Interview "Mit Bildern zeigen, was man erlebt hat"

Das argum-Lehrer-Team: Wolfgang Nürbauer, Katharina Alt, Interview-Partner Thomas Einberger und Falk Heller(v.l.). Foto: argum

Thomas Einberger /(57), der Gründer der Agentur „argum” über Fotografie, die Kurse und Lehrgänge nur für Frauen

 

AZ: Herr Einberger, wer oder was ist „argum”?
THOMAS EINBERGER: Argum ist eine Fotografenagentur, die 1987 von mir und einem Kollegen nach dem Studium gegründet wurde. Wir haben in Bielefeld studiert und sind dann nach München gegangen. Eine Agentur war damals die beste Perspektive. Wir wollten keine kleinen Brötchen backen und haben anfangs viel schwarz-weiß für den „Spiegel” fotografiert.

Argum klingt nach Magnum.
Ja, die Magnum-Fotografen sind Vorbilder. Der Name argum ist ein Kunstname, eine Mischung aus den Agenturen Magnum und Argus und dem Wort Argentum – dem Silber, das man bei der Fotografie benutzt. Das haben wir zusammengeschmolzen.

Warum jetzt die Fotoschule?
Weil wir feststellen, dass die Menschen zwar digital viel fotografieren, die Fotografie-Kenntnisse aber eher abnehmen. Das ist schade. Unser Herz hängt an der Fotografie.

Wie ist das Foto von der BMW-Welt entstanden, das oben auf dieser AZ-Seite zu sehen ist?
Erst wurde nach dem richtigen Licht geschaut: Die BMW-Welt wird nachts beleuchtet mit blauem Licht. Die Kamera muss dafür aufs Stativ. Und dann wird lange belichtet.
Und das Foto von der Karussell-Silhouette?
Das ist in der Dämmerung entstanden. Die Schwierigkeit ist, dass der Verschluss lange aufbleiben muss, aber eben nicht zu lange, sonst wird es unscharf. Da muss man so lange probieren, bis Blende und Verschluss passen.

Bekommt man bei Ihnen Anfänger-Tipps wie: „Blende 8 – wenn die Sonne lacht”?
Nein. Diese Merksprüche machen wenig Sinn. Was wir vermitteln, ist vor allem: viel Spaß haben, ausprobieren, experimentieren. Nicht nur einmal draufdrücken. sondern ein drittes, viertes Mal neu durchgucken, variieren, herumspielen. Das bringt die besten Ergebnisse.

...und die schönsten Effekte?
Es geht nicht um Effekthascherei. Sondern um den gestalterischen Vorgang, aus vier Dimensionen zwei zu machen. Darum, mit seinen Bildern zu zeigen, was man erlebt hat, Geschichten zu erzählen. Darum geht es uns.

Geben Sie Kaufempfehlungen?
Ja. Es gibt einen eignen Kurs: „Welche Kamera soll ich mir kaufen?” Die Frage wird uns am allerhäufigsten gestellt. Wir können gut beraten, weil wir nicht die Interessen eines Fachverkäufers haben.

AZ-Leser können eine Kursteilnahme für „Street Photography” gewinnen. Was lernen sie da?
Mit offenen Augen und mit offenem Herzen durch die Stadt zu gehen und sich sein Bild zu machen. Man muss einen Standpunkt einnehmen. Im direkten Sinn und übertragen. Wenn man weiß, wo man steht, macht man gute Fotos. Menschen, die sich engagieren, fotografieren besser.

Es gibt spezielle Kurse nicht nur für Kinder, sondern auch für Frauen. Wieso?
Wir glauben, dass Frauen einen etwas anderen Zugang zu technischen Vorgängen haben. Bei gemischten Kursen fragen die Männer nach technischen Feinheiten. Das interessiert Frauen weniger. Bei uns erklärt eine Frau Frauen Fotografie – ganz ohne Männer und Gockelkämpfe.

 

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