HVB-Vorgänger zur Nazizeit Vereinsbank: Kein Widerstand, aber Resistenz

Vorgängerinstitute der HypoVereinsbank: die Bayerische Vereinsbank (hier die Filiale in der Kardinal-Faulhaber-Straße), die Hypobank (hier die prunkvolle Schalterhalle in der Theatinerstraße von 1898, die im Krieg zerstört wurde) und die Bayerische Staatsbank an der Prannerstraße. Foto: Historisches Archiv der HypoVereinsbank, Wikipedia/Rufus46

Im Dritten Reich hat sich die Vereinsbank lange der Einflussname durch die Nazis widersetzt, wie eine Studie jetzt belegt.

Während des Naziregimes steckten viele deutsche Unternehmen mit Hitlers Handlangern unter einer Decke. Zum eigenen Vorteil. Die Bayerische Vereinsbank jedoch wehrte sich auf ihre Weise gegen die Einflussnahme des NS-Staats. Als die Gestapo 1939 Ermittlungen gegen die Bayerische Vereinsbank anstieß, war Friedrich Pasternak, Jude und bis dahin Vorstandsmitglied bei der Bayerischen Vereinsbank, zum Glück schon nach London geflohen.

Dass der Aufsichtsrat ihm jedoch über ein Netzwerk aus Verwandten und Bekannten 300 Reichsmark monatlich zukommen ließ, konnten Hitlers Unrechtshüter nicht verhindern. Dabei wären die Konsequenzen für die Münchener Bänker verheerend gewesen, denn sie verstießen nicht nur gegen die Rassengesetze von 1935, nach denen Juden keine Pensionsansprüche mehr zustanden. Auch Überweisungen nach London waren nach der Devisenordnung unter Strafe gestellt.

Als Hort des Widerstandes möchte Prof. Horst Möller, bis 2011 Leiter des Instituts für Zeitgeschichte, den Aufsichtsrat der damals wichtigen bayerischen Regionalbank dennoch nicht verstanden wissen. Er bescheinigt dem Geldinstitut jedoch eine „erstaunliche Resistenz“, gegenüber dem Einfluss der Regierung.

Der renommierte Historiker und Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der LMU in München hat im Auftrag der HypoVereinsbank während der vergangenen elf Jahre die Archive ihrer vier Vorgängerinstitute (darunter die Bayerische Staatsbank, Vereinsbank und Hypotheken- und Wechselbank) durchforstet, wovon die Bayerische Vereinsbank die bedeutendste war.

„Es hat mich sehr überrascht, wie lange die Vereinsbank die Einflussnahme der Nationalsozialisten abwehren konnte“, so Möller zur AZ. „Ihr Beispiel zeigt, dass es durchaus Spielraum für Unternehmen gab, inwieweit sie mit dem Regime kooperierten. Die Vereinsbank hat diesen Spielraum bis zum Äußersten ausgereizt.“

Besonders der Aufsichtsratchef der Vereinsbank, Paul Reusch, nahm damit ein großes persönliches Risiko auf sich. Reusch war lange Jahre Vorstandsvorsitzender des bedeutenden Montan- und Maschienenbauunternehmens „Gutehoffnungshütte“ im Ruhrgebiet, neben der Mendelssohnbank einer von zwei Großaktionären der Bayerischen Vereinsbank. „Es ist bezeichnend“, so Möller „dass Hitler 1932 ihn besuchte und nicht etwa umgekehrt.“ Reusch war einer der einflussreichsten Großindustriellen Deutschlands.

Dabei war er beileibe kein Liberaler, Demokrat oder Idealist, sondern stramm deutschnational orientiert und hatte in der Weimarer Republik die konservative Deutsche Volkspartei (DVP) und den rechten Kanzler von Pappen unterstützt. Er selber war aber weder Nationalsozialist, noch Antisemit und hielt lange seine schützende Hand über Juden in seinem Umfeld.

Der nach Professor Möller „selbstbewusste und dickköpfige“ Reusch „war als Aufsichtsratchef auch deswegen so stark, weil er die Unterstützung des zweiten Großaktionärs, der Mendelssohnbank, hatte.“

Bis 1938 konnte er sich die Nazis laut Möller „überraschend gut“ vom Halse halten. Andere Banken, besonders die großen Institute wie die Deutsche Bank, hatten bereits 1933 ihre jüdischen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder entlassen.

Die Vereinsbank „arisierte“ sich erst unter großem Druck 1938 – und Pasternak musste fliehen. Auch bei der Beraubung der deutschen Juden durch das NS-Regime hielt sich die Bayerische Vereinsbank offenbar zurück.

„Manche Banken haben sich an der Enteignung von Privatvermögen aktiv beteiligt, die Vereinsbank war eher zögerlich“, sagt Möller. „Es gibt einige Fälle, in denen die Bank sagte, sie könne nicht feststellen, ob der Kunde wirklich Jude sei, und deswegen die Gelder nicht einfrieren.“

In den meisten Fällen jedoch musste die Bank den Verordnungen Folge leisten. Und spätestens ab 1938 wurde auch die Bayerische Vereinsbank dem nationalsozialistischen Wirtschaftssystem gleichgeschaltet. Mit Reusch mussten insgesamt zehn Mitglieder des Aufsichtsrats das Unternehmen verlassen. Ersetzt wurden sie großteils durch Nazis.

Auch wenn geschäftliche Gründe eine Rolle gespielt haben mögen, haben Paul Reusch und die Aufsichtsräte der Vereinsbank so lange sie konnten „ihre Handlungsspielräume beim Umgang mit jüdischen Kollegen und Geschäftspartnern ausgenutzt, im Gegensatz zu den meisten in ihrer Branche“, so Möller „Das ist wirklich beachtenswert.“ Kein echter Widerstand, aber ein bisschen Resistenz.

 

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