Hochwasser Dieser Container ist eine Praxis

Zahnarzt Andreas Ponn vor seiner neuen Praxis: einem Container. Foto: dpa

Das Hochwasser spülte Andreas Ponn vor zwei Monaten seine Praxis weg. Jetzt bohrt der Zahnarzt im Container. Die Patienten nehmen’s gelassen – und bringen ihm Brotzeit

FREILASSING Am 2. Juni stand Andreas Ponn vor dem Nichts. Nicht mal eineinhalb Jahre zuvor hatte der Zahnarzt aus Berchtesgaden eine Praxis in Freilassing übernommen und an die 300000 Euro investiert. Jetzt war alles weg. Das verheerende Juni-Hochwasser hat Andreas Ponn mit voller Wucht getroffen. Die Wassermassen der Salzach zerstörten das Labor im Keller, die Behandlungsräume im Erdgeschoss standen unter Wasser. Alle medizinischen Geräte, darunter die drei Behandlungsstühle, waren zerstört. Harald Aichhorn erinnert sich noch mit Schrecken an den Tag, als die Flut kam.

Aichhorn ist der Vorgänger von Andreas Ponn, ihm gehört das 1948 errichtete Haus. Wegen der starken Regenfälle fuhr er am 2. Juni zur Praxis. Das Wasser im Keller überraschte ihn nicht. „Aber dann sah ich plötzlich über die Wiese eine meterhohe Welle kommen. Wie ein Tsunami überschwemmte sie binnen kurzer Zeit alles.“ Zusammen mit Ponn und weiteren Helfern versuchte er noch, Laborgeräte aus dem Keller zu retten. „Erst standen wir knietief im Wasser, dann drückte das Wasser durch die Sogwirkung plötzlich die Tür zu und das Wasser im Keller stieg bedrohlich an“, erinnert sich Aichhorn. Sie mussten aufgeben. Am Tag danach zeigte sich das Ausmaß der Schäden: Die Gerätschaften waren nicht mehr zu gebrauchen.

Die Schadenshöhe liegt im sechsstelligen Euro-Bereich. Dann der Schock: Die Versicherung wird nicht zahlen. „Da ist mir erst einmal schlecht geworden“, sagt Andreas Ponn. Schließlich zahlt die Versicherung einen Teil des Schadens. „Rund 40000 Euro bleiben aber wohl bei mir hängen“, schätzt Ponn. Aber wie sollte es weitergehen? Kollegen aus Freilassing boten zwar Hilfe an. Ponn hätte stundenweise Behandlungsstühle in anderen Praxen nutzen können. „Aber das war logistisch kaum machbar, weil meine Mitarbeiter und ich ja auch sämtliche Krankenakten und Computer hätten mitnehmen müssen.“

Über Umwege erfuhr er dann von der Praxis im Container – die rettende Idee. Ponn mietete für sechs Monate zwei Container. In einem, einer Art Lager, sind zwei Behandlungsstühle und Geräte verstaut, die möglicherweise repariert werden können. Im zweiten etwa zehn Quadratmeter kleinen Container behandelt er seine Patienten: Zwei Stühle als Wartezimmer, ein kleiner Schreibtisch für die Assistentin, der eigentliche Behandlungsraum durch zwei Aufstellwände getrennt. Statt bis zu 35 Patienten kann Ponn derzeit maximal 15 Patienten am Tag behandeln. „Die Patienten reagieren zum Glück verständnisvoll. Einer hat uns in den ersten Tagen eine Brotzeit spendiert mit den Worten „weil's euch so arg erwischt hat’.“

 

0 Kommentare