Horst Keitel und Ehefrau Herta TV-Star und seine Frau: Hand in Hand in den Tod

Auf dem Balkon ihrer Berliner Wohnung: Horst Keitel und seine geliebte Frau Herta. Foto: Boris Trenkel für Bauer Premium Agentur/action press

Demenz-Drama in Berlin: Horst Keitel († 88) und Ehefrau Herta († 92) haben 51 Jahre lang zusammen gelebt, jetzt sind sie zusammen gestorben. Ein Freund sagt: „Sie waren wie Romeo und Julia."

 

Berlin - Sie waren eines dieser Ausnahme-Paare. Seit 51 Jahren verheiratet, glücklich – immer zusammen, auch im Stillen, bis zum Schluss.

Dabei waren beide mal große Berühmtheiten: Horst Keitel († 88) wurde in den 60ern als kauziger Rechtsanwalt in der ZDF-Abenteuerserie „Percy Stuart“ bekannt, in der zeitweise auch seine Frau Herta Kravina († 92) mitspielte.

Während er später noch kleiner Rollen in „Großstadtrevier“ und „Die Schwarzwaldklinik“ hatte und dem Technikexperten „Q“ aus den früheren Bond-Filmen die Stimme lieh, war sie Synchronsprecherin von Zsa Zsa Gabor und Anita Ekberg.

Der Beruf hat sie von Anfang an verbunden, dann kam die Liebe. Hochzeit 1964. Seitdem haben Horst und Herta Keitel zusammen gelebt. Am Freitag sind sie zusammen gestorben. Nach Angaben der Familie wurde das Paar von Nachbarn tot in der Wohnung in Berlin-Charlottenburg gefunden. Die Polizei bestätigte einen Einsatz bei der Anschrift, nannte aber keine Namen. Es werde „nach ersten Ermittlungen von einem Suizid eines älteren Ehepaars ausgegangen“.

Zuletzt hat Herta in einem Pflegeheim gelebt, Horst holte sie zum Sterben nach Hause. Claus Wilcke (76), der die Hauptrolle in „Percy Stuart“ spielte, war ein Freund des Paares. Der „Mopo“ sagte er unter Tränen: „Horst und Herta waren wie Romeo und Julia, einer konnte ohne den anderen nicht leben.“ Und weiter: „Herta litt seit 2009 an Demenz – und es wurde immer schlimmer.“

Vor sechs Monaten hatte Wilcke die Keitels zuletzt besucht. „Da sagte Horst zu mir: Was soll ich noch alleine hier? Er kündigte an, dass sie beide sterben wollten. Er hat mir zwar versprochen, es nicht zu machen. Aber offenbar war die Liebe zwischen den beiden so groß, dass mein bester Freund jetzt einfach keinen anderen Ausweg mehr sah.“

Gerade erst hat der Bundestag beschlossen, dass gewerbliche Sterbehilfe verboten wird. Keitel hatte sich mit dem Thema beschäftigt, so Wilcke: „Er hat mir gesagt, dafür müsse man nicht in die Schweiz, es gebe ja das Internet.“


Anmerkung der Redaktion:

In der Regel berichtet die AZ nicht über Selbsttötungen – es sei denn, die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie bei der Telefonseelsorge:  0800–111 0 111 und 0800–111 0 222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist kostenlos.

 

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