Insolvente Air Berlin Wöhrl: "Das Bieterverfahren war eine Farce!"

Bei Air Berlin geht es nun darum, wer wie viele Flugzeuge bekommen soll. Der Geschäftsmann Hans Rudolf Wöhrl geht leer aus. Foto: dpa/AZ

Hans Rudolf Wöhrl unterliegt im Bieter-Kampf um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. In der AZ macht der Nürnberger Unternehmer seinem Ärger Luft und attackiert Regierung sowie Lufthansa scharf.

 

Berlin - Am Montag soll’s so weit sein: Dann will der Aufsichtsrat von Air Berlin über die Angebote für die insolvente Airline beraten und die Öffentlichkeit informieren. Eines steht nach den Sitzungen der Gläubiger vom Donnerstag fest: Die Lufthansa hat die besten Chancen, große Teile der Fluggesellschaft zu übernehmen. Aus dem Rennen dürfte Hans Rudolf Wöhrl sein. In einer Mitteilung am Freitagmorgen zeigte sich der Geschäftsmann aus Nürnberg "entsetzt" über die Entscheidung pro Lufthansa. Im AZ-Interview legt der Unternehmer nach.

AZ: Herr Wöhrl, im Bieterverfahren um Air Berlin ist eine Vorentscheidung gefallen – gegen Sie. Haben die Gläubiger Sie und Ihr Angebot überhaupt ernst genommen?
HANS RUDOLF WÖHRL: Wahrscheinlich haben diese mein Angebot so ernst genommen, dass man es gar nicht mehr diskutieren konnte, ohne von der vorgefassten Entscheidung abweichen zu müssen. Daher flüchten die Gläubiger in fadenscheinige Ausreden und Halbwahrheiten, um sich unseren Argumenten erst gar nicht öffentlich stellen zu müssen.

Der große Gewinner dürfte nun Lufthansa heißen.
Wäre das Verfahren sauber abgelaufen und die Lufthansa hätte wirklich nachprüfbar das beste Angebot unterbreitet, dann ginge das vollkommen in Ordnung. Doch das Bieterverfahren kann nur eine Farce gewesen sein, wenn Sie bedenken, dass das vermutliche Endergebnis genau dem entspricht, was man am Tag der Insolvenz schon verkündet hat.

Es sind auch noch andere Bieter im Rennen. Gönnen Sie denen wenigstens Stücke des Air-Berlin-Kuchens?
Ich kann nur hoffen, dass für Condor ein möglichst großes Stück abfällt. Dann würden wenigstens eine zweite deutsche Fluggesellschaft und deren Passagiere davon profitieren. Aber wie es aussieht, will man auch diesen Wettbewerber kleinhalten. Ein Schelm, wer Schlechtes darüber denkt.

Sie sind "persönlich entsetzt", was in diesem Land alles möglich sei. Wieso?
Die Politik mischt sich oft dann bei einem Insolvenzverfahren ein, wenn es darum geht, Arbeitsplätze zu erhalten. Vor allem Gewerkschaften und SPD erklären sich in diesen Fällen mit Mitarbeitern solidarisch.

Bei Air Berlin ist Ihnen zufolge das Gegenteil geschehen.
Der Bund gibt einen Kredit von 150 Millionen Euro, um ein paar Tausend Arbeitsplätze zu vernichten und ein Quasi-Monopol auf vielen Strecken zu schaffen. Vor der Wahl hat die Regierung mit der Erklärung, sie wolle "Urlauber zurückholen", eine soziale Wohltat präsentiert. Dieses Kartenhaus ist rasch zusammengefallen. Der Bund ist größter Aktionär der Lufthansa. Und genau diese Regierung schützt mit dieser Zerschlagung die Lufthansa davor, dass Mitarbeiter durch den Paragrafen 613 a abgesichert sind (Anm. d. Red: Dieser Paragraf besagt, dass mit jedem abgrenzbaren Teilbetrieb die Arbeitsverhältnisse auf den Erwerber übergehen; Kündigungen beim Betriebsübergang sind unzulässig). Warum stellt man die Langstrecke ein?

Sagen Sie’s uns.
Nicht weil sie diese Flüge nicht mehr fortführen will, sondern weil die Lufthansa so die teuren Langstreckenpiloten der Air Berlin geräuschlos gegen deutlich preiswertere austauschen kann.

Werden Sie gegen die Entscheidung der Gläubigerausschüsse klagen?
Dazu kann und will ich im Moment noch nichts sagen, bevor wir das nicht im Kreis meiner Partner besprochen haben. Das werden wir dann tun, wenn wir das endgültige Ergebnis kennen und eine offizielle Absage erhalten haben. Alles andere wäre wilder Aktionismus.

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