Hochwasser an der Elbe Dresden: Zwischen Flut und Sommerlaune

Dresden zwischen den Extremen: Ein sonniger Biergarten neben der Hochwasser führenden Elbe. Foto: dpa

Das Leben im sächsischen Elbtal hat in diesen Tagen zwei Seiten. Wenige Meter neben überfluteten Straßen herrscht das langersehnte Sommerfeeling mit Bratwurst und Eis.

 

Dresden - Für Denny Balthasar ging es um jeden Zentimeter. Und es ging lange gut. Doch kurz bevor die Elbe in Dresden ihren Höchststand erreichte, hat es seine Wohnung doch noch erwischt: Das Grundwasser drückte hoch. Nun räumt er zusammen mit Helfern das nasse Laminat hinaus. Er wohnt erst seit Januar in dem Haus im Stadtteil Loschwitz, nicht weit vom Fluss. „Wir haben gedacht, dass nach 2002 nicht so schnell wieder eine derartige Flut kommt“, sagt er. Wegziehen will er trotzdem nicht.

Nicht weit von seinem Haus stehen verlassene Straßenzüge noch tief im Wasser. Ein paar Meter weiter aber haben Läden und Cafés geöffnet. Das idyllische Viertel, in dem schon Friedrich Schiller im Garten eines Freundes dichtete, ist auch bei Spaziergängern und Touristen beliebt. Für sie ist das Blaue Wunder, die berühmte Loschwitzer Elbbrücke, ein lohnendes Ziel. Für den Verkehr ist sie zu Flutzeiten ohnehin gesperrt.

Allabendlich wird das Blaue Wunder nun zum beliebten Treffpunkt - als Alternative zu den überfluteten Elbwiesen, an denen sich sonst im Sommer Liebespaare und Freunde zum Grillen treffen. Nun sitzen junge Leute auch auf der Eisenkonstruktion, bei Bier oder Wein im Sonnenuntergang. Dabei wird die zum breiten Strom mutierte Elbe unter ihren Füßen von Blitzlichtern der Smartphones und Kameras erhellt.

Während Hunderte um ihre Existenz und ihr Zuhause bangen, ist für andere Dresdener einfach nur Sommer. Sie liegen in der Sonne und beobachten die Flut aus der Ferne. In der historischen Altstadt, die diesmal vor der Flut verschont wurde, schlecken Touristen seelenruhig ihr Eis, während Einsatzkräfte und Freiwillige Sandsäcke schleppen. Nur die Wasserpumpen surren leise. Allerdings behindern zu viele Schaulustige auf Brücken oder an den Schutzanlagen die Einsatzkräfte. Der Katastrophentourismus hält sich nach Angaben der Polizei aber noch in Grenzen.

Ins Traditionsrestaurant Luisenhof im Nobelstadtteil Weißer Hirsch kommen aber mehr Gäste als sonst. Zur Kaffeezeit zieht es sie auf die hochgelegene Panoramaterrasse. Viele wollten das überschwemmte Elbtal von oben sehen, berichtet Kellner Tobias Lau. Wie drei ältere Damen aus dem Raum Berlin und Freiberg. „Das Hochwasser ist beeindruckend und beängstigend zugleich“, sagt eine von ihnen. Für sie aber kein Grund zur Abreise. „Die Museen sind ja offen.“

Auf einem trockenen Fleck in den Elbwiesen gibt es Bratwurst und Eis zu kaufen. Jeweils ein Euro vom Verdienst kommt auf ein Flutspendenkonto. „Wir wollen auch die Hochwassertouristen ein bisschen beteiligen“, sagen die Verkäufer. Im Stadtteil Laubegast fahren Bewohner wie selbstverständlich mit Booten durch die Straßen zur Tankstelle auf einem kleinen Hügel. Dort gibt es sogar Strom - zur Zeit ein Luxus im ehemaligen Fischerdorf. Die Pächterin verdient ihr Geld nun mit Brot und Lebensmitteln. Sogar das Gassi-Gehen fällt nicht aus: Hundebesitzer schieben ihre Lieblinge auf Gummireifen durchs Wasser – bis sie das trockene Ufer erreichen.

 

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