"Ich fühlte mich abgewimmelt" Münchnerin (73) vom Notdienst im Stich gelassen

Renate Hausinger (73) braucht am Allerheiligen-Feiertag medizinische Hilfe. Mit dem Notrufknopf der Johanniter geht es gut – unter der 116 117 lässt man sie im Stich. Foto: Bernd Wackerbauer

Renate Hausinger wacht mit stark geschwollenen Beinen auf – unter der Hilfs-Rufnummer der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es für sie aber keine Hilfe.

Ottobrunn - "Sie sind krank und Ihre Praxis hat zu? 116 117 ist die Nummer, die hilft": So bewirbt die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns ihre Notrufnummer – für nachts, am Wochenende und am Feiertag.

Für Menschen, die nicht lebensbedrohlich krank sind, deren Behandlung aber nicht bis zur nächsten Arzt-Sprechstunde warten kann, ist das ein wichtiges Angebot. Seniorinnen und Senioren in München schätzen es. Denn: Geht es einem Menschen schlecht, kommen Ärzte im Bereitschaftsdienst zum Hausbesuch.

Sie wird erst pampig empfangen – dann ist die Leitung tot

AZ-Abonnentin Renate Hausinger aus Ottobrunn hat am Allerheiligen-Feiertag jedoch schlechte Erfahrungen mit der "mangelnden Hilfsbereitsschaft" einer Notdienst-Mitarbeiterin gemacht, so Hausingers Vorwurf.

Folgendes war passiert: Die 73-Jährige war bei der Vollbremsung eines MVV-Busses der Linie 243 vom Sitz gefallen – und auf den Boden geknallt. Ihre Prellungen und Blutergüsse waren in der Helios Klinik in Altperlach allerdings professionell und zunächst zufriedenstellend behandelt worden.

Vier Tage später wacht Hausinger mit stark angeschwollenen Beinen auf

Sie ist über ihr Aussehen selbst höchst erschrocken: "Es sah aus wie mit dieser alten Krankheit Elefantiasis. Von der Kniekehle nach unten hat es gespannt. Meine Fußsohlen waren heiß", erzählt Hausinger.

Als vorsichtige Dame, die auch immer mit Rollator aus dem Haus geht, zahlt sie für einen Notrufknopf, den sie stets an einem Band um den Hals trägt. Hausinger drückt den Knopf – und ruft so die Johanniter-Nothilfestelle an.

Die Mitarbeiterin dort rät: Da sie sich so klar und präzise ausdrücken kann, solle sie selbst die Hilfsnummer der Kassenärztlichen Vereinigung wählen – besagte 116 117 – damit man ihr gleich einen Arzt nach Hause schickt.

Die fitte Rentnerin, eine frühere Chefsekretärin, fühlt sich am Telefon der Kassenärztlichen Vereinigung aber von einer "pampigen Stimme" empfangen. Schnell gibt es ein Kommunikationsproblem: "Jetzt sagen Sie doch, was Sie haben", wird Hausinger unfreundlich aufgefordert. Die erwidert verärgert: "Wenn ich das wüsste, hätte ich Sie nicht angerufen."

Dann ist die Leitung plötzlich tot. Renate Hausinger hat den Verdacht, die KV-Mitarbeiterin hat einfach aufgelegt. "Wenn es eine Störung gegeben hätte, hätte sie mich ja zurückrufen können. Heutzutage wird doch alles aufgezeichnet", sagt sie.

Zu ihrem Glück bleibt sie bei Bewusstsein, ruft die Johanniter an

Sie wartet 15 Minuten. Nichts geschieht – zu ihrem Glück auch ihr nichts. Sie bleibt bei Bewusstsein, kann erneut an den Johanniter-Notdienst anrufen. Der organisiert der 73-jährigen einen Arzt, der Wassereinlagerung wegen Medikamentenunverträglichkeit feststellt und behandelt. Vom KV-Dienst ist Hausinger bitter enttäuscht: "Ich habe mich abgewimmelt gefühlt."

Auf AZ-Nachfrage teilt die KV-Pressestelle mit: "Unsere Disponentin hat nicht mutwillig während des Telefonats aufgelegt." Stattdessen sei "das Telefonat mitten während des Gesprächs plötzlich unterbrochen" worden. Ein Rückruf sei wegen fehlender Rufnummernanzeige nicht möglich gewesen.

KV-Bayern-Sprecherin Birgit Grain: "Wir bedauern selbstverständlich, dass die Patientin mit unserem Dienstleistungsangebot nicht zufrieden war. Das Wichtigste ist, dass Frau Hausinger ärztlich versorgt wurde und sie wieder wohlauf ist."

 

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