sagt der Verein?

Markus Rejek schob allen Schwärmereien einen Riegel vor: „Ehe in einer Arena in Riem gegen den Ball getreten wird, vergehen sieben bis acht Jahre“, sagte der Geschäftsführer im Interview mit der „SZ“, „niemand weiß, wie teuer dieses Bauprojekt werden wird. Es gibt ja noch überhaupt keine Prüfung, keine Machbarkeitsstudie!“ Präsident Peter Cassalette spricht von einer „tollen Entscheidung. Ich glaube, dass er den Willen hat, das zu machen.“ Die Frage ist nur, wie Rejeks Zweifel suggerieren: Ist da auch ein Weg, wo ein Wille ist?

Wie reagieren die Fans?

„Hasan, verpiss dich“, riefen sie wütend vor Spielbeginn gegen Bochum und machten so ihrem Investoren-Ärger Luft. Dazu gab’s ein großes Plakat mit Ismaiks durchgestrichenem Konterfei und Unmengen kleiner Bildchen mit denselben Motiven und der Aufschrift „not welcome“. Oder ein Spruchband mit den Worten „Nach Affenzirkus nun Löwenzoo“. Ihre Botschaft: Der Investor kann uns gestohlen bleiben. Der wird es vernommen haben, denn er verfolgte das Spiel an der Seite von Präsident Peter Cassalette. Am Ende des Tages warten alle, dass Ismaik nicht nur verspricht, sondern Versprechen hält. Die Aussage von Allesfahrer Franz Hell kann für viele Löwen gelten: „Als Fan würde man das so gerne glauben.“

Können die Löwen aus der Arena ausziehen?

Hier hakt es gewaltig. Bis 2025 ist der TSV 1860 vertraglich noch an den Vermieter FC Bayern und die Catering-Firma Arena One GmbH gebunden. Ismaik kündigte aber an: „Wir werden die Verträge aus der gesetzlichen Sicht nochmal studieren, wie man herauskommt.“ Sollten die Kontrakte wasserdicht sein, hofft Ismaik auf das Wohlwollen der Bayern: „Ich denke, Bayern München wünscht sich, dass 1860 aus der Arena herauskommt.“

Wie soll das Ganze umgesetzt werden?

Wie viel die Projekte kosten, ist noch unbekannt. Unter einem hohen, zweistelligen Millionenbetrag dürfte nicht viel möglich sein. Ismaik wartet auf die Genehmigung, dann möchte er einen Architekten beauftragen. Aber es sieht offenbar gut aus: „Der Oberbürgermeister hat den Vorschlägen zugestimmt.“ Die Finanzierung stehe fest, versicherte Ismaik mehrfach, ohne konkreter zu werden.

Dabei ist nicht einmal geklärt, ob das Grünwalder durch Sanierung und Ausbau überhaupt zweitligatauglich gemacht werden kann. Das für Ismaik wohl größte Ärgernis oder der Abstieg stünden den Plänen nicht im Weg: „Der Bau ist nicht abhängig von der 50-+1-Regel oder von der Klasse.“

Wie geht es jetzt weiter?

Ismaik möchte „das Zeitvergeuden beenden“ und traf noch nach dem Spiel Cassalette zu einer weiteren Sitzung. Er wartet außerdem auf die Genehmigung für das Projekt. „Sobald die da ist, können wir Pläne erstellen. Innerhalb von 90 Tagen kann das ein Architekt machen – allerdings nicht mit allen technischen Details.“ Diese bleiben, wie so Vieles, noch zu klären.

In Gesprächen mit Oberbürgermeister Dieter Reiter soll der Stadion-Plan auf den Weg gebracht und schließlich vor den Fans verkündet werden. Wann, wo und wie? Bleibt abzuwarten.

 

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