Ingrid Steeger in der AZ Nach Sex-Skandal um Dieter Wedel: "Das ist Rufmord"

Fünf Jahre Liebe liebten sich Dieter Wedel und Ingrid Steeger. Sie hält heute zu ihm und glaubt nicht an die Vorwürfe. Foto: SchneiderPress/dpa

In der AZ verteidigt Ingrid Steeger ihren Ex Dieter Wedel. Doch die Vorwürfe sind heftig, die Staatsanwaltschaft ermittelt – es geht um Vergewaltigung.

 

Vor drei Tagen haben Ingrid Steeger (70, "Klimbim") und Dieter Wedel (75, "Der große Bellheim") miteinander telefoniert. An sich nichts Ungewöhnliches – und doch war diesmal alles anders. Seit der Trennung 1992 blieben der Filmemacher und die Schauspielerin befreundet. Telefoniert haben sie oft danach, jetzt waren die Gesprächsthemen neu, aufwühlend, heftig.

Am 3. Januar erschien im ZEITmagazin eine große Geschichte, in der drei Frauen erzählen, dass Wedel sie in den 90er Jahren sexuell belästigt haben soll. Jany Tempel (48), die damals Schauspielerin war und heute als Drehbuchautorin arbeitet, bezichtigt ihn sogar der Vergewaltigung. Im Vier Jahreszeiten in München soll er sie 1996 zu einem Vorstellungsgespräch in seinem Hotelzimmer im Bademantel empfangen haben. "Er hat mich mit Wucht gepackt und gegen die Wand gepresst." Sie habe "bitte nicht" gerufen, aber er habe sie aufs Bett geworfen und zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Die angebliche Vergewaltigung ist noch nicht verjährt

Wedel entgegnete in einer schriftlichen Stellungnahme, dass er sie gemocht und eine "kurze Affäre" mit ihr gehabt habe. Die Vergewaltigung dementiert er vehement (siehe Stellungnahme am Ende dieses Artikels).  Auch im Gespräch mit Ingrid Steeger ist der Artikel Thema. Was weder sie noch Wedel beim Telefonieren ahnen: Die angebliche Vergewaltigung ist noch nicht verjährt. Nach der Gesetzesänderung vom Januar 2015 ruht die Verjährungsfrist für sexuelle Straftaten (maximal 20 Jahre) bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres. Jany Tempel war zum fraglichen Zeitpunkt 27.

Deshalb schaltete sich die Staatsanwaltschaft München nach Veröffentlichung des Artikels ein, was am Montag bekannt wurde. Offiziell heißt es: Die Staatsanwaltschaft München I hat bestätigt, dass sie gegen Dieter Wedel ermittelt. Es gehe um den Anfangsverdacht einer nicht verjährten Straftat, das Ergebnis der Ermittlungen sei noch völlig offen. Da es weder Zeugen noch Beweise gibt, steht nun Aussage gegen Aussage. Während sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete, wurde Dieter Wedel in ein Krankenhaus gebracht (AZ berichtete). Herz-Attacke.

Steeger: "Ihm ging es schon vor drei Tagen nicht gut"

"Ihm ging es schon vor drei Tagen nicht gut", sagt Steeger zur AZ. "Da klagte er bereits über Herzprobleme. Aber dass nun auch noch Ermittlungen gegen ihn laufen, dürfte ihm den Rest gegeben haben." Fünf Jahre war sie mit "Doktor Wedel", wie sie ihn respektvoll nennt, liiert. 1992 dann das Ende, er hatte eine Andere, sie war nicht überrascht.

Der erfolgreiche Filmemacher war immer ein Frauentyp, sechs Kinder hat er von sechs Frauen. Er lebte lange polygam – und redete auch darüber. Seit über 40 Jahren ist Lehrerin Uschi Wolters (70) seine Hauptfrau. Was komisch klingt, ist es für sie nicht. Dass Wedel parallel mit Film-Star Hannelore Elsner (75, nur kurz) und Tänzerin Dominique Voland (15 Jahre) verbandelt war und mit jeder Frau auch einen Sohn bekam, störte Uschi nie. Sie war und ist sein Fels in der Brandung, auch heute in der Klinik noch zuverlässig an seiner Seite. "Uschi kümmert sich toll", weiß auch Ingrid Steeger.

"Das ist Rufmord!", sagt Steeger

Was glaubt sie, stimmen die Vorwürfe? Steeger: "Unmöglich. Das ist Rufmord! Das sind kleine Pipi-Schauspielerinnen, die sich wichtig machen wollen, weil es gerade in ist, MeToo zu sagen. Doktor Wedel ist unschuldig, er hat es nicht nötig, Frauen zu vergewaltigen, die werfen sich ihm eh alle zu Füßen. Ich habe das oft erlebt, die waren total offensiv, flirteten mit ihm heftig in meiner Anwesenheit und haben sich an ihn rangeschmissen. Es gibt zig Schauspielerinnen, die sich nach oben geschlafen haben."

"Mit Doktor Wedel hatte ich die schönste Zeit."

