In die Navi-Karten geschaut Wie kommen neue Straßen ins Navi?

Vollgestopft mit Technik: Der Navi-Golf von TomTom. Foto: Rudolf huber

"Fahren Sie in den Kreisverkehr." Die Ansage kennen Autofahrer mit Navi. Nur: Woher weiß das Navi, dass gerade ein Kreisel ansteht - vor allem, wenn der erst vor Kurzem gebaut wurde?

 

München  - Der Navi- und Navigationssoftware-Hersteller TomTom liess sich jetzt von der AZ in die Karten schauen. Wobei das mit den vermeintlich altmodischen (Land-)Karten durchaus ein passendes Bild ist.

Denn die sind immer noch das Grundgerüst jeder Navigation. Aber einfach auf deren Aktualisierung zu warten - das wäre heutzutage nicht mehr wettbewerbsfähig. TomTom zum Beispiel verkürzt die Zeit für Aktualisierungen drastisch: von früher sechs Monaten auf maximal 48 Stunden.

Das erfordert viel Aufwand - und die Verwendung unterschiedlichster Quellen. Da sind zum einen die ein wenig an Googles Street View-Autos erinnernden Messfahrzeuge, die Kilometer für Kilometer die europäischen Straßen abfahren. An Bord haben sie eine 360-Grad-Kamera, einen Laserscanner für 3D-Aufnahmen und ein hochsensibles "Odometer", das die Wegstrecke misst.

Mit 30 bis 80 Sachen fahren die "Mobile Mapper" die Straßen ab und sammeln täglich bis zu 400 Gigabyte an Daten. Im Abgleich der neuen Aufnahmen mit dem Archiv werden Veränderungen erfasst und eingearbeitet.

Aber auch die Recherche im Internet gehört dazu. Zum Beispiel in Form von öffentlich zugänglichen Informationen wie Bebauungsplänen, Stadtkarten oder Medienberichten zu Neubaumaßnahmen.

Ganz altmodisch wird auch telefonisch bei Baubehörden oderPlanungsämtern angefragt. Oder mit der Deutschen Post in Sachen Adressinformationen kooperiert. Und dann sind natürlich auch noch die TomTom-Kunden mit einem entscheidenden Beitrag im Gesamtprozess vertreten.

Entweder passiv, indem sie der Navi-Firma anhand ihrer - anonymisierten - Fahrtdaten Aufschlüsse über Streckenverläufe, Baustellen oder neue Straßen und Straßenführungen liefern. Oder aktiv, indem sie Änderungen und Neuheiten direkt am TomTom melden.

Etwa bei einem Kreisverkehr in der Nähe von Pöcking. In den bisherigen Daten war eine Kreuzung verzeichnet. Doch mehrere Navi-User meldeten mit Fotos und genauen Ortsangaben, dass dort jetzt ein Kreisel entstanden wäre.

Und dann ging's flott: Mit Hilfe der Baubehörde, durch neue Satellitenbilder und die Detail-Auswertung der von den Autos exakt zurückgelegten Route konnte das neue Bauwerk innerhalb von Stunden ins Daten-Material eingespielt werden. Und dann hieß es: "Fahren Sie in den Kreisverkehr..."

 

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