Hygiene-Skandal Müller Brot: Schaben und Mäusekot gefunden!

Jetzt ist es amtlich: Schaben und Mäusekot wurden bei Müller Brot gefunden... Foto: fotolia/dpa (Bildmontage)

Die Großbäckerei Müller Brot steht schon seit fast neuen Monaten im Visier der Ermittler der Staatsanwaltschaft. Mitte 2011 gab es einen Durchsuchungsbeschluss.

Neufahrn/Landshut – Gegen die geschlossene Großbäckerei Müller-Brot ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit fast neun Monaten. Das Landratsamt Freising wies die Staatsanwaltschaft Landshut schon am 10. Mai 2011 auf Hygienemängel in dem Neufahrner Betrieb hin, wie Oberstaatsanwalt Markus Kring am Freitag Informationen des Bayerischen Rundfunks bestätigte. „Es wird wegen des Inverkehrbringens von Lebensmitteln ermittelt, die für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet sind.“

Derweil wird der Skandal um das Ungeziefer und die verschmutzten Maschinen in der Backwaren-Fabrik zum Politikum und beschäftigt mittlerweile auch den Landtag in München. Die SPD-Fraktion forderte volle Aufklärung des Parlaments. Müller-Brot backt bis zu eine Million Semmeln und Brezen pro Tag sowie an die 70 000 Brote.

Mitte 2011 standen Lebensmittelkontrolleure des Landratsamtes mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss vor den Toren von Müller-Brot. Die Staatsanwaltschaft habe sich vor allem dafür interessiert, „welche Lebensmittel den Betrieb verlassen haben“, sagte Kring. Danach sei es in erster Linie darum gegangen, wie die Verschmutzungen der Produktionsanlagen abgestellt werden können. Der Staatsanwalt nannte das Bemühen um bessere Hygiene in der Großbäckerei ein „stetiges Auf und Ab“.

Grundlage für die Kontrollen ist das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB). Ungeziefer habe bislang nicht die Hauptrolle gespielt, ergänzte Kring. Es sei aber in der Branche bekannt, dass Mäuse und Schaben in Backstuben dazugehören. Das Landratsamt hatte am Donnerstag neben Verschmutzungen von Maschinen erstmals auch von erheblichem Schädlingsbefall gesprochen. Laut Staatsanwaltschaft wurden tatsächlich Schaben und Mäusekot gefunden.

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weiß sogar schon seit Jahren von den Hygieneproblemen bei Müller-Brot. „Leider hat sich eine dauerhafte Besserung nicht ergeben, so dass die jetzige Maßnahme erforderlich wurde“, sagte Behördenchef Andreas Zapf dem Bayerischen Rundfunk.

Die Landtags-SPD forderte am Freitag einen umgehenden Bericht des Landesamts im Parlament. Unter anderem müsse gesagt werden, welche Kontrollergebnisse die Überprüfungen in den vergangenen Jahren brachten. Zudem interessiere, ob das Landratsamt möglicherweise für Verzögerungen bei der Aufklärung mitverantwortlich ist. „Wie vieler Jahre bedarf es, um die Mängel bei der Lebensmittelüberwachung in Bayern bewusst zu machen“, sagte der SPD-Abgeordnete Horst Arnold.

Die Verbraucherorganisation foodwatch forderte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf, schnellstmöglich alle amtlichen Kontrollergebnisse zu veröffentlichen. „Und zwar im Internet und an jeder Ladentür mit einem leicht verständlichen Symbol wie dem Smiley, so wie es Dänemark seit zehn Jahren erfolgreich vormacht“, sagte der stellvertretender foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Der Verband Deutscher Großbäckereien bedauerte die Hygienemängel bei seinem Mitgliedsbetrieb Müller-Brot. „Nur Betriebe mit hohen Hygienestandards werden wettbewerbsfähig bleiben“, sagte Hauptgeschäftsführer Armin Juncker in Düsseldorf. „Darum ist Hygiene das Top-Thema Nr. 1 in allen unseren Backbetrieben.“

Der Freisinger Landrat Michael Schwaiger (Freie Wähler) wollte am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz über das weitere Vorgehen in dem Lebensmittelskandal informieren. Unklar ist bisher, warum die Öffentlichkeit nicht schon früher über den Fall informiert wurde und ob die Großbäckerei für längere Zeit geschlossen bleibt. An dem Gespräch nimmt auch Präsident Zapf vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit teil.

Die Großbäckerei erzielt nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 115 Millionen Euro pro Jahr. Neben Brot und Semmeln für die eigenen Filialen produziert Müller-Brot auch Backwaren, die in Supermärkten verkauft werden. Das Unternehmen gehört wie Löwenbäcker Leipzig zur Ostendorf-Gruppe. Müller-Brot zählt nach Angaben des Verbands Deutscher Großbäckereien zu den zehn größten Bäckereiketten Deutschlands. Schwerpunkt ist Bayern. Die Firma beschäftigt insgesamt etwa 1300 Mitarbeiter.

 

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