Huck gegen Afolabi Neuer WM-Fight: Wer kriegt die Hucke voll?

Marco Huck (links) tritt gegen Ola Afolabi an. Foto: dpa

Marco Huck kämpft gegen Ola Afolabi erneut um die WM. Und er sorgt wieder für Unruhe, feuert den Headcoach. „Er ist ein netter Junge, kann mit Erfolg aber nicht umgehen.“

Halle - Der entthronte Box-Weltmeister Wladimir Klitschko wird in Halle als Experte am Ring sitzen und einem entthronten Weltmeister dabei zusehen, wie der versucht, seine Karriere wieder in die Erfolgsspur zu lenken: Marco Huck. Der 31-Jährige, der bei seinem ersten Kampf, nachdem er sich von seinem Boxstall Sauerland abgewendet hat und glaubte, alles selber regeln zu können, gegen den Polen Krzysztof Glowacki K.o. gegangen war, steht nun also ohne WM-Titel da. Am Samstag (22.30 Uhr, RTL) will er sich einen Gürtel zurückholen, wenn auch nur den des eher unbedeutenden Verbandes IBO. Der Champion dort ist der Brite Ola Afolabi.

Huck gegen Afolabi, das ist ein WM-Kampf re-re-re-loaded. Es ist die vierte Auflage der beiden. Die Bilanz bisher: Ein Unentschieden und zwei knappe Punktsiege für Huck nach extrem engen Kämpfen. In der Vorbereitung auf seinen Comeback-Fight hat Huck – mal wieder – so ziemlich alles falsch gemacht. Vor der K.o.-Pleite gegen Glowacki im Spielerparadies Las Vegas hatte er das süße Leben genossen – und die Casinos und die Einkaufsmalls teils mehr frequentiert als das Gym. Nun feuerte der von jeder Finesse unbefleckte Brachialboxer Huck elf Tage vor dem Titelkampf seinen Coach Conny Mittermaier und heuerte den Trainer-Novizen Varol Vekiloglu an. In der Branche gilt der sprunghafte Huck als nahezu untrainierbar.

Erfolg war Huck dermaßen zu Kopf gestiegen

Nur Ulli Wegner, der sanfte Diktator, konnte Huck bisher kontrollieren. Zehn Jahre betreute er ihn, bis Huck sich von Promoter Sauerland abwendete und dessen Angestellter Wegner Huck nicht mehr betreuen durfte. „Es tut mir leid um den Jungen. Er muss einen ganz schweren Weg gehen. Er braucht jemanden mit Autorität, der ihm in den Hintern tritt“, bekannte Wegner und orakelte: „Er kann alle möglichen Experten holen, die werden ihn nicht in den Griff kriegen. Er ist ein netter Junge, kann mit Erfolg aber nicht umgehen.“

Der Erfolg war ihm dermaßen zu Kopf gestiegen, dass er sich eben von seinem Promoter abwendete, der ihn so kalkuliert nach oben geführt hatte. Er wollte sich selbst vermarkten, gründete die Huck Sports Promotion, setzte seinen unerfahrenen Bruder Kenan als Manager ein und wollte die USA im Alleingang erobern. Dort bestritt er aber genau einen Kampf, es war die Entthronung durch die schlagstarken Hände von Glowacki. „Mich hat das nicht gewundert. In Deutschland werden die Boxer so protegiert, dass ihnen nicht viel passieren kann. Deswegen trauen sie sich ja gar nicht, woanders zu kämpfen“, sagte Afolabi der AZ, „damit sind sie aber in meinen Augen nur Deutsche Meister, nicht Europameister, nicht Weltmeister. Die Großen wie Muhammad Ali sind in deinem Hinterhof angetreten. Deswegen gehe ich in die Höhle des Löwen. Egal, ob es Russland ist, wo ich Rakhim Chakhkiev den Titel abgenommen habe, oder jetzt nach Deutschland zu Huck. Ich bin zum vierten Mal hier. Er natürlich nie bei mir.“

Nein, Huck boxt wieder in Halle, das er als „sein Wohnzimmer“ bezeichnet. Und erstmals beim TV-Sender RTL. Den Deal hat der Mann eingefädelt, der jetzt am Ring sitzt: Wladimir Klitschko. Der fing den gestrauchelten Champion auf, sicherte sich mit seiner Klitschko Management Group einen beträchtlichen Teil der TV-Rechte. Afolabi wiederum ist bei Klitschkos internationaler Firma K2 Promotion unter Vertrag. Der Ukrainer gewinnt und kassiert also auf jeden Fall. Huck kündigte an, dass er Afolabi „eins auf die Zwölf geben“ und ihn „schlafen legen“ werde. Afolabi erklärte, dass Huck ihn schon „umbringen“ müsse, um den Titel zu kriegen. Das martialische Ballyhoo beherrschen sie. Mal sehen, ob es die Wiederauferstehung von Huck wird, oder ob er am Ende die Hucke vollkriegt.  

 

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