Hot Dog, Sushi, Carpaccio Weißwurstburger und Konsorten

Metzgermeister Steffen Schütze von der Metzgerei Hack aus Freising mit seiner neuen Kreation - dem Weißwurstburger. Foto: ho

Ein Freisinger Metzger verkauft die Münchner Spezialität in der Laugensemmel. Es gibt aber noch viel abstrusere Rezepte...

 

München/Freising - Dick und lang wie eine große Gurke, gräulich-weiß mit grünen Sprenkeln, leicht gekrümmt. Zwei Enden, dazwischen Kalbsbrät.
So schaut sie aus, die Weißwurst. Normalerweise.

Diese Form hat sie jetzt seit 157 Jahren. Und viele halten sie offenbar für antiquiert. Metzgermeister Steffen Schütze aus Freising etwa. Seine Weißwurst hat kein Ende. Sie ist eine Scheibe.
Schütze serviert sie in der Metzgerei Hack in einer Laugensemmel mit Salatblatt und süßem Senf für 3,20 Euro.

Er könnte das Ganze jetzt einfach „Weißwurstsemmel“ nennen, Schütze aber sagt „Weißwurstburger“ dazu. Er nennt das die „Weiterentwicklung einer bayerischen Spezialität“. Oder: „Tradition trifft Moderne.“

Die weiterentwickelte Weißwurst schaut auf den ersten Blick aus wie eine dicke Portion Pannacotta. Oder Gasbeton. Interessant, würden Amerikaner dazu sagen. „Preißngaudi“, meint User Rudi Chylla auf der AZ-Facebook-Seite. „Mag schmecken – geht aber gar nicht“, schreibt Monika Bock. Und Michael Frey schreibt auf der Facebook-Seite des Weißwurstburgers (109 Likes): „Vor ein paar Jahren wäre ein Metzger von den Eingeborenen für diesen Frevel noch geteert und gefedert worden.“

Heute nicht mehr. Die 1857 erfundene bayerische Vorzeige-Spezialität hat sich längst verselbstständigt: Es gibt sie mit Champagner, mit Weißwein oder mit Senf und Balsamico gefüllt – etwa in Stuttgart. Sie kommt als Eis daher, als Hot Dog, als Sushi oder Schaschlik.

Im Internet verbreiten Hobbyköche Weißwurst-Rezepte wie Carpaccio mit Erdbeeren oder Auflauf mit Kartoffeln. Sie pürieren sie zu Cremesuppe oder backen Muffins daraus. Andere servieren sie zu Nudeln mit Pesto, grillen sie oder marinieren sie in Bier. Auch aus Seelachs oder Meeresfrüchten wurde sie bereits gewurstet.

Fehlt nur noch die Weißwurst in Schwarz. Ach, nein – gibt’s ja auch schon: 2007 färbte ein Regensburger Metzger zum Jubiläum den Naturdarm dunkel.

Die Weißwurst muss heute nicht mehr klassisch auf den Teller. Dementsprechend positiv sind sind die meisten Kommentare zum Weißwurstburger: „Gratulation!“, schreibt ein User auf Facebook. „Sieht lecker aus!“, eine andere. Oder: „Wie geil ist das denn?“. Ein weiterer zeigt sich abgeklärt: „Hauptsach’ ohne Ketchup!“

 

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