Horst Evers in der Lach & Schieß Frei sprießt der Witz aus dem Buch

Horst Evers schaut hier nur so, als hätte er einen Schnitz Gravensteiner im Mund, aber aus dem tiefsten Inneren darf er natürlich sagen: „Wäre ich du, würde ich mich lieben“. Foto: KIKE/www.kikephotography.com

Horst Evers mit seinem neuen Programm „Hinterher hat man’s vorher gewusst“ in der Lach- und Schießgesellschaft

 

Horst Evers hat’s geschafft: Seine Bücher sind Bestseller, seine Auftritte ausverkauft. Jetzt auch die drei in der Lach- und Schießgesellschaft. Der Erfolg war abzusehen, schon vom Tage an, als Evers vor über 47 Jahren im niedersächsischen Diepholz geboren wurde. Oder? „Hinterher hat man’s meist vorher gewusst“, nennt er sein neues Programm, das weitgehend eine Lesung seines Buchs „Wäre ich du, würde ich mich lieben“ ist. Einige Nummern hat er auswendig gelernt, andere nicht, dazu eingestreut Älteres, was nicht stört, weil die Texte sowieso danach schreien, vom Bühnenereignis Evers im stimmlich-mimisch präzisen Vortrag belebt zu werden.

Dunkelrot ist Evers Hemd, eine brutale Signalfarbe, und er nimmt sich zunächst verständnisvoll die blutwurstigen Steuersünden des Uli Hoeneß vor („Wer Wurst produziert, ist es gewohnt, alles verschwinden zu lassen“), um den Bogen der menschlichen Schwächen weiter zu Evers’ Wahlheimat Berlin und der Dauer-Baustelle Flughafen Schönefeld zu ziehen. Tagesaktuelles Kabarett ist aber nicht primär seine Sache, und so kommt er wie immer zu den absurden Kleinigkeiten des – natürlich wahren! – Lebens, etwa die stark duftende Chicorée-Salami, die ihm die Mutter einer Ex-Freundin regelmäßig schickt, oder die Schultafel von einst, die er auf Ebay ersteigert, um zu merken, dass sie vom Leid der auf der Tafel vermerkten Zuspätkommer verflucht ist. Exorzismus zwecklos.

Die Anekdoten taumeln ins Massen-Chaos

Vom Dämon des klugen Unsinns besessen, schweift der Erzähler gerne weit ab und macht am Ende doch immer wieder diese Evers-Schleifen zurück zum Anfang, was seine Geschichten rund wirken lässt. Wenn ein Mann in Cottbus an der grünen Ampel steht, aber nicht vorwärts geht, sondern stattdessen auf Evers’ Anfrage erstmal den Sinnspruch „Was nützt dem Wolf die Freiheit, wenn er das Schaf nicht fressen darf?“ in die Luft stanzt, dann kann man davon ausgehen, dass Evers am Ende selbst an der Ampel steht, nicht vorwärts geht und das sagt, was sein Vorgänger gesagt hat.

Häufig lässt Evers seine Anekdoten ins Massen-Chaos taumeln, das vom Einzelnen mehr oder minder gewollt erzeugt wird. Da graben Urlauber einen ganzen Strand um oder Zug-Gäste erzeugen geräuschstark die Atmosphäre eines Bordells. Wie es dazu kommt? Muss man selbst hören und sehen. Von diesem Wolf im Schafspelz, der uns mit seinem frei sprießenden Witz mit Haut und Haaren frisst.

Vorstellung am Samstag ausverkauft, Zusatzvorstellung am 2. Juli 2014 im Lustspielhaus

 

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