Interview mit Ex-Bayern-Star Alexander Zickler: "Ein Gefühl, als wäre es gestern gewesen"

Sein größter Triumph: Alexander Zickler mit dem Champions-League-Pokal 2001. Foto: Kunz/Augenklick

Alexander Zickler spricht im AZ-Interview über den Champions-League-Sieg 2001 und seinen Plan für die Zukunft: "Trainer in der Bundesliga".

 

Der 43-Jährige Alexander Zickler gewann mit Bayern 2001 die Champions League. Seit Februar ist er Co-Trainer beim FC Liefering in der 2. Liga in Österreich.

AZ: Herr Zickler, Sie waren am letzten Spieltag der Bundesliga in der Allianz Arena, als sich der Freiburger Nils Petersen Ihren Jokerrekord geschnappt hat. Er liegt nun mit 19:18 Toren vorne. Vom Ex-Kollegen Hasan „Brazzo“ Salihamidzic gab’s auf der Tribüne gleich ein paar Sprüche für Sie.
ALEXANDER ZICKLER: Wir haben im Vorfeld des Spiels zwischen Bayern und Freiburg schon Spaß gemacht, dass es Petersen schaffen könnte. Aber das passt absolut für mich, er hat das verdient, ich gönne ihm den Rekord. Petersen ist einer, der immer seine Leistung bringt, wenn er von der Bank kommt. Es ist gut für eine Mannschaft, wenn sie so einen Spieler hat.

Der FC Bayern hat aktuell keinen Top-Joker. Braucht Ihr Ex-Klub einen Ersatz für Robert Lewandowski?
Lewandowski ist der einzige klassische Mittelstürmer, den es im Kader gibt. Ich glaube, Bayern wird da reagieren, damit sie zumindest eine andere Option haben. Wenn Lewy mal länger ausfallen sollte, wird es sehr schwierig für Bayern. Er ist schnell, hat den Torriecher, arbeitet für die Mannschaft: Für mich ist Lewandowski ein kompletter Stürmer; einer der besten der Welt.

Welche Stürmer würden denn zu Bayern passen?
Alexis Sanchez wäre ein absoluter Knaller für die Bayern, ein Topspieler. Er ist sehr flexibel einsetzbar, kommt über außen, aus dem Rückraum, kann auch in der Sturmspitze spielen. Aber er ist nicht der Größte, mit Flanken wird es bei ihm schwer.

Und sonst: Gibt es Kandidaten in der Bundesliga?
Es ist gar nicht so einfach, einen Spieler zu finden, der die Geduld mitbringt und sich hinter Lewandowski auf die Bank setzt. Die Leipziger Timo Werner und Yussuf Poulsen wären interessant, aber die wollen spielen. Genauso Max Kruse von Werder Bremen. Und wenn man Sandro Wagner kennt: Der ist so ehrgeizig, dass er nicht in die zweite Reihe geht.

Sie sind aktuell in der 2. Liga in Österreich tätig, beim FC Liefering, der Reserve von RB Salzburg. Was machen Sie da genau?
Ich bin dort einer von zwei Co-Trainern, habe zuvor die U13, U14 und U15 trainiert. Zu meinen Aufgaben zählt die Gegnervorbereitung und speziell die Arbeit mit den Stürmern. Das macht mir großen Spaß. Und die Jungs hören mir zu, weil ich selbst als Spieler große Partien erlebt habe.

Wollen Sie irgendwann auch Cheftrainer werden?
Mittelfristig ist das mein Ziel, ich mache parallel gerade meinen Fußballlehrer in Österreich. Wie als Spieler träumst du auch als Trainer von den großen Stadien, den großen Vereinen. Ich würde gerne später als Trainer in der Bundesliga arbeiten.

Wie eng ist Ihre Verbindung zu den Bayern noch?
Ich lebe jetzt in Salzburg, habe meine Familie hier und meinen Job. Durch die Bayern-Allstars habe ich weiter Kontakt zum Verein und einigen Mitspielern von damals.

Zu wem zum Beispiel?
Mit Brazzo (Hasan Salihamidzic, d.Red.) und Jerry (Jens Jeremies) habe ich bis heute regelmäßig Kontakt, Jerry lädt mich öfter mal ins Stadion ein.

Beide gehörten wie Sie zum Champions-League-Siegerteam von 2001. Waren Sie damals im Elfmeterschießen eigentlich nervös?
Gegen Valencia habe ich meinen ersten Pflichtspielelfmeter überhaupt geschossen. Ich war ein bisschen nervös, aber eigentlich recht sicher, dass ich ihn reinmache. Ich bin einfach zum Punkt gegangen und habe versucht, Canizares zu verladen. Der Sieg war ein absolutes Highlight, zwei Jahre zuvor hatten wir das Trauma in Barcelona gegen Manchester United erlebt. Wenn ich heute irgendwo die Bilder von 2001 sehe, bekomme ich Gänsehaut. Es ist immer schön, wenn ich die Kollegen von damals wiedersehe. Da braucht es nicht lange, bis wir über unsere Vergangenheit und 2001 sprechen. Es fühlt sich dann an, als wäre es gestern gewesen.

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