Roboter und Menschen: Eine Verbindung, vor der so mancher Angst hat. Unnötig, sagt Jörg Mareczek. Der Hochschul-Professor liebt Roboter

Landshut - Roboter faszinieren Jörg Mareczek schon immer: Bereits als Kind war er von Büchern des Schriftstellers Isaac Asimov begeistert. Der hat die Robotergesetze aufgestellt - in ihnen steht unter anderem, dass kein Roboter einen Menschen verletzen darf.

Mareczek lebt diese Gesetze nun - aus seinem Kindheits-Berufswunsch Raumfahrer ist nichts geworden, dafür forscht er seit Jahren in der Robotik. Seit 2014 ist er an der Hochschule Landshut; und bringt unter anderem Studenten bei, wie man mit Robotern kommuniziert.

Wer sich jetzt denkt: Roboter und Technik, damit will ich nichts zu tun haben - der irrt. Denn das, was Mareczek erforscht, ist immens wichtig für die Menschheit, zum Beispiel bei der Bombenentschärfung, dem Rückbau von Kernkraftwerken - und vor allem in der Medizintechnik.

Das Ziel ist: Aus weiter Entfernung so präzise wie möglich arbeiten

Im Versuchslabor verfolgt Mareczek mit seinen Studenten nun das Ziel, sogenannte "Master-Slave-Systeme" zu professionalisieren. Was sich am Anfang ein wenig nach absoluter Endzeitstimmung, "Transformers" und künstlicher Intelligenz in Reinform anhört, ist eigentlich ganz praktikabel: Der Mensch denkt, der Roboter lenkt.

Der "Master" wird von Hand gesteuert - der "Slave" führt aus

Im Hochschul-Labor stehen dazu zwei silber-orangefarbene Roboterarme der Firma "Kuka", die eigentlich für die Marsmission entwickelt wurden. Der eine, also der "Master", kann vom Menschen direkt per Hand gesteuert werden - der andere, also der "Slave", steht hinter Sicherheitsglas und macht genau das gleiche wie der "Master".

Genau das ist das Forschungsziel: Dass der Mensch den Roboterarm für seine Zwecke aus weiter Entfernung nutzen kann, ohne sich - zum Beispiel wie bei der Bombenentschärfung - in Gefahr zu bringen. Wer denkt, diese Möglichkeit sei schon lange in Gebrauch, der irrt: "Wir stehen in diesem Gebiet der Forschung noch am Anfang", sagt Mareczek.

Es gibt die Systeme zwar bereits, sie kommen auch zum Einsatz. Aber sie haben nach wie vor ihre Tücken. Zum Beispiel laufen sie bei Weitem nicht so störungsfrei und geschmeidig, wie sie laufen könnten.

Es stockt, wenn zum Beispiel zwei Achsen aufeinandertreffen - da macht die feine Elektronik, die im Hintergrund den Roboterarm per Computer unterstützt, einfach schlapp.

Das soll sie aber nicht, weil eben beim Bombenentschärfen, aber auch beim Abbau eines Kernkraftwerks und bei Operationen keine Bewegungsfehler passieren dürfen: Stichwort Explosion, radioaktive Verseuchung und Kunstfehler.

Deshalb sitzen Mareczek und seine Studenten der Elektrotechnik im Labor - und versuchen, den höchst technischen Roboterarmen diese kleinen Krankheiten wie das Stocken in der Achse auszutreiben.

Vor allem in der Medizintechnik könnte Robotik helfen

"Momentan erzählen mir Chirurgen, mit einem Roboterarm zu arbeiten sei, wie zwei Paar Handschuhe zu tragen. Und das will keiner in der Medizin, wenn es um feinste Arbeit am Menschen geht", sagt Jörg Mareczek. Er will, dass die "Master-Slave-Systeme" so arbeiten, dass der Chirurg sich hundertprozentig auf sie verlassen kann.

Dass er mit ihrer Hilfe zum Beispiel das Zittern in seiner Hand reduzieren kann. "Natürlich denkt nach wie vor der Chirurg. Denn Denken kann am besten der Mensch, handeln auch. Aber bei Schwachstellen, wie etwa dem Zittern bei sehr langen Operationen, kann ihn ein Roboter unterstützen", ist Mareczek überzeugt.

Das ist grundsätzlich sein Ansatz: Da technische Hilfe einsetzen, wo sie wirklich nötig ist. Beim schweren Heben in der Pflege zum Beispiel. "Das kann locker mit Hilfe eines Roboters geschehen. Die Pflege selbst übernimmt aber der Mensch." Gleiches gilt für Mäh- und Saugroboter. Oder Fensterputzerroboter.

Voll arbeitende Putz-Roboter bleiben wohl ein unerfüllter Wunsch

Und wie sieht es mit Putzrobotern aus? Die alle Dinge erledigen, die Menschen zu Hause hassen?

Da hat Mareczek leider keine guten Nachrichten: Es würde einfach viel zu viel in der Entwicklung kosten, einen Roboter mit allen visuellen Fähigkeiten so auszustatten, dass er sämtlichen Schmutz und Dreck so erkennt wie der Mensch. Der Putzroboter käme dann auf eine Million in der Anschaffung - und das würde sich wohl keiner leisten.

Deswegen müssen wir wohl auch weiterhin zu Hause selber putzen; aber die Hoffnung liegt darin, dass Roboter immer dann zum Einsatz kommen, wenn es für den Menschen zu gefährlich oder anstrengend wird. "Ich möchte die Bombenentschärfer unterstützen und dass Robotertechnik in der Medizin besser angenommen wird", sagt Mareczek über seine zukünftige Forschung.

Und er will den Kontakt zu Chirurgen intensivieren, damit die technische Unterstützung noch besser angenommen wird. Denn: "In der Medizintechnik sehe ich ein riesiges wirtschaftliches Feld, wo der deutschsprachige Raum sehr großes Potenzial hat. Und vielleicht so sinkende Zahlen in der Automobilindustrie auffangen kann."