Interview mit dem Tenor aus Mexiko Eine neue Oper für Rolando Villazón im Nationaltheater

Der mexikanische Tenor Rolando Villazón Foto: dpa

Bald liest er auf der Bücherschau, und für 2015 hat der Tenor aus Mexiko für München eine Überraschung parat

 

Er ist Opernsänger, Schriftsteller, Clown, Regisseur und moderierte gerade die Verleihung des Echo Klassik in der Philharmonie am Gasteig. Morgen singt das Rolando Villazón dort Arien und Duette, Ende November liest er bei der Münchner Bücherschau aus seinem im Sommer erschienen Roman „Kunststücke”. Und er hat für noch weitere Pläne in unserer Stadt.

AZ: Herr Villazón, welcher Ihrer vielen Jobs ist Ihnen der liebste?

ROLANDO VILLAZÓN: Alles ist schön. Opernsänger zu sein, ist gewiss die schwierigste Aufgabe in der Welt der Kunst. Die Moderation einer Fernseh-Sendung finde ich leichter. Aber ich mache alles gerne. Im Moment bin ich gerade mit meinem zweiten Buch fertig geworden.

Das Zweit-Buch fällt vielen Autoren schwerer als das erste. War das bei Ihnen auch so?

Nein. Ich entwarf wie ein Regisseur eine Grundstruktur mit den Figuren, die sich im Lauf des Schreibens verändert hat. Ich habe für jeden der beiden Romane zweieinhalb Jahre gebraucht. Es ist nicht einfach, eine Welt zu bauen, die nur durch Worte existiert.

Wovon handelt das neue Buch?

Es geht um das Spiel und was es in unserem Leben bedeutet. Bücher wie Johan Huizingas „Homo ludens“ und „Die Spiele und die Menschen“ von Roger Caillois sind der theoretische Hintergrund des Buchs. Es gibt für den Leser viel zu denken, zu träumen, zu lachen. Jetzt fange ich mit dem dritten Buch an.

Den Clown in „Kunststücke“ halten viele Leser für ein Selbstporträt von Rolando Villazón. Ist da was dran?

Ja und nein. Ich bin davon überzeugt, dass jeder von uns einen Clown und einen Philosophen in uns trägt. Es ist von viel von mir in dem Buch, aber autobiografisch ist es nicht.

Wer ist Pumeza Matshikiza, mit der Sie am Dienstag auftreten?

Eine junge Sängerin aus Südafrika. Sie ist mir 2008 im Londoner Opernhaus Covent Garden aufgefallen. Ich sang die Titelrolle in Verdis „Don Carlos“, sie den Tebaldo. Sie hat eine tolle Stimme, und ich habe ihre Karriere verfolgt. Ich singe an dem Abend vier Arien und außerdem vier Duette mit ihr - es wird eine Reise durch die Welt der Oper.

Der Tenor ist Mexikaner, die Sängerin aus Südafrika, das Orchester aus Tschechien und die Musik überwiegend italienisch. Ist das nicht verrückt?

Der Dirigent Guerassim Voronkov stammt übrigens aus Moskau und lebt in Barcelona. Musik bringt die verschiedensten Menschen dazu, in einer gemeinsamen Sprache zu sprechen. Egal was wir denken, welche Partei wir wählen und welcher Religion wir angehören - Musik bringt uns an einem Abend zusammen.

Opernfans und Stimm-Experten reden bis heute ständig über Ihre Krankheit und Ihr Comeback vor vier Jahren. Nervt Sie das?

Natürlich weiß ich, dass in tausend Blogs und Kommentaren darüber gestritten wird, zum Teil sogar sehr böse. Ich lese das nicht, aber es gehört zum Geschäft. Als Künstler muss man vor allem auf sich selbst hören und seinen eigenen Weg gehen. Ich fühle mich gut und ich hoffe, es bleibt so.

Mozart hat Ihnen dabei geholfen?

Er ist heute einer meiner Lieblingskomponisten. Ich habe Mozart erst spät für mich gefunden, aber zum richtigen Zeitpunkt: Es braucht Reife für seine Musik.

Werden Sie auch wieder im Nationaltheater singen?

Im April gibt es mehrere Vorstellungen von „Hoffmanns Erzählungen“. In der nächsten Spielzeit gibt es zwei große Projekte: Auftritte in Massenets „Werther“ und die Uraufführung einer Oper, die eigens für mich geschrieben wurde.

Lesung: Donnerstag, 27.11., 19 Uhr im Carl-Orff-Saal, Karten: Telefon 54 81 81 81

 

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