Hotel Vier Jahreszeiten Schwarzreiter Tagesbar: Eine Stunde Luxus

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Geschäftig kühl: die neue Schwarzreiter Tagesbar. Foto: Jasmin Menrad

In der Schwarzreiter Tagesbar kann man viel Geld lassen – oder für 19 Euro Mittagspause machen.

 

Altstadt - Für gehobene Gastronomie und Genuss braucht es Zeit – also mache ich heute keine 30 Minuten Mittag, sondern ein Stünderl. Weil ich die Lauscher weit aufsperre, die Geldigen und Geschäftigen beobachte und unaufdringlich umsorgt werde, vergeht auch diese lange Mittagspause viel zu schnell.

Seit eineinhalb Wochen hat die Tagesbar des Sterne-Restaurants Schwarzreiter im Hotel Vier Jahreszeiten nach dem Umbau wieder geöffnet.

Geschäftliche Kühle und verlockendes Tagesangebot

Der vordere Raum strahlt eine geschäftliche Kühle aus, die zu den Menschen passt, die hier Austern mit Vinaigrette, Kren und Zitrone zu sechs Euro das Stück schlürfen oder beim Blick auf die Kaviar-Karte (30 Gramm Beluga für 140 Euro) nicht panisch den Geldbeutel festhalten.

Aber: Draußen lockt das Tagesangebot, heute ist das Weißweinrisotto mit Ochsenfetzen, gebratenen Artischocken, einem Beilagensalat und Kaffee für 19 Euro. Die Eizbach-Limo kostet fünf Euro. Um die Wartezeit zu vertreiben, nasche ich kleine, ofenwarme Semmeln mit cremigem Obazdn.

Dezent umsorgt in der Schwarzreiter Tagesbar

Meine Befürchtung, die Restaurantleitung könnte mich darauf aufmerksam machen, dass meine selbstgeschnittene Ponyfrisur schief sei und ich sollte in ein schiefes Ponycafé gehen, hat sich nicht erfüllt.

Denn bei gehobener Gastronomie tun die Mitarbeiter im besten Fall alles für ihre Gäste – egal, wie schief diese ausschauen. So lasse ich mich dezent umsorgen und versuche, den Geschäftsmännern am Nachbartisch zuzuhören.

Schwarzreiter Tagesbar: Da Risotto schmeckt

Mein Pech ist deren Glück: Die Musik ist gerade so laut, dass ich nur Gesprächsfetzen verstehen kann: "Projekt entwickeln" und "natürliche Auslese". Als eine große Gruppe englisch schwatzender Geschäftsleute das Schwarzreiter betritt, wird es lauter, neue Gäste werden in den ruhigeren Nebenraum gebracht.

Das Risotto zieht kleine Fäden, das Gericht ist schwer, trotz der Artischocken und bunten Tomaten, aber leicht gewürzt. Ich mag es. Der Salat würde auf anderen Karten als "Wildkräutersalat" angepriesen werden.

Zum Abschluss trinke ich einen Cappuccino. So vertrödle ich ein schönes Stünderl, bin mir aber sicher, dass das Personal es auch in einer halben Stunde geschafft hätte, wenn ich nur den Wunsch geäußert hätte.


Maximilianstraße 17, 12 bis 14 Uhr, Telefon 212 521 25

Lesen Sie hier: Neueröffnung - Die unaufgeregte Hotelbar am Hauptbahnhof

 

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