Hygiene-Skandal Müller-Brot: Haben's die Millionäre versemmelt?

Der Hygiene-Skandal bei Müller: haben es diese Millionäre versemmelt? Foto: Schramek/AZ

Klaus-Dieter Ostendorf und Michael Phillips – die zwei Millionäre hinter Müller-Brot. Sie halten sich Pferde, Eishockey-Mannschaften und eben auch ein paar Bäckerei-Ketten

In Garrel beherrscht gemäßigtes Seeklima mit feuchten Nordseewinden das Wetter. Es regnet oft in dem niedersächsischen Städtchen, das zeigt die Statistik. Aber es fallen auch andere Dinge vom Himmel: 1930 krachte hier, südlich von Oldenburg, ein Meteorit in den Ortsteil Beverbruch. Und September 1999 regnete es Geld, hunderte von Millionen. Auf einen Schlag. Auf einen Mann. Sein Name: Klaus-Dieter Ostendorf.

In jenen Tagen kauft der berühmte Bäcker Heiner Kamps die Bäckereigruppe Wendeln, die in Garrel sitzt. Die kennen nur wenige, aber sie ist sehr groß, produziert Marken wie Golden Toast oder Lieken und beliefert die Burger-Kette Mc Donald’s. 2,1 Milliarden Euro berappt Kamps angeblich dafür. Er wird so zu einem der größten Bäcker Europas. Und Ostendorf, damals Geschäftsführer und Mitgesellschafter von Wendeln, wird steinreich.

Heute ist Ostendorf 65 Jahre alt. Bisher kannten ihn nur Insider – dann kam der Hygieneskandal bei Müller-Brot ans Licht. Das Traditionsunternehmen gehört dem Norddeutschen seit 2003, als er es dem Gründer Hans Müller abkaufte.

Ach ja: Ostendorf hat noch einen Mitgesellschafter – Michael Phillips. Sie sind alte Freunde, seit dem Kamps-Coup auch enge Geschäftspartner. Und vielleicht sind sie die Menschen, die Müller-Brot ruinieren.

Kakerlaken, Mäusekot, seit 2009 Lebensmittelkontrolleure in der Zentralbäckerei in Neufahrn – immer wieder werden Brote aus den Läden zurückgeholt, die Fabrik tageweise geschlossen. Dennoch wird es immer schlimmer.

Die Frage ist: Warum? Haben die Eigentümer nicht reagiert? Haben sie das Problem unterschätzt? Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt. Auf Anfrage der AZ wollen sich Ostendorf und Phillips nicht zu den Missständen äußern. Vielleicht wird zumindest Ostendorf der Landshuter Staatsanwaltschaft Rede und Antwort stehen müssen. Die ermittelt gegen den äußerst öffentlichkeitsscheuen Chef von Müller-Brot.

Unklar ist, ob Ostendorf von den Vorgängen in Neufahrn wusste. Eigentlich müsste er es wissen, als Geschäftsführer. Mit 65 Jahren könnte sich Ostendorf zwar auf sein prächtiges Gestüt „Famos“ zwischen Buchsbaumhecken, englischem Rasen und edlen Zuchtpferden südlich von Bremen zurückziehen. Der geschiedene Mann hat drei Söhne, die in seinem Brot-Reich mit die Fäden ziehen. 2003 wurde er mit einem geschätzten Vermögen von 200 bis 300 Millionen Euro auf Rang 239 der reichsten Deutschen geführt. Er könnte also seinem Hobby Golf frönen. Oder Reiten. Aber er bleibt dran.

Ostendorf ist Geschäftsführer von rund einem Dutzend Unternehmen – ein Firmengeflecht, verschlungen wie eine Brezn, das von Wien bis Leipzig, von Gelsenkirchen bis München reicht (Grafik). Damit bestückt der Brot-Baron hunderte Bäckereien in Deutschland und Österreich. Die drei bekanntesten Firmen seines Imperiums sind Ankerbrot in Österreich, Löwenbäcker in Leipzig und Müller-Brot – in allen drei steht ihm Michael Phillips zur Seite. Die beiden kennen sich vom Kamps-Deal 1999. An diesem Geschäft war die britisch/US-amerikanische Investment-Firma Apax beteiligt, die Phillips in Deutschland etablierte – von München aus.


