Interview mit Rokhsareh G. Maghami Die iranische Filmemacherin über starke Frauen

Die 43-Jährige Regisseurin Rokhsareh G. Maghami. Foto: RealFiction

Rokhsareh G. Maghami studierte Film und Animation in Teheran und dreht Dokumentarfilme. Im Interview redet die Regisseurin über ihren neuen Film "Sonita", Zensur in ihrem Heimatland und die Rolle der Frau.

München - Ihr Film „Sonita“ über eine afghanische Rapperin, die illegal im Iran lebt und ihren Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung wurde unter anderem auf dem Dok.fest München ausgezeichnet.

Frau Maghami, was ist diese Sonita für ein Mädchen?

Rokhsareh Ghaem Maghami: Sie ist stark, poetisch und leidenschaftlich. Mit ihrer Rap-Lyrik kämpft sie gegen Zwangsheirat, Unterdrückung und soziale Ausgrenzung, wird zum Sprachrohr von Mädchen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen wollen.

Wie entstand der Film?

Meine Cousine kümmerte sich als Sozialarbeiterin bei einer NGO um Flüchtlingskinder und meinte, ich müsse dieses talentierte Mädchen kennenlernen. Als wir uns das erste Mal trafen, war ich gerührt, dass die damals 15-Jährige sich nicht mit ihrer Lage abfand, sondern noch fähig war zu Träumen. Statt des geplanten Films über illegale Immigranten und Zwangsheirat, begleitete ich Sonita über drei Jahre.

Wo lagen die größten Knackpunkte?

Ich wusste überhaupt nicht, was passieren würde. Die Probleme spitzten sich zu, als ihre Mutter sie quasi verkaufen wollte, um so das Geld für die Hochzeit des Sohnes zu bekommen. Bei der überraschenden Einladung nach Amerika fehlten die notwendigen Papiere. Mir war auch nicht klar, inwieweit ich eingreifen durfte, ohne die Authentizität zu beeinträchtigen. Aber mir blieb keine andere Option, als Sonita für sechs Monate „freizukaufen“. Dass dieser Film ihr Leben radikal änderte, konnte niemand voraussehen.

Konnten sie so einfach im Iran und Afghanistan drehen?

Um eine Dreherlaubnis im Iran zu bekommen, muss man einige Tricks anwenden. Wer die kennt, kommt über die Runden. Manchmal ist das eine ziemlich kniffelige Gratwanderung. Natürlich durften wir nicht sagen, dass es sich um eine Rapperin handelt, sondern nannten als Thema Zwangsheirat. In Afghanistan braucht man vor allem Beziehungen.

Im Iran leiden Filmemacher wie Jafar Panahi unter Berufsverbot, andere müssen das Land verlassen, es herrscht Zensur. Wie kommen Sie damit klar?

Die scharfe Zensur kompliziert die Arbeit, damit kämpfen wir alle, unabhängig vom Geschlecht. Auch die Finanzierung ist schwierig. Jeder sucht auf seine Weise Möglichkeiten, die Stolpersteine zu umgehen.

Welche Chancen bieten sich Filmemacherinnen nach dem Studium?

In der Ausbildung waren wir zehn junge Frauen und 15 junge Männer. Einige von uns arbeiten heute als Regisseurinnen, aber nur einer der Jungs als Regisseur. Im Bereich des Spielfilms liegt der Frauenanteil bei 20 Prozent, im Dokumentarfilm bei 35 Prozent. Frauen im Iran sind sehr qualifiziert, nicht nur im kreativen Sektor, auch im Ingenieurwesen. Der Blick von außen auf unsere Position und unsere Rechte entspricht nicht immer der Realität. Die Verhältnisse sind nicht mit denen in Saudi-Arabien zu vergleichen.

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Glauben Sie, dass die Lockerung der Sanktionen gegenüber dem Iran auch zu einer größeren Freiheit führt?

Der Iran verfügt über viele Talente und eine große Filmszene. Wir unterstützen uns ständig gegenseitig. Unsere Hoffnung geben wir nicht auf. Die Geschichte von Sonita beweist, dass Änderungen möglich sind, wenn auch nur in kleinen Schritten.

Wird Ihr Film im iranischen Kino laufen?

Da sehe ich schwarz. Frauen ist es verboten, in der Öffentlichkeit zu singen. Darunter fällt auch Sonita. Aber wir haben eine sehr lebendige Undergroundszene mit Musik, dazu gehören auch ihre Songs.


Kino: Monopol (D, IRN, CH, 91 Min)

 

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