Interview zum Geburtstag Zum 30.: Neureuther gratuliert Schweinsteiger in der AZ

Bastian Schweinsteiger (M.) und Felix Neureuther (r.) fuhren früher gegeneinander Skirennen Foto: dpa

Sie kennen sich seit früher Kindheit, sind zusammen Skirennen gefahren: Bastian Schweinsteiger und Felix Neureuther. Zu Schweinsteigers 30. Geburtstag gratuliert Neureuther ihm in der AZ und verrät, was er ihm wünscht.

 

München - Es ist ein runder Geburtstag, der Schritt, der oft als der letzte zum Erwachsen werden angesehen wird. Bastian Schweinsteiger feiert heute, am Freitag, seinen 30. Geburtstag.

Einer, der dieses Gefühl kennt und auch Bastian Schweinsteiger sehr gut kennt, ist Felix Neureuther. Im AZ-Interview gratuliert der deutsche Skistar seinem Freund aus Kindertagen zum Ehrentag und verrät, was er ihm wünscht.

Herr Neureuther, Bastian Schweinsteiger feiert heute seinen 30. Geburtstag. Was wünschen Sie ihm zu seinem Ehrentag?

Ich bin ja auch vor kurzem 30 geworden. Eigentlich ist es ja nur eine Zahl, aber irgendwie macht man sich seine Gedanken. Wobei man das gar nicht machen sollte, obwohl jetzt ein 3er vorne davor steht. Aber man fühlt sich dadurch schon ein bisschen älter und es ist durchaus ein neuer Lebensabschnitt. Ich wünsche ihm, dass jetzt, wo er ein bisschen älter wird, endlich mal das letzte Rennen vergisst, das er gegen mich gefahren ist. Das wäre für mich ganz förderlich.

Wieso das?

Da war er schneller als ich. Das reibt er mir immer noch unter die Nase. Deswegen wäre es ganz schön, wenn er es jetzt - wo er so langsam senil wird - vergisst.

Welches gemeinsame Erlebnis kommt Ihnen in Erinnerung, wenn Sie an die Jugendzeit zurückdenken?

Wir waren als kleine Jungs mal bei einem Trainingslager vom Skiverband. Die Trainer haben ausdrücklich gesagt, dass man nicht mit den Skiern die Talabfahrt nehmen soll. Es war Frühling und unten war schon kein Schnee mehr. Der Basti und ich haben nicht darauf gehört und sind trotzdem runter. Wir mussten dann vor den letzten 500 Metern abschnallen und zu Fuß runtergehen, weil kein Schnee sondern nur noch Dreck da war.

Wie haben die Trainer reagiert?

Die waren stinksauer. Wir sind dann natürlich sehr viel später unten am Parkplatz gewesen und alle mussten auf uns warten, und wir waren von oben bis unten voller Dreck. Da hat man schon gesehen, dass wir unseren eigenen Kopf haben und den auch durchsetzen. Wir waren halt einfach Lausbuben. Wir waren die härtesten Konkurrenten, aber wir haben uns schon immer gut verstanden.

Jetzt hat Bastian Schweinsteiger vieles, fast alles gewonnen. Glauben Sie, dass er nach dem WM-Titel in ein Motivationsloch fällt?

Nein, der ist nach wie vor absolut heiß. Als Fußballer kann man ja eigentlich nichts Größeres erreichen. Aber wenn man so einen Titel verteidigen kann, macht es das noch einmal spezieller. Er hat nach wie vor so viel Spaß am Fußball. Da glaube ich nicht, dass er Motivationsprobleme hat oder bekommt. Wenn er fit ist und bleibt, dann kann er noch ganz lange Fußball spielen. Und das ist auch, was ich ihm zum Geburtstag wünsche: Dass er schmerzfrei und verletzungsfrei bleibt, dass er seinen angeschlagenen Körper nicht mehr so oft zum Physiotherapeuten schleppen muss und dass er sein München genießen kann.

Wie war das beim WM-Finale? Wie sehr haben Sie mitgelitten und gefiebert?

Das war Wahnsinn. Das war unglaublich. Das ganze Spiel war ja so extrem taktisch geprägt. Keiner wollte Fehler machen und von daher war es ein total interessantes Spiel. Derjenige, der den Fehler macht, wird gnadenlos bestraft oder hätte gnadenlos bestraft werden können.

Die Argentinier hatten aber große Chancen, haben sie aber vergeben.

Gott sei Dank. Und dann hat der Götze das so unglaublich genial gemacht. Das war der Hammer, was dann passiert ist. Es hat ja alles drumherum zusammengepasst. Für den Basti, die Jungs und die Generation. Das hat ihnen noch gefehlt. Und das hat mich so mitgenommen und so gefreut, weil man selber als Sportler weiß, wie viel man dafür gibt und wie man sich für so was zurückkämpfen muss und auch Verletzungen überstehen muss. Speziell beim Basti war das ja extrem. Von daher habe ich mich für ihn so unfassbar gefreut. Er hat so viel auf sich genommen, gerade mit seinen Verletzungen und das dann geschafft hat.

Im Finale hat er ja auch sehr viel einstecken müssen und hat sich nicht auswechseln lassen.

Davon lebt das Ganze ja auch. Er und die Jungs waren davor immer knapp dran. Sind Zweiter geworden, Dritter, haben im EM-Endspiel gestanden, haben in den Halbfinals bittere Niederlagen einstecken müssen, und dann das zu schaffen, das ist eine Erlösung. Das ist Wahnsinn. Deswegen sind die Emotionen – auch in ganz Deutschland – so hochgekocht. Weil alle, weil ganz Deutschland mit ihnen gehofft hat, und das macht so einen Erfolg umso schöner, umso unvergesslicher.

Wie haben Sie das Finale geschaut?

Zu Hause mit meinen Jungs. So wie jedes Deutschland-Spiel. Mit Ausnahme der Partie gegen Ghana. Und da haben sie ja nur unentschieden gespielt. Von daher war es mir wichtig, dass wir das Finale auch zusammen anschauen. Eigentlich ist es totaler Schwachsinn, aber man denkt halt, man schaut es jetzt noch mal so wie vorher und dann geht es wieder gut. Ich hätte sogar Karten für das Finale gehabt, aber mir war es wichtiger, die Tradition beizubehalten, damit es dann auch hinhaut.

Im Sommer letzten Jahres lagen Sie nach einer OP am Sprunggelenk gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger im selben Krankenzimmer. Haben Sie sich da vorstellen können, dass derjenige, der da neben ihnen lag, knapp ein Jahr später Fußball-Weltmeister ist?

Der Basti ist so wie er ist. Da ändert sich nichts wegen einem Weltmeister-Titel. Mir ist das Wurscht, ob er jetzt Weltmeister oder Kreismeister ist. Ich kenne den Kerl schon so lang. Wir sind früher gegeneinander und zusammen Skirennen gefahren. Das ist ein ganz normaler Junge. Und da muss ich auch sagen, dass speziell der Basti, so geblieben ist wie er ist. Und das ist echt erstaunlich und nicht selbstverständlich, wenn man sieht, in welchem Fokus die Jungs stehen. Das spricht auch für seine Persönlichkeit.

 

19 Kommentare