Das Geflecht aus Firmen: Die AZ-Grafik zum Reich der Müller-Brot-Besitzer

Klaus-Dieter Ostendorf ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Müller-Brot GmbH – er hat auch viele weitere Firmen, etwa die „Famos“-GmbH in Wachendorf (Niedersachsen). Die Backwelt GmbH in Cloppenburg, die er besitzt und leitet, übernimmt den Einkauf von Rohstoffen, unter anderen für Löwenbäcker in Leipzig, Ankerbrot in Wien und Müller-Brot. Löwenbäcker führt Ostendorf mit Stefan Huhn und Jürgen Kluge, die auch Müller-Brot-Geschäftsführer sind. Bei Anker sitzt er mit seinem Sohn Peter im Vorstand. An diesen drei Unternehmen mit 3340 Mitarbeitern und rund 420 Filialen ist auch Michael Phillips als Gesellschafter beteiligt – zum Teil über Zwischen-Firmen. Bei Ankerbrot ist er Aufsichtsratschef. Phillips ist Partner bei der amerikanisch-britischen Investment-Firma Apax. Sie verwaltet nach eigenen Angaben rund 27 Milliarden Euro an privatem Beteiligungskapital und ist damit eine der größten Firmen im so genannten Private-Equity-Bereich.


Der smarte Schwarzhaarige ist in der Stadt kein Unbekannter. Seit 2007 gehört ihm der Eishockey-Club München zu einem Drittel. Für den Multimillionär Anfang 50, der Firmen wie Takko oder Tommy Hilfiger aufkauft, saniert und mit möglichst viel Gewinn wieder verkauft, gehört das zum guten Ton: Er ist gebürtiger Kanadier und Eishockey-verrückt. In seinem luxuriösen Haus im Herzogpark (mit Indoor-Pool) lässt er Grillpartys für die Spieler springen. Dort sollen selbst die Lampen über'm Esstisch in der Form eines Eishockey-Schlägers angeordnet sein. Dass Müller-Brot EHC-Sponsor ist – eh klar.

Wochentags operiert der von Insidern als knallhart kalkulierender Geschäftsmann beschriebene Phillips von London aus – oder jettet über den Globus. Nach den Wochenenden in München sitzt er meist schon am Sonntagabend wieder im Flieger. In München wohnt der Vater von vier Kindern mit seiner Ehefrau, die er seit dem Studium an der Queen's University in der kanadischen Provinz Ontario kennt.

Neben Eishockey sind teure Gemälde und sein dunkelgrauer Mercedes 280 SE 35 Cabrio seine Leidenschaft. Das Gefährt von 1971 (200 PS) ließ er vom Edel-Tuner Brabus eigens umbauen – für rund 300 000 Euro. Dass er halb München kaufen könnte, sieht man dem Sonnyboy mit überbreitem, weiß strahlendem Jim-Carrey-Lächeln sonst nicht an: In München tritt er lässig in Jeans, Rundhals-Pulli und Polo auf. „Hey, wie geht’s“, ist seine Begrüßung – Phillips spricht perfekt Deutsch, pflegt seinen charmanten kanadischen Akzent aber sorgfältig.

Zu seinen Freunden zählen Müller-Milch-Milliardär Theo Müller, Ex-Tankstellen-König Willy Habermeyer und dessen Bruder Peter – der ist Chefarzt der privaten Atos-Klinik und kümmert sich auch um verletzte EHC-Spieler. Hin und wieder tauchte Phillips auch mit Klaus-Dieter Ostendorf in der Eishalle auf. Beide super-freundlich, immer gut drauf, sagen die, die's gesehen haben. Gut Wetter, eitel Sonnenschein. Was kümmern einen da dunkle Wolken in Neufahrn?

 

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