Interview über Beruf und andere Leidenschaften Götz Otto: Wollte nie wirklich Schauspieler werden

Götz Otto spielt den Piloten Janik Foto: ARD Degeto/Hardy Spitz

In "Sprung ins Leben" mit Simone Thomalla ist ein junges Fußballtalent nach einem Unfall an den Rollstuhl gebunden. Götz Otto bietet ihm in der Rolle des lebenshungrigen Piloten Janik ein offenes Ohr.

Berlin - In "Sprung ins Leben" (Freitag, 14. März, 20:15 Uhr, Das Erste) landet das junge Fußballtalent Basti nach einem Unfall im Rollstuhl. Für ihn und seine alleinerziehende Mutter Katharina (Simone Thomalla) beginnt eine schwierige Zeit. Dann lernt Katharina durch Zufall den Piloten Janik kennen - er scheint der Einzige zu sein, der Basti versteht. Götz Otto (46), der Janik verkörpert, hat ebenfalls keine Hemmungen im Umgang mit körperlich eingeschränkten Menschen, wie er im Interview mit spot on news verrät.

Kennen Sie Berührungsängste im Umgang mit Rollstuhlfahrern?

Götz Otto: Als ich an der Otto-Falckenberg-Schule Schauspiel studiert habe, wurden wir auch zum Einlassdienst in den Kammerspielen eingeteilt. Da war ich häufig auch mit Rollstuhlfahrern konfrontiert. Am Anfang wusste ich nicht so ganz, wie man sich da richtig verhält. Aber man merkt sehr schnell, dass das ein totaler Quatsch ist. Je einfacher und normaler man mit den Menschen umgeht und je weniger Befangenheit man mit sich herum trägt, desto einfacher ist der Umgang miteinander. Deswegen war es mir als Janik auch wichtig, mit dem Jungen ganz normal umzugehen und kein zusätzliches Drama hineinzuinterpretieren, was in so einer Situation ja sowieso schon groß genug ist.

Haben Sie sich mit dem Thema Behinderung auseinandergesetzt?

Otto: Ja, natürlich. Ich habe häufiger mit Behinderungen und Beeinträchtigungen zu tun, gerade auch bei jungen Menschen. Ich bin Botschafter für "Dolphin Aid", die Organisation kümmert sich um Delfintherapien für hauptsächlich junge Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen. Auch in meinem Bekannten- oder Familienkreis gibt es besondere Menschen und da macht man sich natürlich seine Gedanken.

Auch im Zusammenhang mit Ihren eigenen Kindern?

Otto: Klar denkt man auch darüber nach, wie das wäre, wenn meinen Kindern so etwas passieren würde. Aber man kommt da ja zu keinem Ergebnis. Jedes Mal, wenn man darüber nachdenkt, ist man letztendlich dankbar, dass die eigenen Kinder zum Glück gesund sind. Ich finde es auch extrem wichtig, dankbar dafür zu sein und das Leben zu umarmen.

Haben Sie darüber nachgedacht, wie Sie in so einem Fall reagieren würden?

Otto: Ich glaube, dass Entwicklungsprozesse bei Kindern in der Regel gleich bleiben, unabhängig davon, welche physischen Beeinträchtigungen sie haben. Pubertät bleibt Pubertät, egal, ob man im Rollstuhl sitzt oder nicht. Ich kriege das ja bei meinen Kindern auch mit. Die sind zwischen 11 und 22 Jahre alt, da habe ich auch schon einige Pubertätsphasen mitgemacht. Die brauchen dann Möglichkeiten, sich an den Eltern zu reiben. Pubertät bedeutet ja nicht nur Hormone und Pickel, sondern auch Identitätsfindung und Ablösung. Da sind die Eltern auch schon mal völlig unwichtig und blöd. Ich glaube, das ist bei Kindern mit körperlichen Behinderungen sicher auch nicht anders. Es sei denn, es ginge um Leben und Tod, aber das ist wieder eine völlig andere Geschichte.

Ist Ihnen diese Balance aus Strenge und Verständnis immer gelungen?

Otto: Das müssen Sie schon meine Kinder fragen, aber ich habe mir auf jeden Fall viel Mühe gegeben (lacht).

Ab wann wussten Sie denn, dass Sie Schauspieler werden wollen?

Otto: Ich wollte als Kind oder als Jugendlicher nie wirklich Schauspieler werden. Nicht einmal, als ich mich an Schauspielschulen beworben habe. Ich fand es viel spannender, auf eine Schauspielschule zu gehen und dort Dinge über das Leben und über mich selbst zu lernen. Das war mein Traum. Erst, als ich dann auf so einer Schule aufgenommen wurde, habe ich gemerkt: Das ist etwas, womit ich meinen Lebensunterhalt verdienen möchte. Was das anbelangt, lebe ich meinen Traum, und hoffe, dass morgen die nächste Herausforderung auf mich wartet. Mein ganzer Beruf ist natürlich ein sehr träumerischer, weil man keine Sicherheiten hat. Es gibt keine Garantie, dass ich morgen noch arbeiten darf, oder dass sich morgen noch jemand für mich interessiert. Von daher ist die Unsicherheit, die jedem Traum innewohnt, auch bei mir immer gegeben. Ich habe den schönsten Job der Welt - wenn ich einen habe.

Ist das der Grund, weshalb Sie in so vielen verschiedenen Ländern und Bereichen arbeiten?

Otto: Ich bin Ausprobierer. Ich habe auch manche Dinge gemacht, die ich dann im Nachhinein für einen Fehler gehalten habe. Oder etwas hat sich total blöd angefühlt, aber am Ende kam trotzdem was Gutes dabei heraus. Ich finde, gerade in meinem Beruf muss man auch Fehler machen dürfen. Wenn man das nicht mehr darf, und wenn man nichts mehr ausprobiert, wird es schnell sehr langweilig. Und ich mache den Beruf nicht, um mich zu langweilen, sondern, um mich herauszufordern. Und da muss man auch mal ins kalte Wasser springen.

Macht das den Reiz Ihres Berufes für Sie aus?

Otto: Auf jeden Fall. Wenn man eine Hauptrolle in einer anderen Sprache spielt, kommt mir schon mal der Gedanke: Wie soll ich das denn hinkriegen. Und dann geht es eben doch, aber mit sehr viel Arbeit und Engagement. Ich habe oft Schiss vor dem, was mich da erwartet. Aber das ist ja auch der Reiz meines Berufs, dass man sich dem ausliefert und seine Arbeit mit allen Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, umsetzt.

Was ist Ihre große Leidenschaft im Leben?

Otto: Ich muss Sport machen. Und dabei ist es relativ egal, welcher Sport das ist - Laufen, Skifahren, Rudern, Aikido, Taekwondo, vollkommen egal. Hauptsache ich kann schwitzen. Ich muss einfach meinen Körper bewegen. Das ist meine Leidenschaft. Wenn ich das nicht machen kann, geht es mir schlecht.

 

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