"Intimacy"-Macher Regisseur Patrice Chéreau gestorben

Patrice Chéreau inszenierte Meisterwerke der Musikgeschichte, darunter den „Jahrhundert-Ring“. Auch seine Filme wie „Intimacy“ wurden preisgekrönt. Mit dem Tod Chéreaus hat Frankreich einen seiner renommiertesten Theater- und Filmregisseure verloren.

 

Paris – Der französische Film- und Theaterregisseur Patrice Chéreau ist tot. Er starb im Alter von 68 Jahren in Paris an Lungenkrebs, wie die Zeitung „Le Monde“ am Montagabend unter Berufung auf Familienangehörige berichtete. Patrice Chéreau galt in Frankreich als Wunderkind des Theaters und der Bühne. Er war einer der renommiertesten Regisseure des Landes, viele seiner Inszenierungen sind unvergesslich. Legendär wurde beispielsweise sein „Ring des Nibelungen“ zum 100-jährigen Bestehen der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth 1976. Auch für seine Filme wurde der Franzose gefeiert. Für die Beziehungsgeschichte „Intimacy“ gewann er 2001 auf der Berlinale den Goldenen Bären.

Sein Tod löste ihn Frankreich große Betroffenheit aus. Staatspräsident François Hollande würdigte Chéreau als einen der größten Künstler des Landes. Ex-Kulturminister Jack Lang ehrte ihn als Dichter und Maler der Bühne. Er habe im Theater und im Kino Feinfühligkeit repräsentiert. Für Stéphane Lissner, derzeitiger Intendant der Scala in Mailand und Ex-Festivalleiter in Aix, war er „ein Genie“.

Chéreaus Karriere erstreckte sich über 40 Jahre. Als Theaterregisseur inszenierte er bedeutende Werke der Musikgeschichte, darunter Wolfgang Amadeus Mozarts „Don Giovanni“, „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner und „Hamlet“ von Shakespeare.

Als Filmregisseur schaffte Chéreau seinen Durchbruch im Jahr 1975 mit dem Krimi „Das Fleisch der Orchidee“, dessen Drehbuch er auch schrieb. Zu seinen größten Leinwanderfolgen gehört der vielfach ausgezeichnete Historienfilm „Die Bartholomäusnacht“ mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle aus dem Jahr 1994.

Für viel Aufsehen sorgte sein preisgekrönter Film „Intimacy“, der von einer Beziehung handelt, bei der es nicht um Gefühle geht, sondern nur um Sex. Für das Drama gewann er 2001 auf der Berlinale den Goldenen Bären. Zwei Jahre später wurde er für Drama „Sein Bruder“ mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet.

Trotz seiner Krankheit, gegen die er seit zwei Jahren kämpfte, arbeitete Chéreau lange weiter. Erst vor wenigen Monaten wurde er im Juli auf dem Festival im südfranzösischen Aix-en-Provence für seine Neuinszenierung der „Elektra“ von Richard Strauss gefeiert.

 

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