Hofstatt Betriebsrat für Abercrombie & Fitch

Mehr Mitbestimmung im Model-Laden: Bei Abercrombie & Fitch wählen die Münchner Mitarbeiter Anfang Mai einen Betriebsrat. Foto: Tim Wessling

Viele Models im Schaufenster, wenig Arbeitnehmerrechte im Laden - doch jetzt wählt die Münchner Filiale der US-Modekette einen Betriebsrat. Und es soll sich noch mehr ändern.

 

Altstadt - Es ist soweit: Am 2. und 3. Mai wählen die Mitarbeiter der Münchner Filiale des Modegeschäfts "Abercrombie & Fitch" (A&F) in der Hofstatt einen Betriebsrat - zum ersten Mal.

Nach AZ-Informationen treten zwei Listen zur Wahl an: Eine der Gewerkschaft Verdi - und eine Liste mit dem Namen "Tag-Schicht", die laut Mitarbeitern eher unternehmerfreundlich ist. Auf der ver.di-Liste kandidieren 36 Beschäftigte, auf der anderen 15.

Verdi-Sprecher Orhan Akman bestätigte den Termin der Wahl und die Listen auf AZ-Nachfrage - und kündigt an: Das wird wohl nicht die letzte Betriebsratswahl in den Filialen des US-Unternehmens sein: Am Dienstag hat Verdi auch bei Abercrombie & Fitch in Düsseldorf und bei der Abercrombie-Tochter Hollister in Berlin eingeleitet.

Beim Unternehmen wird sich ab Mai noch mehr ändern: Die Nachtschicht von 21 bis 6 Uhr kommt ab 2. Mai weg - und wird durch eine Morgenschicht von 5 bis 10 Uhr ersetzt. Wie die AZ erstmals berichtete, arbeiten in München nachts knapp 70 Menschen in der Hofstatt-Filiale, bereiten den Laden für den nächsten Tag vor - teils unter skurrilen Bedingungen.

Der Vorteil für A&F: Die Firma spart Geld. Viele Mitarbeiter haben nach AZ-Informationen vor, nach der Umstellung zu gehen - weil sich die Schicht für sie nicht mehr rentiert oder sie tagsüber in den Zweitjob, zum Studieren oder zu ihren Kindern müssen. Und: A&F muss dann weniger Nachtzuschlag bezahlen - nur noch für die Arbeitsstunde von 5 bis 6 Uhr.

Verdi möchte im Unternehmen noch mehr für die Mitarbeiter tun: "Wir möchten Abercrombie mittelfristig an den Tarifflächenvertrag heranführen", sagt Orhan Akman der AZ. Es gebe nämlich "größere Baustellen" bei A&F. So sehe der Tarif eine 37,5-Stunden-Woche vor, bei A&F seien es derzeit 40.

Dazu gebe es kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld, fünf statt sechs Wochen Urlaub - und deutlich weniger als den tariflich vereinbarten Lohn. So gebe es für Verkaufskräfte 9,50 Euro brutto die Stunde statt dem Tarif-Minium von 14,22 Euro.

Laut Akman seien diese Verbesserungen dringend notwendig: "Abercrombie ist nach außen hin eine Glitzerwelt - nach innen aber gilt nicht mal der Tarifflächenvertrag, der in der Branche als Mindeststandard gilt."

 

15 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading