Interview mit Werner Schmidbauer "Die Seele ist sehr offen da oben"

Schmidbauerwetter: Für das „Gipfeltreffen“ mit Georg Hackl (re.) auf der Kneifelspitze gab es himmlische Unterstützung. Die Sendung wird am 1. Mai im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Foto: BR

Das Bayerische Fernsehen feiert eine Nacht lang 10 Jahre „Gipfeltreffen“ – und Werner Schmidbauer träumt von Verona.

Schon mehrere Jahre hatte Elmar Wepper keine TV-Interviews mehr gegeben. Doch als ihm Werner Schmidbauer vorschlug, eine gemeinsame Wanderung mit Gipfelgespräch zu unternehmen, sagte er sofort zu. Das Ergebnis, die vor genau zehn Jahren ausgestrahlte erste „Gipfeltreffen“-Sendung im Bayerischen Fernsehen, fand nicht nur Wepper hinreißend, auch die Zuschauer mochten das ungewohnte, sehr persönliche Format. 60 Gesprächstouren hat Schmidbauer bislang absolviert, und es geht immer weiter. Dabei sind die sportlichen Anforderungen sehr verschieden. Die bislang kürzeste Tour absolvierte Kardinal Reinhard Marx: Von der Bergstation der Seilbahn auf den Herzogstand (105 Höhenmeter).

AZ: Herr Schmidbauer, der BR vermeldet zum zehnjährigen „Gipfeltreffen“ eine Statistik. Rosi Mittermaier führt mit 1400 Höhenmetern. Ist das Ihre Konditionsgrenze?

WERNER SCHMIDBAUER: Ich denke eher, es ist das Maximum, was für einen Kameramann möglich ist. Eine Steadycam 1400 Höhenmeter raufzutragen, ist schon eine wahnsinnige Leistung. Ich selbst habe zwei Kreuzbandrisse im linken Knie hinter mir. Aber einmal im Jahr gehe ich immer mit einem Freund auf die Zugspitze übers Höllental. Die 2000 Höhenmeter packe ich schon noch, aber ansonsten bin ich eher der ganz normale Wanderer für kleine Touren. Ich nehme auch gerne meine Gitarre mit und komponiere auf dem Gipfel.

Sie haben das Format „Gipfeltreffen" erfunden?

Ich hatte damals so einen Fernsehfrust, weil ich seit 1984 Talkshows gemacht hatte und das Schema ein bisschen leid war in diesem unwirklichen Studioambiente. Und dann bin ich mit einem Freund wandern gegangen – das ist immer besser, als Probleme in der Kneipe zu diskutieren. Schon der Philosoph Kierkegaard hat gesagt, dass es wohl keinen Kummer gebe, von dem man sich nicht frei gehen könne. Wir hatten also wieder ein tolles Gespräch in den Bergen und dann hat mein Freund gesagt: „Siehst Du, sowas habt ihr beim Fernsehen nicht." Und dann haben wir es halt probiert.

Der BR war begeistert?

Schon, die haben gesagt, eine wunderbare Idee, wenn du nur einen Kameramann findest, der das mitmacht. Und der Stephan Nöbauer, der eigentliche Star der Sendung, trägt nicht nur die knapp 28 Kilogramm schwere Steadycam, er geht auch oft rückwärts, weil er uns ja von vorne filmen muss.

War es anfangs schwer, Gesprächspartner zu finden?

Überhaupt nicht, es gibt wenige, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mitmachen konnten. Und ein paar Frauen dachten, ungeschminkt und verschwitzt wollten sie sich eher nicht präsentieren. Aber in Wahrheit ist es genau umgekehrt. Die Uschi Glas, die sowieso völlig unkompliziert in diesen Dingen ist, die hat brillant auf dem Gipfel ausgesehen, die Monika Gruber ebenso. Ich finde, ein Mensch, der etwas getan hat, der lebt und leuchtet dann gewissermaßen von innen. Die Frauen schauen immer toller aus auf den Bergen.

Und Ihr Ziel der „Gipfeltour" ist es, Geheimnisse zu erfahren, die Sie im Studio nicht erfahren würden?

Man ist ja über viele Stunden zusammen, geht nebeneinander her und hat auch nicht diese konfrontative Gesprächssituation wie im Studio. Das schafft eine andere Beziehung. Die Seele ist schon sehr offen da oben. Manchmal haben mir Leute so persönliche Dinge erzählt, dass wir sie dann später nicht gesendet haben. Aber das entsteht aus der Situation, ich bin gar nicht der harte Journalist. Das war ich vielleicht früher mehr bei „Live aus dem Alabama".

Gibt es noch einen Wunschwanderpartner?

Eher einen Traum, der sich nicht mehr realisieren lassen wird. Ich habe Ende der 80er Jahre mal ein einstündiges Interview mit dem Dalai Lama geführt. Das war ein tolles Gespräch über philosophische Themen. Aber, dass er mit mir beim „Gipfeltreffen" wandert, ist doch illusorisch.

Sie bestreiten Ihr Leben mit wunderschönen Hobbies – Wandern und Musik.

Ich bin tatsächlich ein vom Glück beschützter Kerl. Als ich jung war, durfte ich eine tolle Jugendsendung machen, wir haben uns bei „Alabama" mit den Leuten gestritten und Geld dafür bekommen. Als ich selber kleine Kinder hatte, durfte ich „Dingsda" moderieren. Was ich jetzt mache, also „Gipfeltreffen" und „Aufgspuit", das ist so eine Mischung aus Glück und selber wollen. Ohne diese Sendungen, die ich mir selber entwickelt habe, wäre ich nicht mehr beim Fernsehen. Ich habe kein Interesse mehr an mir zugetragenen Fremdformaten, wo ich quasi im Sakko als Moderator ferngesteuert funktioniere.

Sie könnten ja auch allein von der Musik leben.

Es hat sich so entwickelt. Auf der letzten „Süden“-Tour haben wir, also Pippo Pollina, Martin Kälberer und ich, 99 Konzerte gespielt. Der Martin und ich hatten zuvor noch nie jenseits von Frankfurt gespielt und jetzt waren wir auch in Hamburg oder Düsseldorf ausverkauft. Wahnsinn. Das liegt sicher an Pippos Präsenz im Norden, aber auch daran, dass „Aufgspuit“ deutschlandweit, aber auch in der Schweiz und in Österreich, Kult geworden ist. Das Format gibt es so ja nirgends sonst.

Und jetzt wagen Sie den musikalischen Everest, Sie spielen in der Arena di Verona.

Wir werden die ersten deutschsprachigen Künstler sein, die dort überhaupt spielen dürfen. Das ist natürlich eine durchgeknallte Idee, aber der Vorverkauf läuft schon sehr gut.

Bei Ihrem Glück wird es ein lauer, regenfreier Sommerabend.

Also beim „Gipfeltreffen"-Team gibt es das geflügelte Wort vom „Schmidbauerwetter“, weil ich bislang Riesenglück gehabt habe – auch mit der letzten Sendung, die am 1. Mai gezeigt wird. Es waren drei Wochen schlimmstes Wetter und dann gab es nur einen einzigen Tag, den der Hackl Schorsch Zeit hatte, und genau der war sonnig mit wunderschönem blauen Himmel.

Die „Gipfeltreffen-Nacht“ zum Jubiläum am Samstag im Bayerischen Fernsehen: 23.30 (mit Reinhold Messner), 0.15 Uhr (mit Schwester Theodolinde), 1 Uhr (mit Wolfgang Ambros), 1.45 Uhr (mit Rosi Mittermaier), 2.30 Uhr (mit Haindling)

 

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