Interview mit 1860-Coach Fröhling: „Ich spüre das Vertrauen des Vereins“

Torsten Fröhling spürt das Vertrauen des Vereins Foto: sampics/Augenklick

Im AZ-Interview spricht der Löwen-Trainer über den Pokalsieg gegen Hoffenheim, die Euphorie im Klub, mögliche Neuzugänge, das Verhältnis zum neuen Sportdirektor Aygün und die rare Zeit mit der Familie

 

AZ Herr Fröhling, Sie sind jetzt fast ein halbes Jahr im Amt – es war eine sehr emotionale Zeit. Wie sehen Sie die Entwicklung von 1860 seit Ihrem Amtsantritt?

TORSTEN FRÖHLING: Es war ein sehr turbulentes halbes Jahr. Das Entscheidende ist, das wir das Minimalziel Ligaerhalt geschafft haben. Durch den Sieg im Pokal gegen Hoffenheim ist hier eine gewisse Ruhe eingekehrt. Das ist unheimlich wichtig, weil wir eine junge Mannschaft haben, weil wir was aufbauen wollen. Erreicht haben wir noch nichts. Das ist ein schöner Trend, aber entscheidend sind die Ligaspiele.

Dennoch wird der Sieg der Mannschaft gutgetan haben.

Die Stimmung war automatisch gut. Da kann man sich ein, zwei Tage freuen. Mir selber war die Euphorie zu groß – auch von den Medien. Auch wenn’s schön ist, aber wer hochgelobt wird, kann tief fallen.

Müssen sie die Spieler bremsen?

Klar sind das junge Leute, die schnell in Euphorie verfallen, aber da holen die älteren Spieler die jungen auch wieder zurück.

Kann man trotzdem die Euphorie aus dem Pokal in die Liga mitnehmen?

Die müssen wir mitnehmen. Wir müssen mitnehmen, dass wir’s können, dass es funktioniert. Vor allem, wie es funktioniert. Da dürfen wir keinen Millimeter nachlassen. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, doch wir wissen, wie schwer es in der Liga ist.

Und wie schwer es ist, ein Tor in der Liga zu erzielen? Bisher gab es noch keinen Torerfolg – eine dürftige Stürmer-Bilanz.

Dann schießen halt andere die Tore. Wir haben eine klare Philosophie. Was die beiden Stürmer Rubin Okotie und Stephan Hain gearbeitet haben in der ersten Abwehrreihe, das war herausragend. Und Chancen haben sie sich trotzdem erarbeitet. Da ist mir nicht bange.

Während es in der Mannschaft ruhig ist, gibt es dank des Besuchs von Hasan Ismaik Schlagzeilen. Haben Sie den Investor selbst gesprochen?

Nein, ich habe davon noch nichts mitbekommen. Davon weiß ich auch nichts.

Werden Sie sich treffen?

Ich weiß es nicht. Wenn er mich treffen will, bin ich Gewehr bei Fuß. Er ist ja mein oberster Chef.

Der Investor forderte im Mai einen stärkeren Trainer. Wie reagiert man als Coach auf solche öffentliche Ansagen?

Man kann das interpretieren, wie man will. Stärkerer Trainer kann auch heißen, dass der Trainer mehr Macht kriegen soll.

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Fühlen sie sich denn als stärkerer Trainer?

Was man mir seit Wochen vom Verein an Vertrauen und Zuspruch gibt, das spüre ich. Das Gefühl, dass man mit mir den Weg weitergehen will.

Der Name Felix Magath geistert immer umher...

Hier im Haus nicht.

Die Frage nach Neuzugängen stellt sich weiter. Sie können Verstärkungen nicht an der Kette herbeiziehen, haben Sie gesagt.

Wir haben mit Spielern verhandelt, uns getroffen, was auch sehr positiv war. Aber es hat nicht geklappt aus verschiedensten Gründen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir ein, zwei Verstärkungen holen.

Gibt es aktuell erfolgsversprechende Gespräche?

Ja.

Um welche Positionen handelt es sich?

Offensives Mittelfeld und Sturm.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem neuen Sportdirektor Necat Aygün?

Super. Ich komme grade wieder aus seinem Büro. Wir sind täglich im Kontakt. Er ist viel mehr im Büro, hat sehr viel Schreibtischarbeit. Deswegen informiert er mich immer abends per Telefon, wenn ich nicht mehr hier im Haus ist.

Ist die Zusammenarbeit besser als zuvor?

Ich habe mit Gerhard Poschner auch vertrauensvoll zusammengearbeitet.

Letztes Jahr suchte man Spieler nach einem System aus, jetzt wird der Trainer miteingebunden. Profitieren Sie von dieser Entwicklung?

Ich profitiere davon, wenn die Spieler auch kommen. Ich finde schon, dass ein Trainer miteinbezogen werden sollte. Er muss ja den Kopf hinhalten und mit diesen Spielern dann arbeiten.

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Spüren Sie, dass sie mehr Einfluss haben?

Ja, aber das war auch schon zu Beginn der neuen Saison mit Herrn Poschner so.

Ex-Präsident Mayrhofer setzte auf Multikulti, Noch-Präsident Schneider schwört auf Spieler mit bayerische Herkunft. Auf welchen Spielertyp bauen Sie?

Man muss da schon differenzieren. Wir wollen jetzt die nächsten zwei, drei Jahre was aufbauen. Das ist mein Ziel und da gab’s bis jetzt auch keine Widerworte. Wir müssen schauen, dass wir die jungen Leute aus dem eigenen Nachwuchs, bevor wir sie woanders verhökern, hier einbinden. Wir müssen uns aber auch gezielt verstärken, um längerfristig was aufzubauen. Wenn es Spieler auf dem Markt gibt, dann muss man auch außerhalb von Bayern mal gucken.

Die Löwen sind Montag gegen Nürnberg gefordert. Wie heiß wird das Derby?

Es wird krachen – von beiden Seiten her. Nürnberg hat drei Punkte mehr. In so einem Spiel ist alles möglich.

Wie stehen die Chancen?
Ich sage wieder 50:50.

Bei so viel Emotionen und Druck: Wie kommen Sie selbst runter? Ihre Familie wohnt ja in Hamburg.

Die Relegation war extrem, da bin ich einen Tag später nach Hause gefahren. Da ist eine Familie gut, um Ablenkung zu haben. Meine Familie war jetzt die ersten zweieinhalb Wochen von den Ferien hier. In meiner Position wäre es natürlich sehr mutig, die Familie herzuholen, umzuschulen und so weiter. Es ist für beide Seiten nicht optimal. Man kann schon beruhigter arbeiten, weil ich nicht auf die Uhr schauen muss, um schnell nach Hause zu kommen, wie normal. Ich habe hier effektiv 24 Stunden am Tag Zeit. Aber wenn ich die seltene Zeit für meine Familie habe, dann will ich auch meine Ruhe.

 

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