Sie habe Wedel nie sexuell aggressiv erlebt: "Im Gegenteil, er war reizend, charmant und galant. Zwischen uns ist erst mehr gelaufen, als ich es auch wollte. Ich wurde von anderen Männern sechs Mal vergewaltigt. Mit Doktor Wedel hatte ich die schönste Zeit."

Nur ein Problem sieht sie, das sie auch mit ihm besprochen hat: "Wie soll er beweisen, dass er unschuldig ist?"


Stellungnahme von Dieter Wedel: "Diese Beschuldigungen erschüttern mich zutiefst"

Dieter Wedel (75) ist nach den Vorwürfen als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten und veröffentlichte eine persönliche Stellungnahme. Die AZ veröffentlicht diese hier:

Seit mehr als zwei Wochen sehe ich mich einer nicht enden wollenden Flut schwerster, öffentlich in den Medien erhobener Anschuldigen und Vorwürfen ausgesetzt. Der Umfang und die Art und Weise dieser Beschuldigungen haben mich zutiefst verstört und erschüttert. Und auch die Tatsache, dass es nicht aufhört.

Die Vorwürfe liegen teilweise über 20 Jahre und mehr zurück, für mich wichtige Zeugen, die zu meiner Entlastung beitragen könnten, sind tot. Wer die Verjährung abwartet, dem muss doch klar sein, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit vieles im Ungefähren bleibt und erhebliche Erinnerungslücken nicht auszuschließen sind.

Als außenstehender Zeitungsleser würde ich angesichts der schweren Vorwürfe auch an meiner Person zweifeln. Die Tatsache, dass die Anschuldigungen sich so sehr ähneln, scheint für ihren Wahrheitsgehalt zu sprechen. Aber diese Ähnlichkeiten müssen sich aufdrängen, wenn die Befragten vorher über die Anschuldigungen gegen mich informiert und auch entsprechend befragt werden.

Das Thema „Machtmissbrauch“ halte ich für überaus relevant und habe begrüßt, dass es in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Ich habe mir aber niemals vorstellen können, dass die Debatte auch irgendwann mich einmal betreffen könnte. Ich verabscheue jede Form von Gewalt, gegen Frauen ebenso wie gegen Männer.

Stets habe ich versucht, die Leistung von Schauspielern zu verbessern, denn es ist meine Überzeugung, dass das auch in ihrem Interesse ist. Viele sind mir dafür dankbar und haben mir das auch jetzt noch bestätigt. Andere habe ich offenbar zu sehr strapaziert oder gar seelisch verletzt, was mir sehr leid tut.

Ich höre von Menschen, denen fünfstellige Beträge für Aussagen gegen mich angeboten wurden. Sie haben den Eindruck, dass mit enormem Aufwand Recherchen durchgeführt werden, deren Ergebnis aber von vornherein feststeht, denn als sie sich positiv über mich geäußert haben, wurden sie nicht zitiert. Andere vermeintliche Zeuginnen haben in den letzten Tagen versucht, mich zu erpressen. Wenn ich ihnen nicht eine noch höhere Summe anböte als Verlage oder Zeitungen, von denen sie angesprochen wurden, würden sie mich sofort – unabhängig vom Wahrheitsgehalt – belasten. Wieder andere berichten mir, wie ihnen von den recherchierenden Journalisten Sätze in den Mund gelegt wurden, die sie so nicht erklärt und gemeint haben.

In diesem Klima der Vorverurteilung, der sogenannten „Verdachtsberichterstattung“, die auf keine erwiesenen Fakten gestützt sein muss, kann ich den Kampf um meine Reputation nicht gewinnen – weder mit juristischen Mitteln noch mit medialen Stellungnahmen. Es gibt belastende Hinweise, die die Glaubwürdigkeit vermeintlicher Zeugen erschüttern. Es haben sich bei mir und meinem Anwalt Menschen gemeldet, die dafür einstehen wollen, um dem Gemisch aus Gerüchten, Unterstellungen, Vermutungen und Anschuldigungen Substanzielles entgegenzusetzen. Doch was bringt es am Ende? Außer vielleicht der Erkenntnis, dass inzwischen auch nach Eintritt der Verjährung allein schon der Verdacht genügt, um jedermann zu jedem beliebigen Zeitpunkt an den medialen Pranger zu stellen.

Der Umfang, die Art und Weise der Darstellung, die Anfeindungen haben für mich in meinem 76sten Lebensjahr ein für meine Gesundheit und natürlich auch für meine Familie erträgliches Maß weit überschritten. Deswegen werde ich mich von jetzt an nicht mehr öffentlich äußern. Ich bitte darum, dies zu respektieren und künftig von Rückfragen bei mir und in meinem privaten Umfeld abzusehen. Da ich die Bad Hersfelder Festspiele aus der diffamierenden Diskussion um meine Person heraushalten möchte, möchte ich nun über Bürgermeister Thomas Fehling dem Magistrat vorschlagen, die Aufgaben des Intendanten an meinen bisherigen Stellvertreter Joern Hinkel kommissarisch zu übertragen, bis ein neuer Intendant gefunden ist.


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