Im Nordosten Münchens Größer als Freiham: Das wird das nächste Riesen-Viertel

Hier im Nordosten soll das neue Viertel entstehen. Foto: AZ

Im Nordosten Münchens liegt die letzte große Entwicklungsfläche der Stadt. Wie es da mal aussehen wird? Die AZ gibt einen Einblick.

 

Als Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteifrei) vor neun Jahren ihren Job antrat, hieß es: Maximal noch 40 000 Wohnungen, dann ist München endgültig voll. So schlimm kam es letztlich aber doch nicht.

Seit Merks Amtsantritt im Jahr 2007 wurde gebaut, gebaut, gebaut – und die Stadt platzt immer noch nicht aus allen Nähten. Neuesten Schätzungen zufolge passen sogar immer noch gut 60 000 Wohnungen aufs Stadtgebiet. München scheint also ein richtiges Raumwunder zu sein.

Die wundersame Platzvermehrung kam natürlich nicht durch Zufall zustande. Die Stadt hat einfach nach und nach Flächen erschlossen, die davor nicht als Baugrund verfügbar waren: ehemalige Kasernen, großzügig bemessene Hinterhöfe. Die Stadtverwaltung zeigte sich recht findig, was das Aufspüren von neuen Entwicklungsflächen angeht.

Eine Entwicklungsfläche allerdings musste man nicht lange suchen, die lag einfach so da, richtig brettlbreit: der Münchner Nordosten.

Zwischen Englschalking, Daglfing und Dornach sind knapp 600 Hektar noch unbebaut – eine Fläche fast doppelt so groß wie die auch schon riesige Neubaufläche in Freiham. Und die firmiert ihres Zeichens momentan immerhin unter dem Titel „Europas größte Entwicklungsfläche“.

In den nächsten Jahren will die Stadt nun also noch einen draufsetzen: Der Nordosten soll erschlossen werden. Baubeginn wird nach aktueller Lage zwar nicht vor 2024 sein. Aber irgendwann sollen in dem neuen Stadtviertel mal 30 000 Münchner wohnen.

Wie genau das Viertel mal aussehen wird, da ist noch viel im Ungewissen. Eine grobe Vorplanung hat Stadtbaurätin Merk nun aber schon einmal vorgelegt. Drei Varianten kommen demnach in Frage:

„Die Perlenkette“

Diese Variante sieht vor, dass sich an der östlichen Stadtgrenze drei etwa gleich große Siedlungskörper wie an einer Perlenschnur untereinander aufreihen. Als natürliche Grenze der Bebauung würde der sogenannte Hüllgraben fungieren, ein kleiner Bach, der offenbar schon vor gut 200 Jahren künstlich angelegt worden ist.

Zur verkehrlichen Erschließung des Stadtteils sieht das Konzept vor, dass die U 4 vom Arabellapark über den S-Bahnhof Englschalking weitergeführt wird und künftig dann in dem neuen Viertel endet. Vorgesehen sind drei neue U-Bahnstationen.

Highlight dieser Variante ist ein neuer Badesee, der ungefähr da entstehen könnte, wo der Hüllgraben die alte Gütergleistrasse kreuzt.


Variante „Perlenkette“: Drei Siedlungskörper übereinander.

„Beidseits des Hüllgrabens“

Diese Variante reicht weiter in den Osten, über den Hüllgraben hinaus. Neue Stadtkante wäre die historische Salzstraße. Ein Badesee ist nicht vorgesehen, dafür würde in dieser Variante die U 4 sogar bis zur Messestadt Riem verlängert und durch die Anbindung zur U 2 dadurch sozusagen ein U-Bahnring geschaffen.


Variante „Beidseits des Hüllgrabens“: Lang in den Osten.

„Küstenlinie“

Die dritte Variante trägt ihren Namen wegen der grünen Landschaftsbuchten, die in den Siedlungsraum hineinragen. Wie bei der Variante „Beidseits des Hüllgrabens“, so gilt auch hier; kein Badesee, dafür soll die U-Bahnröhre bis nach Riem durchgebohrt werden.


Variante „Küstenlinie“: zwischen Beton viele grüne Buchten.

In allen drei Varianten können etwa 15 000 Wohnungen gebaut werden. Theoretisch ginge auch noch mehr, etwa, wenn man die Galopprennbahn in Riem zubaut. Die würde Stadtbaurätin Merk genauso wie die Trabrennbahn Daglfing aber lieber erhalten. „Das ist ja doch ein Gedächtnis dieses Ortes“, sagt die 53-Jährige.

Ein Hochhaus-Viertel soll der neue Stadtteil nicht werden, „aber Reihenhäuser wird es auch nicht geben können“, sagt Merk. Noch ist ohnehin viel in der Schwebe. Auf jeden Fall aber wird das „ein gigantisches Ding“, so Merk.

 

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