Interview zum Rita-Falk-Krimi "Schweinskopf al dente": Jetzt kumpeln die Leute mehr

Der Pate lässt grüßen: In Moratscheks Bett ist ein Schweinskopf! Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel, li.) staunt mit Moratschek (Sigi Zimmerschied) über den gruseligen Gruß, der nicht aus der Küche kommt. Foto: Constantin

Sebastian Bezzel ist wieder Dorfpolizist Franz Eberhofer – und als solcher in seiner Lässigkeit unschlagbar. Die Speisekarte bitte: „Winterkartoffelknödel“ hatt’ ma scho! Deb „Dampfnudelblues“ hamma hinter uns gebracht und jetzt: „Schweinskopf als dente“. Von den bisher sieben Rita-Falk-Krimis ist jetzt der dritte verfilmt und startet im Kino sogar auch noch ein bisschen nördlich des Weißwurstäquators.

 

Interview mit Sebastian Bezzel

Der 45-jährige Garmischer studierte an der Theaterakademie August Everding, war Konstanzer „Tatort“-Kommissar und spielte unter anderen in den Kinofilmen „Schwere Jungs“ und „Stellungswechsel“. Er lebt in Hamburg-Ottensen


AZ: Herr Bezzel, wie oft werden Sie gefragt, wie viel von Ihnen in der Figur des Franz Eberhofer steckt?
SEBASTIAN BEZZEL: Ich höre die Frage fast in jedem Interview – bei anderen Rollen selten bis gar nicht. Wahrscheinlich liegt das daran, dass das ein Typ ist, ein eindeutiger Charakter. Viele wären gern wie er, weil er so in sich ruht. Ich habe viele Polizisten getroffen, die gesagt haben: Wir wären gerne wie der Eberhofer. Es wäre schon lustig, wenn einem alles so wurscht wäre.

Wären Sie auch gern wie er?
Nein, der Reiz dieser Figur ist schon endlich. Der Typ ist manchmal auch faul. Aber es ist schon klasse, dass er nichts auf Äußerlichkeiten gibt. Er ist ein Mensch, der im Hier und Jetzt ist. Und seine Ruhe gefällt mir.

Verwechseln Sie Zuschauer öfters mit der Figur?
Es kommt vor, dass ich für die Leute der Eberhofer bin, das habe ich so bei anderen Rollen noch nicht erlebt. Aber das ist hauptsächlich in Bayern so, nicht in Hamburg, wo ich lebe.

Kennen die Leute dort die Figur überhaupt?
Ja, die Filme sind dort ja mit Verzögerung im Fernsehen zu sehen. Aber es ist dort immer viel dezenter, nicht zu vergleichen mit Bayern.

Hier sind Sie mit dem Film derzeit auf Kinotour. Sind die Leute distanzloser und kumpelhafter als sonst?
Ja, sie kumpeln ein bisschen mehr, aber das ist im grünen Bereich. Die Kinotour unterscheidet sich total von den letzten beiden. Es ist ein Hype entstanden, uns wird viel mehr Euphorie entgegengebracht. Darauf war ich gar nicht vorbereitet. Eines fand ich süß: Wir machen ja immer viele Fotos, und einmal kam eine Frau und sagte, sie möchte bitte noch ein Foto, denn ich hätte falsch geschaut. „Sie haben gelächelt auf dem Foto“, hat sie gesagt. „Das ist nicht mein Franz.“

Männer wie den Franz gibt’s in der Großstadt selten, in ländlichen Gegenden öfters. Wie ist ihre Verhältnis zum Land?
Ich lebe lieber in der Großstadt, aber drehe lieber auf dem Land. Es ist schön, in Niederbayern zu drehen, mal von diesem üppigen Bayern wegzukommen, mit den Bergen im Hintergrund und den geschnitzten Balkonen mit Geranien. Und die Leute freuen sich, wenn man da dreht, das ist ein Unterschied zu München oder Berlin.

Ist so eine Rolle in einer erfolgreichen Reihe eigentlich das große Los – oder auch heikel, weil man darauf festgelegt wird?
Das ist toll, ich spiele den Eberhofer sehr gern und möchte das auch weitermachen. Aber es ist schon wichtig, dass man auch andere Sachen macht und sich nicht nur darauf versteift – sonst ist das eine Falle.

In einem Promo-Video haben sie und Simon Schwarz die negativsten Internet-Kommentare zum Filmtrailer von „Schweinskopf al dente“ vorgelesen. Wie ist ihre Haltung zu solchen Kommentaren?
Die Leute greifen einen ganz schön heftig an. Bei uns geht das noch, das ist bei anderen Prominenten viel schlimmer. Ich habe ja eine Zeitlang „Tatort“ gemacht, und da hat sich die Unsitte eingeschlichen, dass die Leute schon posten, während sie schauen. Drei Minuten nach einer Szene haben schon 50 Leute geschrieben, was ihnen daran nicht passt. Solche Leute kann ich nicht ernst nehmen. Schlechte Kritiken gehören dazu, aber ich erwarte schon, dass die Leute erst den Film anschauen. Danach können sie über mich schreiben, was sie wollen – aber bitte auch mit ihrem echten Namen.

Anders als sehr viele Schauspieler sind Sie auch nicht bei Facebook, und ihre Homepage ist „im Aufbau“.
Seit vielen Jahren! Und dass ich nicht bei Facebook bin, ist eine bewusste Entscheidung. Meine Tage sind sehr voll, ich bin sowieso schon viel im Netz, und dann würde ich noch mehr Zeit dort verbringen. Das ist nichts Dogmatisches, aber im Moment sehe ich nicht so recht ein, warum ich zu irgendwelchen Themen etwas posten sollte. Ich verstehe den Kosten-Nutzen-Aufwand nicht. Ich halte nichts davon, sich so im Gespräch zu halten, und ich finde es schwierig, bei jedem Terroranschlag zu schreiben, wie schlimm ich das finde.


Kino: Astor Cinemalounge, Cadillac, Cinamaxx, Sendlinger Tor, Gloria, mathäser, Münchner Freiheit, Rio, Royal R: Ed Herzog (D, 96 Min.)

 

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