Hochwasser in Bayern Flut-Drama am Tegernsee: Hoteliers kämpfen um Existenz

Auch den Tegernsee hatte das Hochwasser in der letzten Tagen fest im Griff. Foto: dpa

Etlichen Hoteliers am Tegernsee wäre am Wochenende beinahe die Existenz davongeschwommen. Gäste reisten ab, weil das Hochwasser in die Häuser drang. Doch jetzt wird aufgeräumt. Am Wochenende sollen die ersten Gäste nach der Katastrophe kommen.

 

Tegernsee - Das Wasser stand nicht nur im Garten, es stand im Schwimmbad, stand im Restaurant und in der Rezeption. „Es stand alles unter Wasser“, sagt Carolin Saal vom Hotel Bastenhaus am Ufer des Tegernsees am Mittwoch.

Eine der bekanntesten deutschen Urlaubsregionen wurde von der Hochwasser-Katastrophe am Wochenende besonders schlimm getroffen. Das Wasser stand 20 Zentimeter höher in den Häusern und Straßen als beim Hochwasser 1999. Vor allem die bei Urlaubern so beliebten Hotels direkt am See hat es schlimm erwischt. Die Schäden dürften im Millionenbereich liegen. Doch inzwischen ist bei den Hoteliers und Vermietern die Verzweiflung der Zuversicht gewichen, die unmittelbar bevorstehende Urlaubssaison retten zu können. Denn viele Menschen im Tegernseer Tal mit seinen fünf Gemeinden Rottach-Egern, Bad Wiessee, Tegernsee, Gmund und Kreuth leben vom Tourismus. 10 000 Gästebetten wollen vermietet werden, jährlich werden rund 1,5 Millionen Übernachtungen gezählt. Im Erdgeschoss des Bastenhauses stand das Wasser einen Meter hoch.

„In der Waschküche steht es noch immer“, berichtet Saal, die sich „als Mädchen für alles“ in dem 18-Zimmer-Haus sieht. Als am Sonntag auch noch der Strom abgeschaltet werden musste, blieb den Gästen gar nichts anderes übrig, als abzureisen oder in ein anderes Hotel auszuweichen. Wie hoch der Schaden ist, weiß Carolin Saal noch nicht, „aber er ist beträchtlich“. Wenn alles gutgeht und die Heizung wieder warmes Wasser liefert, sollen am Wochenende die ersten Gäste kommen.

Auch der Hoteliers-Familie Pirk wäre am Wochenende beinahe die Existenz buchstäblich davongeschwommen. Im Keller ihres Gästehauses „Villa Elisabeth am See“ in Rottach-Egern stand das Wasser 60 Zentimeter hoch. Mehrere Tage gab es keinen Strom. Die Pirks mussten ihre Urlauber rasch in Nachbarhäusern unterbringen. „Bei uns sind alle am Arbeiten“, sagt die Hotelchefin, „wir haben keine Zeit.“ Sie und ihr Mann Andreas Pirk wollen die bevorstehende Hauptsaison möglichst ohne Einbußen überstehen.„Bis zum Wochenende muss hier alles fit sein, dann kommen die nächsten Gäste.“

Jenny Eham vom Hotel Haltmair am See ebenfalls im Ortsteil Egern hat mehr Glück gehabt. „Bei uns standen nur der Aufzugsschacht und der Technikraum des Schwimmbades unter Wasser“, sagt die Inhaberin des 80-Betten-Hauses. Ansonsten konnte der Betrieb halbwegs normal weiterlaufen. Nur drei Urlauber hätten abgesagt. „Zwar rufen jetzt Gäste an, die mitbekommen haben, dass das Tegernseer Tal Katastrophengebiet ist, aber ich kann alle beruhigen.“ Ein unbeschwerter Sommerurlaub sei nicht gefährdet. Der Katastrophenalarm wurde inzwischen aufgehoben.

Im noblen Egerner Seehotel Überfahrt musste eilig die Tiefgarage evakuiert werden. Die Karossen der Gäste kamen auf benachbarten Parkplätzen unter, ein Shuttle-Service wurde eingerichtet. „Wir hatten drei Absagen von Reisegruppen“, berichtet der stellvertretende Hoteldirektor Florian Pick. „Etliche Gäste, die für die kommenden Tage gebucht haben, riefen besorgt an“, schildert er, „aber wir konnten sie beruhigen.“ Das Fünf-Sterne-Haus der Althoff-Gruppe mit 178 Zimmern sei mit einem blauen Auge davongekommen.

„Jawohl, wir hatten einige Absagen“, berichtet auch Georg Overs von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Am vergangenen Wochenende musste wegen des Hochwassers ein Mountainbike-Treffen von fast 3000 Teilnehmern abgesagt werden. „Die haben toll reagiert und gesagt, dass sie nächstes Jahr wiederkommen“, freut sich Overs über die Reaktionen der Radsportler. Eine regelrecht Stornierungswelle von Urlaubern im Tegernseer Tal sei aber ausgeblieben, erläutert Overs. „Das Hochwasser wird sich auf die Tourismussaison nicht negativ auswirken“, sagt er. „Wir gehen davon aus, dass die Aufräumungsarbeiten zügig vorangehen.“

 

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