Hochwasser fordert fünf Todesopfer "Da schwimmt das Haus von der Frieda vorbei!"

In diesem Haus ist die 80-jährige Frieda Z. (kleines Bild) ums Leben gekommen. Binnen Sekunden haben die Fluten ihr Haus halb mitgerissen. Ihre Leiche wird später an einem Baumstamm in einem Bach entdeckt. Foto: dpa/privat/AZ

Fünf Menschen sind in den braunen Fluten bislang ums Leben gekommen. Die Szenen, die sich kurz vor ihrem Tod abgespielt haben müssen, sind einfach nur unvorstellbar.

Simbach/Julbach - "Das ging einfach alles so furchtbar schnell" – am Tag nach der schweren Sturzflut im Rottal ist das der Satz, der von Menschen vor Ort am häufigsten zu hören ist. Die Verwüstung, die die braunen Wassermassen in den Orten rund um Simbach, Triftern und Tann angerichtet haben, ist jetzt erst richtig sichtbar.

Es gibt Menschen, die haben alles verloren, und die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Ihre Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Doch es gibt eines, das die Opfer und Helfer noch betroffener macht: Die fünf Menschen, die am Mittwochabend in den braunen Fluten ihr Leben lassen mussten.

Was mit ihnen passiert ist, ist an vielen Ecken Gesprächsthema. Bei Feuerwehrkräften, die noch immer dabei sind, Keller auszupumpen, bei Betroffenen im Ort, die anfangen die Schlammmassen aus ihren Häusern zu schaufeln. Denn die Szenen, die sich vor dem Tod der fünf Menschen abgespielt haben müssen, sind unvorstellbar.

Nachbarn hören, wie das Haus in zwei Hälften geteilt wird

Eine Frau aus der Nähe von Simbach erzählt, dass sie gehört hat, wie ein Feuermann über eine 80-jährige Frau spricht, die in Julbach ums Leben gekommen ist. Es ist Frieda Z.. Sie hat dort ein Haus nahe eines unscheinbaren Baches bewohnt.

Doch wie überall im Katastrophengebiet verwandelt sich der kleine Bach binnen Minuten zu einer zerstörerischen braunen Brühe. Der Grund: An einer nahegelegenen Brücke verfängt sich ein Wellblech. Das Wasser staut sich und plötzlich strömen riesige Wassermassen auf das Haus der Seniorin zu. Nachbarn berichten der "Bild"-Zeitung von einem lauten Knall. "Wir dachten ein Wohnwagen schwimmt vorbei, aber es war das Haus von Frieda, das durch die Flutwelle in zwei Teile gerissen wurde." Frieda Z. hat keine Chance. Sie wird mitsamt der Hälfte ihres Hauses mitgerissen. Zwei Kilometer lang. Stunden später entdecken Helfer die 80-Jährige. Sie hängt leblos an einem Baumstamm.

Am nächsten Tag räumen Helfer rund um die noch stehende Haushälfte von Frieda Z. auf. Die Einsatzkräfte sind bestürzt. Auf Bildern des komplett zerstörten Hauses sind noch Überreste eines Lebens zu sehen, das so abrupt und tragisch geendet hat. Bilder hängen noch an den Wänden, Wäsche hängt noch an einem Geländer, Elektrogeräte ragen aus dem Bauschutt.

In einem Haus ertrinkt eine Familie

Ähnlich dramatische Szenen dürften sich fast zeitgleich in dem Haus in Simbach abgespielt haben, in dem drei Frauen ums Leben gekommen sind. Taucher entdecken die leblosen Körper noch am Mittwochabend in dem Wohnhaus. Auch für sie kommt jede Hilfe zu spät. Es sind Oma, Mutter und Tochter, die es nicht mehr rechtzeitig aus dem Haus geschafft haben, als die Fluten kamen. Sie haben es nur noch in den ersten Stock geschafft – nicht hoch genug, um den Wassermassen zu entkommen.

Zeugen erzählen, dass die 78-jährige Oma auf einen Rollator angewiesen war und wohl keine Chance mehr hatte. Die Flut ist mit solcher Wucht gekommen, dass auch die 28-jährige Enkelin, die angeblich nur noch schnell ihren Laptop aus dem Haus holen wollte, und ihre 56 Jahre alte Mutter es nicht mehr rechtzeitig aus dem Haus schafften.

Lesen Sie hier: Hochwasser-Alarm - Die AZ vor Ort in Triftern

Am Tag nach der Katastrophe entdecken Taucher dann in Simbach ein weiteres Todesopfer: einen 75-jährigen Rentner, der in seinem Haus ertrunken ist.

Es gibt auch Familien, die immer noch um Angehörige bangen. Vermisst wird noch ein Ehepaar und den 65-jährigen Walter Richter. Sein Sohn Robert hat ein Bild von ihm bei Facebook und Twitter gepostet, um seinen Vater zu suchen. Auf AZ-Anfrage teilt er mit, dass von seinem Vater noch nichts Neues geben und noch immer jede Spur fehlt. Er würde sich freuen, wenn der Suchaufruf auch in der AZ erscheinen würde. Auf die Frage, wie es seiner Familie vor Ort gerade geht, antwortet er: "Den Umständen entsprechend."

 

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